Die Bergmannsfrau und der Zwergenkönig

Ein Bergmann war einst sehr krank, seine Familie kam dadurch in große Not, und die Frau wusste nicht, wie sie ihren kranken Mann und ihre sieben Kinder satt füttern sollte. Eines Tages ging sie in den Wald, um Tannenzapfen zu sammeln, die sie dann in der Stadt verkaufen wollte. Sie fand allerdings nicht viel und war schon ganz verzweifelt, als auf einmal ein graues Männchen mit einem langen Bart vor ihr stand und fragte, warum sie denn weine. Weil das Männchen gutmütig aussah, vertraute die Frau ihm ihren Kummer an. Das Männchen hörte sich alles an und riet ihr dann, nach dem Hübichenstein zu gehen, wo es Tannenzapfen in großen Mengen gäbe. Damit verschwand es im Gebüsch. Als die Frau zum Hübichenstein kam, regnete es dort förmlich Zapfen von allen Tannen. Der Bergmannsfrau wurde ganz unheimlich zumute, und sobald sie so viele Tannenzapfen in ihrem Korb hatte, wie er fassen konnte, lief sie schnell nach Hause. Als sie aber die Zapfen herausschüttete, klang es hell wie Glockenklang, denn sie waren zu purem Silber geworden! Überglücklich erzählte sie alles ihrem Mann, und der meinte, dass das graue Männchen niemand anderes als der Zwergenkönig Hübich ganz persönlich gewesen sein könne. Am nächsten Morgen ging die Frau wieder sehr früh in den Wald, um sich bei dem Männchen zu bedanken. Das wartete schon auf sie und strahlte über sein ganzes runzeliges Gesicht. Dann gab es ihr eine Handvoll Kräuter und sagte, sie möge ihrem Mann davon einen Tee brauen, von dem er schnell gesund werden würde. Darauf verschwand es, genau wie am Tag zuvor, schnell im Gebüsch. Wieder befolgte die Frau den Rat des Wichtelmannes, und nach ein paar Tagen war ihr Mann kerngesund. Er hätte nun seine Arbeit wieder aufnehmen können, aber durch die silbernen Tannenzapfen waren sie so wohlhabend geworden, dass die ganze Familie für alle Zeit glücklich und sorgenfrei leben konnte. Einen Tannenzapfen aber bewahrten sie als Andenken auf, um nie zu vergessen, wem sie ihr Glück zu verdanken hatten.