Der Barbier und die Zwerge

Bei Sachsa gab es viele Zwerge in den Bergen. Sie lebten dort in Höhlen, waren aber gar nicht scheu und besuchten manchmal die Menschen. Beim Barbier von Sachsa gingen sie aus und ein, um sich von ihm rasieren zu lassen, und da er nicht allzu fleißig war, sondern eher zu lustigen Streichen neigte, halfen sie ihm auch manchmal aus der Klemme. Einmal aber ging er zu weit, den er rasierte einem Zwerg einfach die Hälfte seines Bartes ab und ließ die andere stehen. Sein Bart aber ist der Stolz eines jeden Zwerges! Als der arme kleine Kerl heimkam, wurde er so ausgelacht, dass er sich lange Zeit nicht mehr sehen ließ und auch das große Zwergenfest nicht mitfeiern konnte. Das tat nun den anderen Zwergen auch wieder leid, und sie beschlossen, den Barbier zu bestrafen. Vorläufig ließen sie ihn aber nichts davon merken. Dann war eines Tages eine große Hochzeit in Sachsa. Die ganze Stadt war eingeladen und alles freute sich darauf, nur den Barbier hatte man absichtlich vergessen. Der war darüber sehr empört, denn er rechnete sich zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Städtchens. Deshalb ging er zu den Zwergen und fragte sie um Rat. Die überlegten hin und her, auf einmal aber schien der mit dem halben Bart einen guten Einfall zu haben. Er erklärte sich bereit, dem Barbier seine Tarnkappe zu leihen, damit er unsichtbar mitfeiern und sich an der Hochzeitstafel satt essen könne. Das tat der Barbier mit Freuden. Allerdings fiel den Hochzeitsgästen schnell auf, dass von ihren Tellern die besten Stücke verschwanden, ehe sie dazu kamen, sie anzurühren. Da sie wussten, dass die Zwerge, wenn sie heimlich mit ihrer Tarnkappe an Festen teilnahmen, mit winzigen Portionen zufrieden waren, ärgerten sie sich schrecklich über den unbescheidenen Mitesser. Darauf hatten die Zwerge nur gewartet. Und als die Hochzeitsgäste vor Zorn schließlich ganz rote Köpfe hatten, riss ein Zwerg dem Barbier die geliehene Tarnkappe ab – und alle sahen ihn. Der Barbier merkte in seiner Gefräßigkeit zuerst gar nicht, was los war. Erst die Hiebe, die von allen Seiten auf ihn niederprasselten, brachten ihn zur Besinnung. Aber da war es schon zu spät. Schließlich wurde er in weitem Bogen auf die Straße befördert, schleppte sich mühsam nach Hause, legte sich ins Bett und wagte sich lange Zeit nicht mehr unter die Leute. Die Zwerge aber verschwanden aus der Gegend, denn sie hatten Angst vor der Rache des gekränkten Schaumschlägers.

Forum (Kommentare)

Info 23.11.2017 19:31
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.