Der Schmied von Mitterbach

In Mitterbach lebte vor langer Zeit ein Schmied, mit dem nicht viel los war und der lieber im Wirtshaus saß als in seiner Schmiede stand. Als er nicht mehr wusste, woher er das Geld nehmen sollte, um seine Familie zu ernähren, verschrieb er sich dem Teufel. Er wollte ihm gehören, wenn er ihm drei Jahre lang jeden Wunsch erfüllte. Dem Teufel war das recht, und der Schmied lebte von diesem Tag an in Hülle und Fülle. Nichts war ihm zu teuer und nichts zu kostbar – nur die Zeit verging schneller, als ihm lieb war. Als aber der Teufel zur vereinbarten Stunde beim Schmied eintrat, traf er nur dessen Frau an. Sie tat sehr freundlich, bot ihm einen gepolsterten Stuhl an, tischte leckere Gerichte auf und sagte, ihr Mann sei leider nicht zu Hause, weil er gerade in der Schenke die Pferde des Wirtes beschlage. Während sich der edle Herr stärke, sagte sie, wolle sie ihren Mann holen lassen. Der Schmied war aber gar nicht im Wirtshaus, sondern bei einer Frau, die etwas von Hexerei verstand und bei der er sich Rat holte. So machte er sich ohne Sorge auf den Heimweg, als seine Frau nach ihm schickte. Pfeifend trat er in seine Stube. Der Teufel dagegen rieb sich schon siegessicher die Hände, aber er hatte sich zu früh gefreut. Als er nämlich mit dem Schmied durch den Garten ging, in dem ein Kirschbaum mit reifen Früchten stand, bat der Schmied um eine Henkersmahlzeit. Der Teufel ließ mit sich reden und stieg selbst in den Baum hinauf, um ein paar Handvoll Kirschen zu pflücken. Da machte der Schmied schnell mit einem Stück weißer Kreide, das ihm die Hexe gegeben hatte, einen Kreis um den Baum, und der Teufel war festgebannt. Als er das merkte, bat und bettelte er den Schmied, ihn freizulassen. Der aber schüttelte nur den Kopf und wollte erst den Schuldschein haben, mit dem er sich dem Bösen verschrieben hatte. Das wollte nun wieder der Teufel nicht und warf deshalb eine gefälschte Unterschrift hinunter. Der Schmied, der das merkte, zerriss den Zettel und streute die Fetzen in alle Winde. Sechs Stunden lang saß der Teufel im Baum, und der Zeitpunkt rückte immer näher, an dem seine Gewalt vorbei war. Da er keinen andern Ausweg sah, gab er schließlich doch den echten Schein heraus. Der Schmied zerriss ihn ebenfalls, zog dann mit schwarzer Kreide einen weiteren Kreis um den Baum, und damit war der Teufel frei. Wütend verschwand er. Aber das Wohlleben, an das sich der Schmied inzwischen gewöhnt hatte, fehlte ihm so sehr, dass er sich nach einer Weile aufs neue dem Teufel verschrieb. Und wieder verging die Zeit wie im Fluge. Als der Teufel zum zweiten Mal kam, um ihn zu holen, bat der Schmied um drei Wünsche, ehe er von Frau und Kindern Abschied nehmen müsse. Als auch die Frau und die Kinder ihn sehr darum baten, wurde selbst der Teufel weich. Der Schmied bat nun um eine hohe Mauer um seinen ganzen Besitz. Die stand im Handumdrehen da. Dann wünschte er sich, der Teufel solle so schnell die Straße pflastern, wie der Schmied mit seinem Pferd durch die Fluren ritt, und sie gleich wieder aufreißen. Aber auch das schaffte der Teufel mit Leichtigkeit, obwohl der Bauer sein Pferd dabei zu Tode ritt. Nun war der Schmied mit seiner Weisheit am Ende, doch erinnerte er sich der Hexe, die ihm vorher gesagt hatte, er möge eines seiner gelockten Haare dem Teufel geben, um es gerade zu schmieden. Der Teufel ergriff auch gleich den Hammer und schlug kräftig darauf los. Aber nach stundenlangem Bemühen war das Haar immer noch lockig wie vorher. Da gab er es auf und verließ zum zweiten Mal wütend und fluchend die Schmiede. Und wieder kam alles genau wie vorher: Der Schmied verschrieb sich zum dritten Mal dem Teufel. Aber diesmal konnte er, als seine Zeit um war, den Teufel nicht wieder überlisten. Er musste in die Hölle. Dort traf er viele lustige Gesellen, die in ihrer Räucherkammer tranken und spielten und tolle Lieder sangen. Manchmal wurden sie zwar von Teufeln gezwickt oder gebrannt, aber das schien ihnen nicht viel auszumachen. Großer Jubel brach aus, als der Mitterbacher Schmied vom Oberteufel hereingeführt wurde. Sie hatten schon viel von ihm gehört und holten ihn daher gleich an ihren Tisch. Sogar die Teufel tranken schließlich mit, und als sie völlig berauscht waren, schlug sie der Schmied mit seinem großen Hammer, den er mitgebracht hatte, zusammen, steckte sie in seinen Sack und zwickte noch kräftig mit einer Zange hinein. Die Teufel quiekten und jammerten so laut, dass der Höllenfürst den Schmied schließlich aus seinem Reich hinauswarf. Weil der Schmied nun einmal im Jenseits war, wanderte er weiter zum Himmel und klopfte dort an die Pforte. Aber der heilige Petrus öffnete nicht. Darüber geriet der jähzornige Schmied in solche Wut, dass er sich mit der Schulter dagegen warf, bis die Himmelstür zerbrach. Als Petrus sich ihm in den Weg stellen wollte, warf er den Heiligen die Himmelsleiter hinunter und stürmte weiter bis vor den lieben Gott. Gott aber wusste schon von dem üblen Treiben des Mitterbacher Schmiedes und sprach zu ihm: »Da du auf Erden schon nichts taugtest, taugst du auch nicht für den Himmel oder für die Hölle. Ruhelos sollst du umherwandern für alle Ewigkeit!« Und so geschah es.

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Info 19.02.2018 06:49
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