Die drei Wünsche

Ein Schmied aus Jüterbog, der als frommer, ehrlicher Mann bekannt war, bekam spät am Abend den Besuch eines Fremden, der ihn um ein Nachtlager bat. Der Schmied, der niemand eine Bitte abschlug, setzte dem Mann das Beste vor, das seine Küche zu bieten hatte, und richtete ihm ein bequemes Bett. Als der Gast sich am nächsten Morgen verabschiedete und der Schmied keine Belohnung annehmen wollte, sagte der Fremde, er wolle ihm drei Wünsche erfüllen. Nun, meinte der Schmied, nachdem er eine Weile nachgedacht hatte, »dann wünsche ich mir erstens, dass mein Ohrensessel in der Ofenecke die Zauberkraft bekommt, jeden ungebetenen Gast festzuhalten, bis ich ihm erlaube, wieder aufzustehen; zweitens soll mein Apfelbaum im Garten keinen mehr herunterlassen, der ohne meine Erlaubnis hinaufgestiegen ist, bis ich ihn wieder freigebe; und drittens soll keiner aus meinem Kohlensack herauskommen, wenn ich es nicht will.« Da erklärte der Gast: »Deine Wünsche sind dir erfüllt!« Er drückte dem Schmied nochmals die Hand und ging davon. Seitdem besuchte mancher die Schmiede, und jedem Gast ging es dort gut. Eines Tages aber kam der Tod, um den Schmied zu holen. Der war durchaus noch nicht bereit, die Wanderschaft ins Jenseits anzutreten, denn er lebte gern. Deshalb bat er den schaurigen Gesellen, sich erst ein bisschen auf dem Sessel auszuruhen, weil er doch bestimmt müde vom weiten Weg sei. Der Tod fand das zunächst sehr angenehm, wurde aber sehr zornig, als er merkte, dass er nicht mehr aufstehen konnte. Allmählich beruhigte er sich und bat den Schmied, ihn ziehen zu lassen, wenn er ihm zehn weitere Lebensjahre schenke. Das gefiel dem Schmied. Er löste den Bann, und der Tod zog weiter seine Straße. Die zehn Jahre aber vergingen schnell wie ein Tag, und minutenpünktlich kam der Tod zurück. Der Schmied saß gerade in seinem Garten, als der ungebetene Gast wieder auftauchte. Die Äpfel waren reif und dufteten herrlich. »Du bist lange unterwegs, Tod«, sagte der Schmied. »Steig auf meinen Baum und pflücke dir ein paar Äpfel. Sie werden dir gut tun.« Dem Tod lief das Wasser im Munde zusammen. Eins, zwei, drei war er oben im Baum und aß. Nur heruntersteigen konnte er nicht mehr. Der Schmied hatte inzwischen seine Gesellen gerufen, die mit Eisenstangen darangingen, den Tod umzubringen. Dem wurde angst und bange, und er versprach dem Schmied, nie wiederzukommen, wenn er ihn freilasse. So kam der Tod mit dem Leben davon. Unterwegs traf er den Teufel und erzählte ihm von dem listigen Schmied. Der Teufel lachte laut, weil der Tod so dumm gewesen war, und da er neugierig geworden war, ging er ebenfalls zur Schmiede und bat um ein Nachtquartier. Dem Schmied jedoch kam der vornehm gekleidete Herr nicht ganz geheuer vor. Er sagte, dass er leider seinen Schlüssel verloren habe und die Tür nicht öffnen könne. Wenn es der Herr allerdings fertigbrächte, durchs Schlüsselloch zu kriechen, so fände er im Zimmer ein weiches Bett. Der Schmied hatte natürlich schon den Kohlensack in der Hand und hielt ihn von innen ans Schlüsselloch. Als der Teufel hereinschlüpfte, fiel er in den Sack, der Schmied band ihn schnell zu, lief damit in seine Schmiede und warf ihn auf den Amboss. Dann ließ er seine Gesellen mit großen Hämmern drauflos klopfen. Wie der Teufel auch schrie und jammerte, die Männer hörten erst auf, als sie vor Erschöpfung nicht mehr Weiterschlagen konnten. Dann erst öffnete der Schmied den Sack und ließ den humpelnden, stöhnenden Teufel zum Schlüsselloch hinaus. Er hat sich nie wieder in der Schmiede blicken lassen.

Forum (Kommentare)

Info 26.09.2017 - 00:10
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.