Der Freischütz

Es war einmal ein Förster in Zellerfels, der als junger Mann nie Glück beim Jagen hatte. Immer schoss er am Ziel vorbei und wurde deshalb schrecklich ausgelacht. Das kränkte ihn so sehr, dass er darüber ganz tiefsinnig wurde. Freudlos ging er an seine Arbeit, schlief nachts kaum und ging selten unter die Menschen; denn er konnte sich kaum noch sehen lassen, ohne dass man ihn verspottete. So ging er wieder einmal durch den Wald und grübelte über sein Jagdpech nach. Da stand plötzlich ein Jäger vor ihm und fragte, warum er denn den Kopf so hängen lasse. Der junge Förster fasste Vertrauen zu dem Fremden und erzählte ihm von seinem Kummer. Der Fremde machte nur eine wegwerfende Handbewegung. Das sei ein Übel meinte er, dem man leicht abhelfen könne. Der Förster solle am nächsten Sonntag in die Kirche zum Abendmahl gehen. Wenn der Pfarrer es ihm reiche, solle er aber nur den Wein zu sich nehmen, die Oblate aber aufbewahren, sie im Wald an einen Baum nageln und mit seiner Büchse dreimal im Namen des Teufels darauf schießen. Von diesem Augenblick an werde ihm kein Schuss mehr fehlgehen. Dem Förster schauderte bei diesem Vorschlag. Aber sein Ehrgeiz war größer als seine Ehrfurcht vor Gott. So wurde er zum Freischützen. Nie mehr ging sein Schuss ins Leere. Allmählich gewann er viele Freunde, vor allem im Wirtshaus des Dorfes. Wünschte sich einer einen Hasenbraten oder ein Rebhuhn oder sonst ein Wild, nahm er einfach seine Büchse, schoss zum Fenster hinaus und sagte prahlend: »Geh in den Garten und hole, was du gewollt hast.« Und jedes Mal hatte er genau getroffen. Einmal aber, als sie wieder sehr viel getrunken hatten, schrie einer aus der Runde, dass er diese Kunst ebenfalls lernen wolle. Der Förster versuchte, sich herauszureden, aber es half ihm alles nichts, und schließlich gab er nach. Nur musste ihm der Freund versprechen, niemand etwas davon zu verraten. Der Mann hielt sein Versprechen und wurde ebenfalls zum Freischütz. Viele Jahre lang trieb der Förster sein teuflisches Handwerk. So wurde er alt. Aber als eines Tages der Tod zu ihm kam, erinnerte er sich an sein Versprechen, das er einst dem Teufel geben musste und bat verzweifelt um Gnade. Alles Bitten und Flehen nützte ihm nichts, er brach zusammen und starb. Als man ihn aufheben wollte, sah man, dass ihm der Hals umgedreht war. Erst nach seinem Begräbnis erzählte der Freund, warum den Freischütz der Teufel geholt hatte.