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Die Bäuerin und die Schwarze Kunst

Über eine Bäuerin aus dem Kreis Friedeberg munkelten die Leute, dass sie die Schwarze Kunst beherrsche. Sie wunderten sich nämlich, dass die Frau jede Woche einen ganzen Korb voll Butter zum Markt trug, obwohl sie doch nur ein paar Kühe im Stall stehen hatte. Vor allem einem jungen Mädchen aus der Nachbarschaft ließ das keine Ruhe, und sie wollte unbedingt hinter das Geheimnis kommen. Ihr Bruder lachte sie zwar aus, aber schließlich ließ er sie doch geben. Eines Morgens belauschte sie die Bäuerin beim Buttern. Dabei entdeckte sie, dass die Frau, ehe sie an die Arbeit ging, in einen Topf langte, der auf dem Kaminsims stand. Das Mädchen trat in die Stube, setzte sich auf die Ofenbank und tat, als sei es gekommen, um sich ein bisschen mit der Frau zu unterhalten. Sobald die Bäuerin aber hinausging, langte sie schnell in den Topf und lief dann nach Hause. Dort erklärte sie ihrem Bruder, dass sie auf der Stelle buttern wolle. Der Bruder lachte und sagte, es sei zwar kein Tropfen Milch im Hause, aber wenn sie trotzdem ein Fass voll Butter bekäme, wäre ihm das natürlich lieb. Kaum aber hatte seine Schwester angefangen, war auch schon der ganze Bottich voller Butter. Kopfschüttelnd sah ihr der Bruder zu und begriff das alles nicht. Aber während er noch stand und staunte, tauchte plötzlich ein unheimlicher Mann auf und fragte sie wütend, wie sie dazu kämen, seine Macht in Anspruch zu nehmen. Damit seien sie nun verpflichtet, sich ihm mit Leib und Seele zu verschreiben. Er legte ein dickes Buch auf den Tisch, das er unter dem Arm gehalten hatte, und forderte sie auf, ihren Namen einzutragen. Der junge Bauer aber war schlau, denn er hatte gleich gemerkt, dass der bösartige Besucher niemand anders als der Teufel war. So sagte er, er wolle gern tun, was der Herr wünsche, nur müsse er vorher draußen Tinte und Feder holen. In der Küche nahm er ein Messer und ritzte sich damit leicht die Haut, sodass sie etwas blutete. Dann kam er zurück in die Stube, tauchte die Feder ins Blut und schrieb in das Buch: »Im Namen des Herrn Jesus Christus!« Neugierig trat der Teufel näher. Als er aber die Worte las, schrie er wild auf und fuhr mit Gepolter durch den Schornstein, sodass die Steine und Ziegel flogen. Diesen Schaden aber verschmerzte der junge Bauer leicht, denn er hatte seine und seiner Schwester Seele gerettet. Der war die Lust, Butter mithilfe der Schwarzen Kunst zu machen, gründlich vergangen.

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