Der Teufel als Advokat

Als die Landsknechte noch durch Deutschland zogen, kam einer auch einmal in die Mark Brandenburg. Dort aber wurde er krank und musste in einem Gasthaus um Quartier bitten. Ehe er sich ins Bett legte, übergab er seine ganze Barschaft der Wirtin mit der Bitte, sie gut für ihn aufzubewahren. Die Wirtin nahm das Geld, aber als er nach einigen Tagen wieder gesund war und es zurückhaben wollte, stritt die Frau einfach ab, jemals etwas von ihm bekommen zu haben. Es gab einen großen Streit, und der Landsknecht schrie so laut, dass man es weitum in der Nachbarschaft hören konnte. Schließlich kam der Wirt dazu und ergriff natürlich die Partei seiner Frau. Es kam zu einer Schlägerei, in der der Landsknecht den kürzeren zog, denn der Wirt wurde bei diesem Kampf von der ganzen Nachbarschaft unterstützt. Man fesselte den Landsknecht und brachte ihn vors Gericht. Da so viele Zeugen da waren, die gegen ihn aussagten, gab es ein schnelles Urteil: Der Landsknecht wurde zum Tode durch das Schwert verurteilt und ins Gefängnis geworfen. Der Arme begriff nicht, wie ihm geschah und verzweifelte an Gott und der Welt. Da stand plötzlich in seiner engen Zelle der Teufel vor ihm und versprach ihm die Freiheit, wenn er sich ihm verschriebe. Zuerst wollte der Landsknecht durchaus nicht auf das Angebot eingehen und sagte, er wolle lieber sterben als sich mit dem Teufel verbünden. Der aber behauptete schließlich, dass er es nicht etwa auf seine Seele abgesehen habe, sondern ihm aus reiner Nächstenliebe helfen wolle. Da stimmte der arme Landsknecht zu, und der Teufel gab ihm den Rat, auf dem Weg zum Richtplatz um einen Advokaten zu bitten. Diesen Wunsch werde man ihm bestimmt nicht abschlagen, und er, der Teufel, wolle dann zur Stelle sein. Ein blauer Hut mit weißer Feder sei sein Erkennungszeichen. Darauf entschwand er mit höflicher Verbeugung durch die verschlossene Tür. Am nächsten Morgen schon wurde der Landsknecht zum Richtplatz geführt. Als er um einen Advokaten bat, wurde der ihm ohne Weiteres bewilligt. Und schon stand der Teufel, wie er versprochen hatte, neben ihm. Er beherrschte die Kunst der Rede so meisterhaft, dass die Richter bald zu der Überzeugung kamen, der Landsknecht sei doch unschuldig. Nun richtete sich also der Verdacht gegen den Wirt, der bei seiner Ehre schwor, dass er das Geld nicht habe und dass ihm im anderen Fall der Teufel holen könne. Der hatte darauf nur gewartet. Mit einem wahrhaft satanischen Grinsen lüftete er vor den Richtern seinen Federhut, packte dann den Wirt an der Gurgel und schleppte ihn im sausenden Flug über die Dächer der Stadt davon. So hatte der Teufel doch eine Seele bekommen.

Forum (Kommentare)

Info 22.11.2017 17:39
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.