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Wie ein Doktor den Teufel überlistete

Einem Arzt im Allgäu waren einst die Heilkräuter ausgegangen, und so wanderte er ins Gebirge, neue zu suchen. Das war eine mühsame Arbeit, aber der Doktor wollte sie keinem anderen überlassen. Außerdem war er ein Bergnarr, der immer unterwegs war, sobald er Zeit dazu hatte. Als er gerade an einer hohen Tanne vorbeikam, hörte er eine seltsame Stimme. Er schaute umher und meinte schließlich, sie müsse aus der Wurzel einer Tanne kommen, in der ein Holzzäpfchen steckte. Der Arzt bückte sich und zog an dem Stöpsel. Mit einem dumpfen Knall flog er heraus, als wenn er einen Korken aus einer Flasche gezogen hätte. Und wieder hörte er die merkwürdige Stimme: »Bitte, rufe mich heraus. Denn nur, wenn du mich rufst, werde ich erlöst. Ein böser Geist hat mich hierher verbannt. Wenn du mir hilfst, werde ich dir alle heilsamen Kräuter zeigen, die es in den Bergen gibt.« Der Arzt tat dem armen Wicht den Gefallen. Doch kaum hatte er gerufen, da huschte etwas Geheimnisvolles aus dem winzigen Loch und verschwand im hohen Gras. Gleich darauf aber wuchs ein Mann aus dem Boden, und der Doktor erkannte ihn sofort: Es war der Teufel. Der Schwarze forderte ihn auf, ihm zu folgen. Der Doktor tat es unbekümmert, ließ sich da und dort ein Heilkräutlein zeigen und sich erklären, wofür es zu gebrauchen wäre. Ganz wohl war ihm im Stillen natürlich nicht bei dem Gedanken, dass er dem unheimlichen Kerl zur Freiheit verholfen hatte. Er grübelte daher auf dem ganzen Weg darüber nach, wie er ihn wieder dorthin bringen könnte, woher er gekommen war. Da hatte er einen guten Einfall. Ohne dass es der Teufel merkte, brachte er ihn allmählich wieder zu der Tanne zurück, in die er gebannt gewesen war. Und als sie vor ihr standen, meinte der Arzt: »Wie war es Euch nur möglich, durch dieses kleine Löchlein hineinzukommen? Das muss doch ein zauberkundiger Mann gewesen sein, der das fertigbrachte!« Der Teufel lachte selbstgefällig und antwortete: »Wer ist wohl mächtiger als ich selber? Zu solch einer Kleinigkeit brauche ich keinen zauberkundigen Mann. Soll ich es Euch beweisen?« Und dabei grinste er hochmütig. Das war sogar mehr als der Doktor erwartet hatte. Scheinbar ungläubig schüttelte er den Kopf und meinte, das klinge zwar unwahrscheinlich, aber er ließe sich gern überraschen. Der Teufel fiel tatsächlich darauf herein, verwandelte sich in ein kleines Mäuschen und verschwand im Loch. Auf diesen Augenblick hatte der Arzt gewartet. Schnell steckte er den Stöpsel wieder hinein und schlug kräftig mit der Faust darauf. Dann rieb er sich erleichtert die Hände und lachte, dass es durch den Wald schallte. Der Teufel winselte kläglich in seinem Verlies. Doch das störte den Arzt wenig. Er ging so schnell er konnte nach Hause und behielt sein Geheimnis für sich, damit niemand auf den Gedanken kam, den Bösen wieder zu befreien.

emu