Der leichtsinnige Schmied

Im Saarland lebte einst ein Schmied, der so gewaltige Kräfte hatte, dass er seinen Amboss mühelos über den Kopf stemmen konnte. Wo es eine Schlägerei gab, da war er auch dabei, und er glaubte weder an Gott noch an den Teufel. Als er einmal Hufeisen schmiedete, sprang ihm gleich das erste entzwei. Als das zweite ebenfalls misslang, schrie er wütend: »Der Teufel soll mich holen, wenn das dritte auch in Trümmer geht!« Im gleichen Augenblick zersprang auch dieses Eisen, und schon rasselte der Teufel den Kamin herunter und fletschte ihn mit gierigen Zähnen an. Da bekam es der Schmied mit der Angst zu tun, und er suchte nach einer Ausrede. Der Teufel wollte durchaus nicht mit sich handeln lassen, aber schließlich überredete der Schmied, ihn doch, in der kommenden Nacht auf dem Eisenkopf, einem Berg bei Trier, ihm eine Probe seiner Macht zu liefern. Um Mitternacht erwartete ihn der Schmied in einer hohen Buche. Er hatte seinen schwersten Zuschlaghammer mitgebracht für den Fall, dass er ihn gebrauchen konnte. Pünktlich erschien der Teufel, und der Schmied versprach ihm seine Seele auf alle Ewigkeit, wenn es ihm gelänge, alle Grenzsteine des Trierer Landes zusammenzutragen und sie zwischen ein und drei Uhr wieder an ihre Stelle zu setzen; jedoch nicht in der Reihenfolge, sondern kreuz und quer gehend. Dem Teufel schien das eine Kleinigkeit. Er pfiff gellend auf zwei Fingern, und sofort eilten Scharen von Teufeln herbei. Hastig erteilte er seine Befehle. Noch vor ein Uhr waren sämtliche Grenzsteine bei der Buche. Aber bei der zweiten Aufgabe gerieten sich die Teufel ernstlich in die Haare: Jeder wollte die Steine in der Nähe einsetzen und sich die weiten Wege sparen. Der Schmied tat inzwischen bei sich das Gelübde, dass er ein besserer Mensch werden wollte, wenn er mit heiler Haut davonkäme. Als der Teufel, der alle Gedanken der Menschen erraten kann, wütend einen Stein nach ihm schleuderte, konnte ihn der Schmied auffangen, weil er mit einem Kreuz gezeichnet war. Der Teufel aber dachte nicht daran, den Kampf um die Seele des Schmieds aufzugeben. Er schlug so gewaltig auf seine Unterteufel ein, dass sie tatsächlich bis drei Uhr die Grenzsteine zurück an ihren Platz gebracht hatten. Triumphierend kam der Teufel zum Schmied, um ihn sich zu holen. Der aber lachte nur und sagte, es fehle ja noch ein Stein, nämlich der, den der Teufel nach ihm geworfen hatte. Den aber hatte er inzwischen mit seinem Schlaghammer zu Staub zerkleinert und in einen Bach geworfen. Da fühlten sich die Teufel fürchterlich betrogen und stürzten sich alle wütend auf den Schmied. Der wehrte sich mit seinem Hammer und schlug nach allen Seiten, dass die Funken von den harten Teufelsköpfen sprühten. Als seine Kräfte fast erlahmt waren, schlug zu seinem Glück die Turmuhr von Mettlach drei. Da jagten die Teufel schreiend davon und verschwanden in den Felsenklüften. Erschöpft taumelte der Schmied nach Hause. Von dieser Nacht an war er wie verwandelt. Er verbrannte sein Haus und seine Schmiede und pilgerte ins Heilige Land, um dort bis an sein Lebensende zu büßen.

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Info 18.01.2018 05:00
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