Wie der Teufel heiraten wollte

Wenn schon dem Teufel das Junggesellenleben nicht mehr gefällt, dann muss das Leben ohne Frau wirklich eine unangenehme Sache sein. Denn wie hätte er sonst auf den merkwürdigen Einfall kommen sollen, zu heiraten? Schon längst hielt er Umschau unter den Schönen des Landes und kam endlich zu dem Entschluss, eine Rothenburgerin zu ehelichen, weil die ihm gar so gut gefiel. Für ihn war es natürlich kein großes Kunststück, dem Mädchen den Kopf zu verdrehen, denn er kam zu ihr als ein auffallend schöner und stattlicher junger Mann. Auch ihren Eltern präsentierte er sich in einer Weise, dass sie annehmen mussten, er sei ein ungewöhnlich vornehmer Herr und vielleicht sogar von Adel. Die Mutter seiner Auserwählten war denn auch gleich Feuer und Flamme, und da blieb dem Vater nichts weiter übrig, als sein Jawort zu geben, wenn ihm auch der Gedanke nicht recht geheuer war, dass ein so vornehmer Herr ein so einfaches Bürgermädchen heiraten wollte. Die Hochzeit wurde groß gefeiert. Der Bräutigam war in einem prächtigen Gewand erschienen und hatte zwei Diener mitgebracht, die sich ebenfalls sehen lassen konnten. Der eine spielte die Geige, der andere Dudelsack, und sie machten eine so tolle Musik, dass die jungen Leute außer Rand und Band gerieten und die Alten missbilligend die Köpfe schüttelten. Aber es kam schnell zu einem überraschenden Ende. Der Hausherr nämlich betrachtete den noblen Bräutigam immer misstrauischer und kam allmählich zu der Überzeugung, dass das Ganze ein Teufelsspuk sei. Er bat daher den Geistlichen des Städtchens, so schnell wie möglich zu kommen, was der auch bereitwillig tat. Er mischte sich unter die Gäste und begann ein Gespräch vom lieben Gott und seinem Sohn. Da wurde es dem Teufel sehr ungemütlich. Er schwitzte schrecklich und verdrehte die Augen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Der Hausherr aber wartete das Ende der erbaulichen geistlichen Rede nicht ab, sondern rief dazwischen: »Wir wissen, wer du bist! Wir sind auf Jesus Christus getauft, und du bist sein Feind, der Teufel! Scher’ dich in Gottes Namen mit deinen Gesellen davon!« Das tat der Teufel im Augenblick und ließ einen widerlichen Gestank im Saal zurück. Auf dem Tanzboden aber lagen die Leichen von drei Verbrechern, die am Tag vorher auf dem Galgenberg in der Nähe gehängt worden waren. Ob die junge Rothenburgerin danach noch einen anderen Mann bekommen hat, erzählt die Sage leider nicht. Aber ausgelacht hat man sie bestimmt noch lange in der Stadt.

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Info 22.11.2017 17:34
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