Die silbernen Mäuse

Bei einem Gernsbacher Bauern in Baden diente einst ein Taglöhner, der oft unter schweren Träumen litt. Eines Nachts träumte er, sein Herr habe ihm aufgetragen, den Acker am Entensee zu pflügen und dabei alle Mäuse, die dabei zum Vorschein kämen, zu töten. Allerdings solle er sie sorgfältig einsammeln, denn es seien lauter Silberstücke. Der Mann vergaß zunächst diesen Traum. Als er ihn aber dreimal träumte, machte ihn das doch nachdenklich. Daher wunderte er sich auch nicht, als ihn sein Herr am dritten Morgen beauftragte, den Acker am Entensee zu pflügen. Er nahm einen Jungen mit, der die Ochsen lenken sollte, sagte ihm aber, dass er bei der Arbeit kein Wort reden dürfe; denn auch das hatte er geträumt. Scharen von Mäusen pflügte er aus dem Boden. Die schlug er tot, legte sie auf den Feldrain und deckte sie mit seiner Jacke zu. Der Junge wunderte sich sehr über sein seltsames Gebaren, und obgleich er den Sinn nicht einsah und sich über die Trödelei ärgerte, hielt er den Mund aus Angst vor dem Taglöhner. Plötzlich blieb die Pflugschar in einem festen Gegenstand hängen. Der Mann bückte sich und wühlte mit beiden Händen die Erde beiseite. Da sah er, dass der Pflug im Ring eines Kessels hing – eines Kessels, der bis zum Rand mit Gold gefüllt war. Dem Jungen, der hinter ihm stand und den Kessel nicht sehen konnte, riss aber nun doch die Geduld und er rief, der Knecht möge machen, dass sie endlich weiter kämen. Aber kaum hatte er ausgesprochen, da sank der Kessel mit dem kostbaren Schatz dröhnend in die Tiefe. Es nützte nichts, dass ihm der Taglöhner ein paar wütende Ohrfeigen versetzte: der Kessel war verschwunden. Missmutig beendeten die beiden ihre Arbeit. Als sie aber am Abend nach Hause gehen wollten und der Taglöhner seine Jacke anzog, hatten sich sämtliche Mäuse in Silberstücke verwandelt. Es waren so viele, dass er sich damit bis an sein Lebensende alle Wünsche erfüllen konnte.

Forum (Kommentare)

Info 18.12.2017 00:25
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.