Das Silberbergwerk im Harz

Zu der Zeit, als es im Harz noch viele Bergwerke gab, suchte ein Steiger aus Stolberg nach neuen Silberadern. Er ging weit und weiter, bis zum Eulenberg, aber auch hier fand er nichts. Als er schon ganz niedergeschlagen umkehren wollte, trat eine weiß gekleidete Jungfrau auf ihn zu und fragte ihn, warum er denn so traurig sei. Als er es ihr erzählte, tröstete sie ihn und sagte, wenn er sie zur Frau nähme, wolle sie ihm eine Silberader zeigen, wie er sie noch nie im Leben gesehen habe. Sie stellte nur eine Bedingung: Er dürfe sie nie an ihre Abstammung erinnern. Dem Steiger war das sehr lieb, und so folgte er ihr. Nach einer Weile schlug sie einen silbernen Nagel in die Erde. »Hier musst du schürfen!« sagte sie und ging dann mit ihm nach Stolberg. Am anderen Morgen machte sich der Steiger gleich an die Arbeit. Und es kam alles, wie die Jungfrau gesagt hatte. Die Silberader war sehr ergiebig, und der Steiger wurde ein reicher und dazu ein glücklicher Mann, denn seine Frau war lieb und schön. Ein einziges Mal aber gerieten sie über ein Missverständnis in Streit. In seinem Zorn vergaß sich der Mann und warf seiner Frau vor, dass sie heute noch als Erdgeist ruhelos wandern müsse, wenn er sie nicht erlöst hätte. Da nahm seine Frau traurig und weinend Abschied von ihm, und niemals sah er sie wieder. Auch die Silberader war von dieser Stunde an versiegt, der Steiger fand nur noch totes Gestein. Nach seinem Tod wurde die Grube zugeschüttet, und das Bergwerk verfiel. Die Sage aber erzählt, dass der Silbersegen von Neuem hervorkommt, wenn oben auf dem Stoiberger Schloss ein sieben Meter hoher Rosenstock blüht, auf dem ein weißer Sperling sitzt.

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Info 18.11.2017 13:10
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