Das Teufelsbad

Auf dem Schneekopf im Thüringer Wald gibt es einige sumpfige Stellen, die im Volksmund »Teufelskreise« genannt werden. Wer sich dort verirrt, kommt selten wieder heraus. Noch schlimmer aber ist es, wenn jemand in das große Moorloch, das Teufelsbad, gerät, denn dann ist er mit Sicherheit verloren. Außerdem wird behauptet, dass Gegenstände, die man in einen der Teufelskreise warf, aus einem Brunnen in Arnstadt herausgespült würden; Blut aber, das man hineingoss, kam in Mäbendorf an der Hasel aus einem Felsenbrunnen wieder zum Vorschein. Einmal ging ein armer Bergmann abends nach Hause. Da kam ein Reiter angesprengt und zügelte vor ihm sein Roß. Der Bergmann stand erschrocken still, denn der Reiter kam ihm in seinem roten Mantel ziemlich beängstigend vor. Seine Verwirrung war vollkommen, als ihn der Fremde nach dem Weg zu den Teufelskreisen fragte. Erst als der Reiter ihm ein gutes Trinkgeld versprach, erklärte sich der Bergmann einverstanden, ihn zu führen. Schweigend ging er zum Schneekopf voran, und ebenfalls schweigend folgte ihm der Reiter. Am größten der Teufelskreise hielt der Bergmann ein. Der Reiter schwang sich aus dem Sattel und bat den Mann, das Pferd zu halten. Dann breitete er seinen roten Mantel auf dem Boden aus und sagte, er wolle ein Bad nehmen. Wenn sich das Wasser rot färbe, solle der Bergmann das Roß zum Lohn nehmen und heimgehen, wenn nicht, solle er warten. Der Reiter stieg nun ins Wasser und verschwand. Da der Mond taghell schien, konnte der Bergmann beobachten, dass es sich nicht rot färbte. Angstbebend wartete er also auf den unheimlichen Fremden. Der stieg nach einer Weile wieder aus dem Sumpfloch, warf sich seinen Mantel über die Schultern und sprang in den Sattel. Wieder bat er den Bergmann, ihn zu führen, weil er, wie er sagte, allein nicht den Weg zurück fand. Als sie durch den Wald kamen, riet er dem Bergmann, seinen Korb, den er am Arm trug, mit trockenem Laub zu füllen. Und obwohl der Bergmann nicht wusste, warum er die dürren Blätter nach Hause tragen sollte, tat er doch, was der Reiter ihm gesagt hatte. Kurz vorm Dorf verabschiedete sich der Fremde, und der Bergmann beeilte sich, nach Hause zu kommen. Unterwegs schüttete er das Laub weg, weil er sich von seiner Frau nicht auslachen lassen wollte. Das aber sollte er bereuen, denn als er zu Hause den Deckel von seinem Korb nahm, hatte sich das einzige Blatt, das darin hängen geblieben war, in Gold verwandelt. Dass ihn seine Frau einen Narren schalt, war das wenigste, was sie ihm in dieser Nacht zu sagen hatte. Nicht weit von den Teufelskreisen steht ein einfaches Denkmal. Auf ihm kann man lesen, dass an dieser Stelle am 16. September 1690 ein Förster von seinem Vetter erschossen wurde. Der Sage nach geschah folgendes: Der Förster und sein Jägerbursch konnten einander nicht ausstehen, und jeder versuchte dem anderen zu schaden, wo es nur ging. Da wurde am Hang des Schneekopfes ein stattlicher Hirsch beobachtet, und der Förster beauftragte seinen Burschen, ihn zu schießen. Der aber verfehlte ihn so oft er es versuchte, und jedes Mal, wenn er nach Hause kam, lachte der Förster ihn aus. Der Försterbursch wurde von Tag zu Tag wütender, und als er einem Freund von seinem Ärger erzählte, riet der ihm, sich in der Glashütte auf dem Gehlberg eine gläserne Kugel anfertigen zu lassen. Das tat der Bursche, lud die Kugel in seine Büchse und ging in der folgenden Nacht wieder auf die Pirsch. Um Mitternacht trat das Tier auf die Waldlichtung. Der Jägerbursche riss die Büchse an die Wange, drückte ab und der Hirsch brach tot zusammen. Außer sich vor Freude rannt er auf seine Beute zu. Doch als er sich niederbeugte, sah er zu seinem Entsetzen, dass er nicht den Hirsch, sondern den Förster erschossen hatte. Aus Reue über seine Tat, ließ er den Stein errichten, der heute noch dort steht.

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Info 21.02.2018 18:19
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