Der Vogelhannes im Nesselgrund

Dass es so etwas gibt, sollte man kaum glauben, wenn es der Revierförster von Kaiserwald nicht selbst erlebt hätte: Eines Tages ging er nach Nesselbrunnen, um seinem Vorgesetzten über sein Revier Bericht zu erstatten. Als er an dem Forstbezirk, den man den Toten Mann nannte, vorbei ging, hörte er plötzlich Schritte vor sich. Vor ihm ging ein fremder Mensch, der den gleichen Weg zu haben schien wie er. Der Wanderer war sehr merkwürdig angezogen. Er trug eine grüne Hose, einen blauen Rock, eine gelbe Mütze und hatte einen roten Sack auf dem Rücken. Der Förster war nicht furchtsam und wollte natürlich gern wissen, wer sich da in seinem Revier herumtrieb. Er ging deshalb schneller, um den sonderbaren Gesellen ‘einzuholen, aber es gelang ihm nicht. Der Abstand zwischen ihnen beiden blieb immer der gleiche. Bei einer Wegkurve ging der Förster, um abzukürzen, schnell durch den Wald. Als er aber wieder auf den Pfad kam, war von dem Fremden nichts mehr zu sehen. Stattdessen flog ein Adler vor ihm auf, der so grässlich lachte, dass es dem Förster durch Mark und Bein ging. Auf dem Weg waren noch die Fußabdrücke des Fremden zu erkennen. Es musste der Vogelhannes gewesen sein, der schon seit vielen Jahren in der Gegend spukte. Aber außer dem Förster hatte ihn noch nie jemand gesehen.