Der Huckauf

Schade, dass es heute den Huckauf nicht mehr gibt! Er hat vor langer Zeit am Steinhuder Meer manchem Bauern und Händler übel mitgespielt, der seine Ware auf dem Markt zu Wucherpreisen verkaufte. Wenn die Bauern aus den Dörfern um das Steinhuder Meer nach Neustadt am Rübenberg zum Markt gingen, mussten sie durchs Moor am Steinhuder Meer, wenn sie nicht einen großen Umweg machen wollten. Dort stand eine alte Eiche, die schon ganz morsch war, und es ging die Sage, dass in ihr der Huckauf hause. Einst hastete eine Frau aus Mardorf dort vorbei. Sie hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen, weil sie für ihre Waren weit mehr gefordert und erhalten hatte, als sie wert waren. Fürchterliche Angst packte sie, als ihr Huckekorb bei der Eiche plötzlich schwer und schwerer wurde, sodass sie die Last kaum noch schleppen konnte. Aber sie brachte keinen Ton heraus. Als sie in die Nähe ihres Dorfes kam, war sie am Ende ihrer Kräfte und sank völlig erschöpft zu Boden. Da hörte sie eine Stimme: »Huckab!« und noch einmal: »Huckab!« Im gleichen Augenblick war ihr Korb wieder leicht wie zuvor. Ihr Geld aber war verschwunden. Kreidebleich kam die Frau nach Hause. Nie wieder im Leben hat sie für ihre Waren mehr verlangt, als recht und billig war. Heute steht die Eiche nicht mehr, und auch vom Huckauf ist nichts mehr zu sehen. Aber seine Geschichte geht immer noch um in den Dörfern am Steinhuder Meer.

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Info 21.02.2018 18:22
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