Das Heer im Berge

In der Provinz Posen erhebt sich an der Straße von Montwy nach Kruschwitz ein Berg, der der heiligen Jadwiga geweiht ist. Dort soll es nicht mit rechten Dingen zugehen. Manche Leute wollen dort Waffengeklirr und den Marschtritt von Soldaten gehört haben. Ein Bauer sah sogar einmal einen Soldaten vor einem Tor Wache halten, das niemand zuvor gesehen hatte und ganz offensichtlich der Zugang zum Berginneren war. Als der Bauer mit seinem Wagen, auf dem er ein Dutzend Hafersäcke liegen hatte, die er in der Stadt verkaufen wollte, an dem Soldaten vorbei fuhr, hielt dieser ihn an und bat ihn, ihm den Hafer gegen einen bestimmten Preis zu überlassen. Der Bauer aber schüttelte den Kopf. Erstens wollte er mit dem merkwürdigen Kriegsmann nichts zu tun haben, zweitens aber hoffte er, auf dem Markt einen besseren Preis erzielen zu können. Immerhin versprach er dem Soldaten, ihm den Hafer auf dem Rückweg zu verkaufen, wenn er in der Stadt kein günstigeres Angebot erhielte. Der Bauer fuhr weiter und war froh, an dem unheimlichen Ort vorüber zu sein. Aber er hatte in der Stadt kein Glück. Die Getreidepreise waren beträchtlich gefallen, und mit einem Male erschien ihm das Angebot des Soldaten nun doch verlockend. So fuhr er gegen Abend zurück zu dem Berg, wo der Soldat schon wartete. Er nahm den ersten Sack auf die Schulter und folgte dem Krieger in den Berg hinein. Da sah der Bauer einen riesigen Saal, der aber eher einer ungeheueren Wiese glich. Dort lagen viele Soldaten mit ihren Pferden und schliefen. Als der Bauer im Vorbeigehen einen von ihnen anstieß, wachte er auf und wollte sich erheben. Doch der Wächter legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte, dass es noch nicht an der Zeit sei, er solle weiterschlafen. Einen Sack nach dem andern trug der Bauer in den Berg. Als er den letzten entleert hatte, bekam er auf der Stelle das vereinbarte Geld. Er nahm es und ging schnell davon. Als er ins Freie trat und sich umsah, war das Tor verschwunden.