Der Fischer am Rhein

Bei Speyer lebte einmal ein Fischer am Rhein, der seit Jahr und Tag seiner Arbeit nachging, ohne dass sich eine Menschenseele um ihn kümmerte. Er war eben ein ganz gewöhnlicher Fischer. Dennoch hatte er eines Tages ein seltsames Erlebnis, von dem man sich heute noch erzählt. Eines Nachts, als er gerade dabei war, seine Netze auszulegen, trat ein Mönch zu ihm, der seine Kapuze über den Kopf gezogen hatte und in eine schwarze Kutte gehüllt war. Der Fischer erschrak nicht weiter, denn an den Anblick wandernder Mönche war er gewöhnt. Deshalb löste er sein Fahrzeug auch bereitwillig vom Ufer, als der Mönch ihn bat, ihn über den Rhein zu bringen. Bei der Überfahrt sprach sein Fahrgast kein Wort. Als der Fischer zurückkam, standen am Ufer fünf weitere Mönche, die ebenfalls hinüber wollten. Auch ihnen tat er gern den Gefallen, fragte sie jedoch verwundert, warum sie jetzt in der Dunkelheit noch auf der Wanderschaft seien. Einer der Mönche antwortete, sie seien unterwegs, weil die Mensehen sie verfolgten. Der Fischer möge mit Gotteslohn zufrieden sein, denn eine andere Gabe hätten sie im Augenblick nicht für ihn. Sobald es ihnen besser ginge, wollten sie gern ihre Schuld bezahlen. Als das Boot mitten im Fluss war, erhob sich plötzlich ein gewaltiger Sturm, sodass dem Fischer angst und bange wurde. Er jammerte und betete abwechselnd, bis einer der Mönche ihn anfuhr, er solle lieber auf sein Boot achten, als den Himmel zu beschwören. Da aber der Fischer nicht aufhörte, nahm ihm einer der Kuttenträger das Ruder aus der Hand und schlug ihn nieder. Am nächsten Morgen erst erwachte der Fischer aus seiner Ohnmacht. Er war allein in seinem Boot, das in rascher Fahrt den Rhein hinuntertrieb. Das brachte ihn zur Besinnung, und er ergriff die Ruder, um so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Erst nach vielen Stunden war er wieder in Speyer. Niemand konnte ihm die rätselhafte Geschichte, die ihm wiederfahren war, erklären, und die meisten hielten ihn sogar für einen Narren. Später aber erzählte ein Wandersmann, dass er drüben am anderen Ufer einen Wagen mit schwarzer Plane gesehen habe, aus dem ein paar Mönchsköpfe herausschauten. Rasselnd und polternd sei der Wagen über Stock und Stein dahingejagt, obwohl er nur drei Räder hatte. Auf dem Bock aber habe ein mordshässlicher Kutscher gesessen und die Gespensterrosse gelenkt. Gleich darauf sei das seltsame Fahrzeug mit einem Lärm, als ob eine wilde Schlacht tobe, in einer Feuerlohe himmelwärts verschwunden.

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Info 14.12.2017 16:04
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