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Der Tod des Räubers

In der Nähe von Osterode gibt es einen Teich, der von hohen Felsen umgeben ist und zu dem sich kaum ein Sonnenstrahl verirrt. Das Wasser ist trübe und kalt, und im Volksmund nennt man ihn das Teufelsbad, weil in ihm der Sage nach der Teufel gebadet haben soll, als ihm von seinem schändlichen Treiben zu heiß geworden war. Andere wollen eine Schlange in dem Teich gesehen haben. Riesig und schwarz sei sie gewesen und habe alle Vorübergehenden mit Schlamm und Unrat beworfen. Auch erzählt man von Irrlichtern, die einsame Wanderer ins Moor lockten. Vor vielen Jahren soll im Teufelsbad ein Räuber umgekommen sein, der ahnungslose Menschen erschlagen und geplündert hatte und vor dem die ganze Umgebung zitterte. Als dieser Teufel in Menschengestalt wieder einmal im Gebüsch lag, um einem Wanderer aufzulauern, kam ahnungslos ein Mönch daher, und obgleich der Räuber wissen musste, dass er kaum Geld bei sich hatte, schlug er ihn doch tot. Gleich darauf kam eine Frau mit einem Korb. Die packte er grob am Arm und forderte sie auf, ihm etwas zu essen zu geben. Auch die Frau hatte nichts, ihr Korb war leer. Wütend zog er sein Schwert, um sie niederzuschlagen. Doch die Frau wurde zu einer riesigen Gestalt und rief mit furchterregender Stimme, dass das Maß seiner Sünden voll sei und das Ewige Gericht ihn erwarte. In ohnmächtiger Angst floh der wilde Geselle und verkroch sich in den hintersten Winkel seiner Höhle. Erst am nächsten Morgen traute er sich wieder aus seinem Versteck heraus, weil ihn der Hunger plagte. An einen Menschen wagte er sich nie wieder heran, deshalb versuchte er, ein Tier zu jagen. Da sah er vor sich einen Eber, dem er nachstellte. Aber das Tier verschwand, als es die Nähe des Jägers witterte, hinter einem Felsen. Sinnlos vor Wut verfolgte er das Tier, achtete dabei nicht auf den Weg und stürzte in das Teufelsbad. Noch manchmal soll man in mondlosen Nächten sein gellendes Schreien hören. Der Eber aber war der Teufel selbst gewesen, der ihn sich geholt hatte.

emu