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Die Heidengöttin

Auf Schloss Lohra lebten früher einmal zwei Brüder, die so verschieden waren wie Tag und Nacht. Der eine dachte nur an Geld und Macht, der andere war ein Träumer und immer gütig und hilfsbereit. Der eine bewarb sich um eine reiche Erbin, der andere liebte ein schönes, aber armes Mädchen und kümmerte sich nicht um den Spott seines älteren Bruders. Als er einmal durch den Wald schlenderte, am Lohraberg entlang, sah er plötzlich im Felsen eine Spalte, die er noch nie bemerkt hatte. Im Gras davor hockte ein Zwerg, der ihm winkte, näherzukommen. Da er ein reines Gewissen hatte, folgte er dem Männchen durch einen dunklen Gang in einen wunderschönen Blumengarten. Er gehörte der Göttin Lohra, die auf ihn zukam und ihm freundlich dafür dankte, dass er sich ein armes Mädchen als Braut gewählt habe und es aufrichtig mit ihm meine. Dann gab sie ihm eine Blume und riet ihm, sie gut zu bewahren, denn sie werde ihn immer beschützen und ihm Glück und Wohlstand bringen. Ehe die Göttin ihn verabschiedete, durfte er sich noch seine Tasche mit den Früchten des Gartens füllen. Er dankte ihr herzlich und lief schnell zurück zu seiner Braut, der er von seinem Erlebnis berichtete. Als er ihr die Früchte gab, hatten sie sich alle in Gold und Silber verwandelt. Selig fiel das Mädchen ihm um den Hals, denn nun hatten sie genug Geld, um heiraten zu können. Auch der ältere Bruder heiratete in diesen Tagen. Seine Frau war hässlich, zänkisch und dumm. Er aber machte sich nichts daraus, weil sie reich war. Als er jedoch hörte, dass die Göttin Lohra seinen Bruder so reich beschenkt hatte, kam er auf den Einfall, ebenfalls sein Glück in ihrem Blumengarten zu versuchen, um danach seine hässliche Frau davonschicken zu können. Er ließ sich die Felsspalte zeigen und kam auch in den Garten, aber die Göttin empfing ihn zornig und winkte einer Schar von Zwergen, die sich auf den geldgierigen Mann stürzten, ihn schlugen und schließlich mit Schimpf und Schande davonjagten. Hinter ihm schloss sich dröhnend die Felsspalte. Von diesem Schrecken wurde er so krank, dass er wochenlang das Bett hüten musste. Auch seine Ehe wurde sehr unglücklich, denn als er wieder gesund war, warf er das Geld mit vollen Händen hinaus. Schließlich waren er und seine Frau bitterarm und starben im Elend.

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