Die rätselhafte Münze

In Garbow in der Mark hatte ein Storch auf einer Scheune sein Nest. Als er im nächsten Frühjahr mit seiner Storchenfrau zurückkam, stand da aber schon ein anderer auf seinem Nest und klapperte laut mit dem Schnabel. Erbittert stürzte sich das Männchen auf seinen Widersacher. Aber es zog den kürzeren im Kampf, wurde vom Dach geworfen und brach sich ein Bein. Der Sieger begann sofort der Storchenfrau den Hof zu machen. Die aber wollte von ihm nichts wissen und blieb ihrem Männchen treu, mit dem sie schon viele Jahre hier genistet hatte. Die alte Bäuerin holte den verwundeten Storch in die Scheune, schiente sein gebrochenes Bein und pflegte ihn wie ein Kind. Als der Storch geheilt war und im Herbst wieder mit seiner Frau gen Süden flog, rief ihm die Bäuerin nach, er solle ihr aus dem fernen Land eine kleine Belohnung für ihre Mühe mitbringen. Der Storch klapperte ein paar Mal mit seinem Schnabel, und da wusste die alte Frau, dass er sie verstanden hatte. Und wirklich, als das Storchenpaar im nächsten Frühling wiederkam, flog das Männchen vor die Bauersfrau, die gerade auf einer Bank im Hof in der Sonne saß, und warf ihr eine Goldmünze in den Schoß. Sie streichelte ihn zum Dank, bemühte sich dann aber vergeblich, die rätselhafte Inschrift auf der Münze zu entziffern. Auch der Pfarrer, dem sie sie zeigte, konnte es nicht. Das Goldstück aber blieb in der Familie und brachte ihr viele Jahrhunderte lang Glück, bis sie eines Tages ins Museum wanderte. Dort kann man sie heute noch bewundern.

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Info 23.11.2017 19:21
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