Der böse Stiefvater

In der Mark lebte einmal ein Bauer, der eine Witwe heiratete. Sie brachte ihm zwei Kinder mit in die Ehe, die sie abgöttisch liebte. Der Mann aber mochte sie gar nicht leiden. Erstens war er eifersüchtig auf sie, weil er sich einbildete, mit ihnen das Herz seiner Frau teilen zu müssen, zweitens aber hätte er gerne ihr Geld gehabt, das ihnen ihr Vater hinterlassen hatte. So sann er darüber nach, wie er sie verschwinden lassen könne. Das aber war nicht leicht, denn er fürchtete, dabei ertappt zu werden. Die Mutter, die die Abneigung ihres Mannes gegen ihre Kinder spürte, machte sich darüber große Sorgen und grämte sich sehr. So kam sie immer mehr herunter, wurde schließlich krank und starb vor lauter Kummer. Kaum aber hatte der Bauer seine Frau begraben, da jagte er die Kinder mitten im Winter und fast unbekleidet hinaus in den Wald. Dort erfroren sie schon in der ersten Nacht. Doch den bösen Stiefvater ereilte bald sein Schicksal. Er wurde vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Geister der Kinder aber gehen noch heute in dem Wald um. Wenn sie in der Nacht einen Menschen treffen, so folgen sie ihm schweigend, und wenn er sie davonjagt, dann hat er Unglück sein ganzes Leben lang. Duldet er sie aber freundlich, so bringen sie ihm für alle Zeit Glück.

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Info 23.11.2017 19:26
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