Der neugierige Bauer

In der Westprignitz liegt das Dorf Wolfshagen. Dort wohnte einst der Bauer Schwarz, der ein munterer und aufgeweckter Mensch war und viele Freunde hatte. Auch mit seiner Frau vertrug er sich gut. Deshalb ging er auch selten aus und blieb am liebsten daheim, saß auf der Ofenbank und las oder erzählte heitere und nachdenkliche Geschichten. In einer dunklen Nacht klopfte es plötzlich ans Fenster. Der Bauer fragte, wer draußen sei, und als er keine Antwort bekam, ging er selbst vor die Tür. Da trat ein Mann auf ihn zu und bat ihn, ins nächste Dorf zu fahren. Der Bauer ließ sich nicht lange bitten, denn der Mann sah sehr müde aus, und seinen Pferden konnte es nichts schaden, wenn sie noch ein wenig Bewegung hatten. Kaum saß der Fremde neben dem Bauer auf dem Bock, da trieb er ihn auch schon zur Eile an, weil er keine Zeit habe. Der Bauer knallte mit der Peitsche, um seine Pferde zu einer rascheren Gangart anzuspornen, aber der Riemen verfing sich in einem Baum und riss ab. Trotzdem waren sie schnell im nächsten Dorf. Der Fremde sprang vom Wagen, bedankte sich und gab dem Bauern einen verschlossenen Henkelkorb. Darin sei sein Lohn sagte er, aber er dürfe den Korb nicht öffnen, ehe er zu Hause sei. Der Bauer nickte, grüßte, wendete sein Gefährt und fuhr zurück. Es war beinahe taghell, so klar schienen Mond und Sterne. Deshalb beschloss der Bauer, nach seinem Peitschenriemen auszuschauen und staunte sehr, als er ihn ganz hoch oben in der Baumkrone hängen sah. Er konnte sich das nicht anders erklären, als dass er den Teufel persönlich gefahren hatte und sie durch die Luft gesaust waren. Auf diese Weise musste der Riemen oben in die Baumkrone geraten sein. Nachdenklich fuhr der Bauer weiter, und allmählich plagte ihn die Neugierde, was in dem Korb sei. Obwohl sein Fahrgast ihm gesagt hatte, dass er erst daheim nachschauen dürfe, öffnete er den Deckel und sah, dass der Korb bis zum Rand mit Pferdedung gefüllt war. Wütend schüttete er den Korb aus und warf ihn achtlos zurück auf den Wagen. Zu Hause befahl er einer Magd, ihn zu reinigen. Da schrie das Mädchen plötzlich auf und hielt ihm einige Goldstücke entgegen. Sie waren der Rest des Pferdedungs, der sich im Korbgeflecht verfangen und in Gold verwandelt hatte. So sehr er auch suchte und sich die Haare raufte, er fand den weggeworfenen Pferdedung nicht mehr. Da gelobte er, nie wieder neugierig zu sein. Aber dieser gute Vorsatz kam reichlich spät.

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Info 18.01.2018 05:11
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