Das Marienbild in der Eifel

Dort, wo heute Ober-Glogau liegt, stand vor alten Zeiten ein prächtiges Schloss. Aber der Besitzer war ein grausamer Mann, der seine Untertanen so peinigte, dass sie eines Tages gegen ihn aufstanden. Um jedoch unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, schickten die Bauern einen Boten ins Schloss und forderten ihren Herrn zur kampflosen Übergabe auf. Bevor sich der Mann an seine gefährliche Aufgabe wagte, nahm er Abschied von seiner Mutter. Sie waren beide Christen, während die meisten anderen noch Heiden waren. Die Mutter segnete ihren Jungen und bat für ihn um den Schutz der Gottesmutter. Dann übergab sie ihm einen Eichenzweig. Der Jüngling fürchtete nun keine Gefahr mehr und stieg hinauf zum Schloss. Als er an das Tor kam, ritt der Herr gerade zur Jagd aus. Da rief ihm der Bote zu, was man ihm aufgetragen hatte. Der Schlossherr aber ließ ihn gar nicht ausreden, sondern zog sofort sein Waidmesser und stieß es ihm ins Herz. Sterbend brach der Jüngling zusammen, mit dem Namen der Gottesmutter auf den Lippen. Das rührte den Mörder nicht, doch als er die zu allem entschlossenen Bauern sah, lenkte er sein Pferd ins Schloss zurück, ließ die Tore schließen und schickte seine Knechte auf die Mauern und Wälle. Am Himmel ballte sich inzwischen ein furchtbares Unwetter zusammen. Ehe es sich tobend entlud, erschien für einen Augenblick die Muttergottes in den Wolken. Als aber alles vorüber war, lag das stolze Schloss in Trümmern. Von dem Schlossherrn und seinem Gesinde war nichts mehr zu sehen. Verzweifelt suchte inzwischen die arme Mutter ihren Sohn und fand ihn schließlich verblutet auf der Erde liegen. Neben ihm aber grünte der Eichenzweig, den sie ihm als Schutz mitgegeben hatte und wuchs vor ihren Augen empor. Da hing sie ein Marienbild in seine Äste. Noch heute ist es darin zu sehen, obwohl die Eiche inzwischen ein riesiger Baum geworden ist.