Die erste Katze in Schleswig-Holstein

Vor langer Zeit kam einmal ein Händler nach Gabel in Schleswig-Holstein. Er hatte nicht nur Waren dabei, die er den Bauern gegen gutes Geld aufschwatzte, sondern trug auch ein Katze im Sack. Solch ein Tier hatte man in Gabel noch nie gesehen. Staunend sahen die Leute zu, wie der Händler sich das schnurrende Tierchen auf die Schulter setzte. Und als es einem Bauern der nach ihm fasste, seine Krallen in die Hand schlug, kreischten die anderen vor Vergnügen. »Wollt ihr sie kaufen?« fragte da auf einmal der Händler. »Sie ist gut zum Mäusefangen und kostet nur dreihundert Taler.« Zum Mäusefangen hätten sie schon ein Tier gebrauchen können, aber dreihundert Taler waren damals eine noch viel größere Summe als heute. Keiner von den Bauern hatte soviel Geld. Da meinte schließlich der Bürgermeister, man müsse etwas für den Fortschritt tun, und wenn sie alle zusammenlegten, dann kämen sie schon mit dem Geld hin. Die Bauern von Gabel bewunderten die Klugheit ihres Bürgermeisters, und jeder gab, was er konnte. Der Händler strich schmunzelnd das Geld ein und überreichte dem Gemeindeoberhaupt die Katze. Als er längst davon war, fiel den Leuten ein, dass sie ihn gar nicht gefragt hatten, was das Tier fräße. Sofort schickten sie ihm einen berittenen Boten nach. Als der bis auf Rufnähe den Händler eingeholt hatte, schrie er, wie man die Katze futtern solle, und der Händler rief zurück: »Milch und Mäuse!« Der brave Mann aber verstand Milch und Menschen, wandte sein Pferd und ritt eiligst zurück nach Gabel. Als er mit seiner Nachricht ins Dorf kam, erschraken die Leute sehr, und niemand wollte etwas mit der Katze zu tun haben. Schnell wurde der Gemeinderat einberufen. Nach langem Hin und Her beschloss man, das Haus, in dem sich die Katze gerade aufhielt, anzuzünden und sie mit ihm zu verbrennen. Der Gemeindediener wurde beauftragt, das Urteil sofort zu vollstrecken. Als aber das Haus fast bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, wurde es der Katze zu ungemütlich. Sie sprang durchs Fenster ins Nachbarhaus, das nun auch angezündet wurde. So ging es weiter von einem Haus zum anderen, und die Gabeler beruhigten sich erst, als ihr ganzes Dorf in Schutt und Asche lag.

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Info 23.11.2017 19:13
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