Die versteinerte Katze

In der Fränkischen Schweiz liegt das Dorf Ailsfeld. Dort lebte ein Mädchen, das schön und brav, aber sehr arm war. Ein reicher junger Mann verliebte sich sehr in sie, aber sein Vater wünschte für seinen Sohn eine wohlhabende Frau und befahl ihm daher, in die Fremde zu wandern und erst wiederzukommen, wenn er vernünftig geworden sei. Bitterlich weinend nahm das Mädchen von dem Geliebten Abschied, der am nächsten Morgen das Dorf verlassen sollte. Die ganze Nacht betete es in seiner Kammer, dass Gott das harte Herz des reichen Bauern umstimmen solle. Dabei hielt das arme Mädchen zärtlich seine Katze im Arm, denn es war sein einziger Besitz. Plötzlich kam es ihm vor, als ob das Tierchen zu ihm spräche und es aufforderte, ihm zu folgen. Es stand auf, und die Katze ging ihm voran durch das Dorf hinaus in den Wald bis zu einem steilen Felsen. Das Tier begann hinaufzuklettern, und das Mädchen folgte ihm mühsam. Auf der Spitze des Felsens traute es seinen Augen kaum: Sie war bedeckt mit lauter Goldstücken. Das Mädchen bückte sich und füllte seine Schürze und Taschen und kletterte dann schnell wieder den Felsen hinunter, aber so sehr es die Katze auch rief und lockte, sie kam nicht mit zurück. Als es durch den Wald nach dem Dorf eilte, um seinen Geliebten noch vor seinem Aufbruch zu erreichen, kam ihm der reiche Bauer mit seinem Sohn entgegen. Lachend und weinend schüttete es die Goldstücke vor die beiden Männer und rief: »Da, nehmt es, es ist mein Heiratsgut, mehr als ich bringt euch das reichste Bauernmädchen nicht!« Da gab der alte Bauer seinen Widerstand auf, und bald danach wurde die Hochzeit gefeiert. Noch oft dachten die beiden Glücklichen an die treue Katze und sahen hinauf zu dem Felsen, auf dem sie seit diesem Tag versteinert steht.