Der Bischof in Fischgestalt

Man kann sich vorstellen, dass es eine große Aufregung gab, als die Powidzer Fischer eines Tages einen Fisch fingen, der aussah wie ein richtiger Bischof! Sogar die Mitra trug er auf dem Kopf, und zuerst dachten die Fischer, es sei ein Ertrunkener. Aber da tat der seltsame Fang den Mund auf und redete wie ein Mensch, nur konnte ihn keiner verstehen, denn es war lateinisch. Und wenn die Fischer sich vor dem seltsamen Fisch nicht gefürchtet hatten – vor seinen Worten ergriffen sie die Flucht, denn sie hielten sie für Beschwörungsformeln. Als sie aber am nächsten Tag ihre Netze wieder einzogen, war der Bischof zum zweiten Mal darin. Er redete natürlich wieder lateinisch, worauf sie ihn abermals ins Wasser fallen ließen. So ging es einige Wochen. Weil sie immer wieder die Flucht ergriffen, brachten sie keinen einzigen Fisch mehr nach Hause. Große Not brach im Dorf aus, und die Fischersfrauen waren schrecklich böse auf ihre feigen Männer. Schließlich drang das Gerücht von den merkwürdigen Ereignissen in Powidz bis in die Stadt, und auch der Bischof hörte davon. Der mangelhafte Mut seiner biederen Fischer bekümmerte ihn zwar nicht sonderlich, aber dass ein leibhaftiger Amtsbruder im See spuken sollte, ging ihm denn doch zu weit! So begab er sich selbst nach Powidz, ließ die Fischer wieder ihr Netz auswerfen – und siehe da, der merkwürdige Fisch war wieder drin! Da der Bischof natürlich das Lateinische beherrschte, konnten sich die beiden leicht verständigen. Der Fisch erzählte also traurig, dass er sich schon seit zweihundert Jahren im Wasser herumtreiben müsse, weil er bei Lebzeiten als Bischof den Wein zu sehr und sein Amt zu wenig geliebt habe. Dafür müsse er nun büßen. Und er könne erst Ruhe finden, wenn die Glocke der Kirche, in der er seine erste Messe gelesen habe, eines Tages nicht mehr läute. Bis dahin, so bat er den Bischof in beweglichen Worten, solle man in seinen Gewässern nicht mehr fischen, damit er ungestört weiterbüßen könne. Ob die Powidzer Fischer seine Bitte erfüllt haben, weiß die Sage leider nicht zu berichten.

Forum (Kommentare)

Info 18.11.2017 12:59
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.