Die verzauberte Schmiedstochter

So rußig und bucklig der Schmied war, der am Waldrand seine Werkstatt hatte, so blühend und hübsch war seine Tochter Susanne. Sie war eine Augenweide für jeden, der an der Schmiede vorbeikam, und für alle hatte sie ein freundliches Wort. Nur der Schmied war nicht immer mit ihr zufrieden, denn sie unterhielt sich lieber mit seinen Gesellen, als dass sie draußen auf dem Feld arbeitete. Deshalb schalt er sie oft, denn er fand, dass es nicht zur Tochter eines Meisters passte. Eines Tages kam ein neuer Geselle: schwarz wie der Teufel und mit glühenden Augen. Er arbeitete fleißig und unermüdlich und war außerdem so hübsch, dass sich des Meisters Töchterlein Hals über Kopf in ihn verliebte. Manchmal saß sie mit ihm in der Laube und lauschte seinem Gesang, der ihr das Herz froh und zugleich sehnsuchtsschwer machte. Nur zu gern glaubte sie seinen verlockenden Reden, mit denen er ihr schöne Kleider, Schmuck und Reichtum versprach, wenn sie mit ihm komme. Schließlich überwand sie alle Bedenken und folgte ihm heimlich in der Nacht. Seitdem vergingen sieben Jahre. Das Leben in der Schmiede ging weiter. Der Meister sprach kein Wort mehr über seine Tochter und erlaubte auch nicht, dass jemand von ihr sprach. Sie hatte ihn verlassen, und deshalb sollte es sein, als ob sie nie da gewesen wäre. Aber er konnte sie nicht vergessen. Eines Tages kam in Regen und Schnee ein Reiter vorbei. Er war kostbar gekleidet, aber das Pferd sah bedauernswert und ganz verkommen aus. Der Reiter bat den Schmied, es zu beschlagen. Als der Schmied aber die Nägel in den Huf trieb, glaubte er eine Stimme zu hören, die ihn bat, nicht so fest zuzuschlagen, denn das Pferd sei seine Tochter. Der Schmied hielt erstaunt ein, aber als er von Neuem zuschlug, hörte er wieder die merkwürdige Stimme. Sie bat ihn um Verzeihung, weil sie ihm solch großen Schmerz zugefügt habe. Da wurde der Schmied weiß wie die Wand, denn nun glaubte er der Stimme. Wütend sprang er auf den Reiter zu, den er als seinen einstigen Gesellen erkannte und forderte, er solle seiner Tochter wieder menschliche Gestalt geben, sonst werde er diesen Tag nicht überleben. Der Reiter aber lachte nur spöttisch und sagte ihm, er habe sie für ihn erzogen und über Berg und Tal getrieben, damit sie in Zukunft ihrem Vater gehorsamer sei. Da schlug der Schmied mit dem Hammer zu, aber in diesem Augenblick war der Reiter verschwunden. Anstatt des Pferdes aber stand seine Tochter vor ihm, warf sich schluchzend in seine Arme und bat ihn um Verzeihung. Da führte er sie unter Freudentränen in sein Haus, und sie blieb ihm für immer eine gehorsame und liebevolle Tochter.