Raubtiere

Viele Säugetiere sind Fleischfresser. Die am besten auf die Jagd spezialisierte Gruppe fasst man zoologisch als Ordnung Raubtiere (Carnivora) zusammen. Dazu gehören Marder, Groß- und Kleinkatzen, Hyänen, Hunde, Wiesel, Bären, Kleinbären und Schleichkatzen. Eine Säugergruppe – Ohrenrobben, Hundsrobben und Walrosse – hat sich, wenn auch nicht vollständig, dem Leben im Wasser angepasst. Sie werden häufig zur Ordnung Flossenfüßer (Pinnipedia) gezählt, manchmal jedoch als Unterordnung Wasserraubtiere der Unterordnung Landraubtiere gegenübergestellt, da beide von gemeinsamen Vorfahren abstammen, die im Eozän gelebt haben. Einige Raubtiere haben sich von der ausschließlich jagenden Lebensweise abgewandt: So frisst die Hyäne Aas, obwohl sie auch jagt, der Bär ernährt sich außer von Fleisch von Blättern und Beeren, der Erdwolf beinahe nur von Termiten und das Walross von Weichtieren. Der Panda und der Wickelbär leben hauptsächlich vegetarisch. Landraubtiere bewohnen fast die ganze Welt mit Ausnahme Australiens, Neuguineas und vieler Inseln im Pazifik, die Vertreter der Wasserraubtiere sind weit über die Küsten gemäßigter und polarer Meere verbreitet. Die Lebensweise der Raubtiere
Erfolgreiche Jäger sind nach einem verhältnismäßig einfachen Plan gebaut, sie haben einen langen und beweglichen Körper und einen Schwanz. Landlebende Arten besitzen gut entwickelte, oft lange Beine. Unter den Hunden finden sich einige Langstreckenläufer, wie der Wolf. Den Geschwindigkeitsrekord unter den Tieren hält eine Katze, der Gepard. Sogar kurzbeinige Raubtiere können über geringe Entfernungen hohe Geschwindigkeiten erreichen. Die Proportionen des Kopfes weichen bei den verschiedenen Raubtiergruppen stark voneinander ab, gewisse Merkmale sind jedoch allen gemeinsam. Die meisten töten ihre Beute mit gut ausgebildeten, dolchförmigen Eckzähnen und zerlegen das Fleisch mit zwei Paar Reißzähnen. Die Schneidekanten der Backenzähne wirken dabei wie Scherenblätter. Mit den verhältnismäßig kleinen Schneidezähnen werden die Knochen abgenagt. Raubtiere sehen ziemlich gut, ihre Augen sind nach vorn gerichtet und ermöglichen einen stereoskopischen Blick. Dadurch können Raubtiere beim Sprung die Entfernung zur Beute genau abschätzen. Ihr Geruchssinn ist gewöhnlich gut entwickelt, ihr Gehör scharf. Die meisten Raubtiere sind intelligent und fähig, sich vielen Situationen anzupassen, um nicht von ihrer Beute überlistet zu werden. Gesellig lebende Land- und Wasserraubtiere
Die meisten Raubtiere sind Einzelgänger, obwohl sie als Jungtiere oft von ihrer Mutter, gelegentlich von beiden Eltern lange Zeit abhängig sind. Ausnahmen bilden die Hunde und Löwen, die gewöhnlich in Rudeln leben und jagen. Löwen gehen auch einzeln oder paarweise auf die Jagd. Eine andere Großkatze, der Tiger, lebt als einsamer Jäger im Dschungel, im Gegensatz zum Löwen, der seiner Beute im offenen Grasland nachspürt. Die meisten Raubkatzen füllen sich den Magen so voll wie möglich, gehen dann zur Tränke und ruhen anschließend oft tagelang im Schatten aus. In kälteren Gebieten haben die Vertreter der Familie der Marder viele Umweltnischen besetzt: Einige leben im Wasser (Fischotter), einige auf Bäumen (Baummarder). Wiesel sind so klein, dass sie ihre Beute noch in unterirdischen Gängen verfolgen können. Dachse graben Tunnelsysteme in der Erde und verlassen sie nachts zur Nahrungssuche. Kein Raubtier hat sich jedoch einem Leben im Boden völlig angepasst. Schleichkatzen der Altwelttropen jagen meist kleine, bodenbewohnende Tiere, einige Arten fressen auch Früchte. In der Neuen Welt (und Teilen der Alten Welt) nehmen Kleinbären den Platz der Schleichkatzen ein. Diese Gruppe ist vielgestaltig, zu ihr gehören auch einige Früchtefresser. Marine Raubtiere – Robben, Seelöwen und Walrosse – ernähren sich hauptsächlich von Fischen und Muscheln. Die Robben haben sich durch eine stromlinienförmige Gestalt an ihre Lebensweise im Wasser angepasst. Im Gegensatz zu den Walen tragen sie ein Fell, sind jedoch wie diese durch eine dicke isolierende Speckschicht vor der arktischen Kälte geschützt. Robben schwimmen geschickt, ihre Gliedmaßen sind in Flossen umgewandelt. Bei den Ohrenrobben und Walrossen dienen die Vorderbeine, bei den echten Robben die Hinterbeine der Fortbewegung. An Land sind besonders die echten Robben schwerfällig. Ohrenrobben können ihre Hintergliedmaßen nach vorn umschlagen und damit gehen, ja sogar laufen. Echten Robben ist dies unmöglich, sie müssen sich auf ihren Flossen vorwärtsschleppen. Robben kommen zur Brunft an Land. In dieser Zeit leben sie gesellig, obgleich die Männchen heftige Rivalenkämpfe untereinander austragen. Solche Robbenkolonien können auf einem Gebiet von nur 50 km2 bis zu einer Million Tiere vereinigen. Duftdrüsen und Fell
Bei den meisten Landraubtieren sondern anale Drüsen einen Duftstoff ab, der die Reviere markieren, ein Weibchen anlocken oder auch der Verteidigung dienen kann. Das bekannteste Beispiel ist das Stinktier, auch Skunk genannt. Der Mensch empfindet die meisten dieser Duftstoffe als unangenehm, einige enthalten jedoch auch wohlriechende Komponenten und werden daher als Grundlage für Parfüm verwendet. Viele Raubtiere, besonders Katzen, Wiesel und Robben, tragen einen weichen, schönen Pelz, verschiedene Arten sind deshalb fast bis zur Ausrottung bejagt worden.

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Info 14.12.2017 16:02
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