Friedrichs I. Kaiserkrönung

Die Krönung von Friedrich I. fand in St. Peter unter militärischer Abschirmung statt. »Vor der silbernen Pforte der Kirche hielt der Bischof von Albano das erste Gebet, mitten in der Kirche der Bischof von Porto das zweite: ›Gott, du geheimnisvoller Schöpfer der Welt – schütte auf die Fürbitte aller Heiligen über diesen König das Füllhorn deines Segens aus und festige den Thron seines Reiches‹.« Es folgten die Salbung durch den Erzbischof von Ostia und ein Gebet. Dann war der Augenblick gekommen, wo der Papst dem Knienden das Diadem aufsetzte mit den Worten: »Empfange das Ruhmeszeichen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, damit du unter Verachtung des alten Feindes und aller Sündenberührung Recht und Gerechtigkeit liebest und dich in diesem Leben so erbarmungsvoll zeigest, dass dir unser Herr Jesus Christus in der Gemeinschaft der Heiligen die Krone des ewigen Reiches verleihe.« Nach der Krönung brach der Aufruhr republikanisch gesinnter Römer los. Der Kaiser wurde von der Revolte während des Festmahls überrascht und musste sich mit der Waffe in der Hand wehren. Vor allem dem Eingreifen Heinrichs des Löwen war es zu danken, dass der Aufstand niedergeschlagen wurde: ein blutiger Beginn der »kaiserlichen Schirmherrschaft«! Bei den Kämpfen fiel Arnold von Brescia in die Hände des Kaisers, der ihn dem Papst auslieferte, der wiederum die Exekution dem Stadtpräfekten übertrug: Der Rebell und Ketzer wurde gehängt, die Leiche verbrannt, die Asche in den Tiber gestreut. Obwohl der Kaiser nach dem Konstanzer Vertrag verpflichtet gewesen wäre, den Papst nun auch vor den Normannen zu schützen, zog er auf Drängen der deutschen Fürsten nach Deutschland zurück. Noch einmal drohte höchste Gefahr: Als die Bürger von Verona den Etschübergang an der Veroneser Klause sperrten, rettete der baierische Pfalzgraf Otto von Wittelsbach das kaiserliche Heer, indem er nach Umgehung des Feindes den Weg freikämpfte. Dem Zurückgekehrten blieb keine Zeit, über den fragwürdigen Erfolg des Italienzuges nachzudenken, denn der zäh auf seinem vermeintlichen Recht bestehende Babenberger musste möglichst bald zur Aufgabe seiner herzoglichen Rechte in Baiern veranlasst werden, wollte man einen neuen Bruderkampf zwischen Staufern und Welfen vermeiden. Es erforderte diplomatisches Geschick und Standfestigkeit, Heinrich Jasomirgott zum Verzicht zu bewegen. Erst nach langen, schwierigen Verhandlungen wurde die Lösung gefunden und von den Partnern angenommen: Baiern fiel an die Welfen zurück, zugleich aber wurde die Markgrafschaft Österreich aus dem Landesverband Baiern gelöst und als eigenständiges Herzogtum den Babenbergern übergeben. Der Reichstag zu Regensburg im September 1156 brachte den eindrucksvollen und symbolträchtigen Abschluss: Heinrich Jasomirgott übergab dem Kaiser sieben Fahnen, Symbol für die Herrschaft in Baiern, die dieser dem Welfen Heinrich dem Löwen überreichte, dieser gab wiederum zwei dem Kaiser zurück, der diese Symbole nun dem Babenberger anvertraute. Der politische Aspekt dieser bedeutungsvollen Handlung gewinnt Farbe durch den persönlichen Hintergrund: der Stauferkaiser war Vetter des Welfen und Halbbruder des Babenbergers! Interessanter ist jedoch die Fülle der Rechte, mit denen der frischgebackene Herzog von Österreich ausgestattet wurde, sie wirkten geradezu revolutionär: Ihm wurde die weibliche Erbfolge zugesichert, bei Kinderlosigkeit konnte dem König sogar ein Nachfolger vorgeschlagen werden, der Herzog war oberster Gerichtsherr, brauchte lediglich die königlichen Hoftage besuchen, die im nahen Baiern stattfanden, und war nur verpflichtet, in angrenzenden Gebieten an Kriegszügen teilzunehmen. Mit diesem »Privilegium minus« (siehe unten) setzte Friedrich ein Signal für die Organisation künftiger Landes-(d. h. Territorial-)herrschaften im Reichsgebiet. Nach vier Jahren Königsherrschaft schien Friedrich I. den inneren Frieden gesichert und die Grundlage für eine erfolgreiche Innenpolitik geschaffen zu haben. Nach dem Abschluss des Konstanzer Vertrags 1153 war man am päpstlichen Hof dem Kaiser Friedrich I. wiederholt entgegengekommen. Auch ein persönliches Problem wurde mit Hilfe der Kurie gelöst: Der Konstanzer Bischof erklärte die Ehe Friedrichs I. mit Adela (auch Adelheid) von Vohburg für ungültig, da die Königin Ehebruch begangen habe. Jetzt, drei Jahre später, heiratete der Kaiser die etwa 14jährige Beatrix von Burgund, die Erbin der Freigrafschaft Burgund mit der Residenzstadt Besançon. Sie war die reichste Frau im Lande mit sehr großem Grundbesitz und einer Gefolgschaft von fünftausend Rittern. Im Juni 1156 wurde in Würzburg die Hochzeit gefeiert. An dieses glänzende Fest erinnern heute noch jeden Besucher der Würzburger Residenz die barocken Fresken des Venezianers Giovanni Battista Tiepolo im Kaisersaal: die Brautfahrt der Gräfin Beatrix im Sonnenwagen des Apoll und die Trauung mit dem Kaiser des Abendlandes. Der – wie man sagt – glücklichen Ehe entstammen fünf Söhne. Man berichtet auch, dass Beatrix Friedrichs I. Vertrauen besessen und treu zu ihm gestanden habe. Sie habe an allen Kämpfen teilgenommen, den Kaiser in Staatsgeschäften vertreten und ihn in Gefahr mit der Waffe verteidigt. Mit dem Erbe der Frei- und Pfalzgrafschaft bezieht Friedrich I. auch Hochburgund und die Provence, die sich seit Heinrich III. immer mehr einer festen Bindung entzogen hatten, in den Reichsverband ein und nimmt damit strategisch wichtige Alpenstraßen unter Kontrolle. Herzog Berthold von Zähringen, dem Friedrich I. 1152 das Rektorat (Oberhoheit) über Burgund übertragen hatte, wird aus dieser Funktion entlassen und zieht sich gekränkt zurück. Auch die Verleihung anderer Herrschaftsrechte kann die Entfremdung von den Staufern nicht aufhalten. »Privilegium minus« 1156
Das sogenannte »Privilegium minus« ist die entscheidende Urkunde für die eigenständige Entwicklung Österreichs. Ihre wichtigsten – auch verfassungsrechtlich bedeutsamen – Bestimmungen:
1. Auch die Herzogin wird belehnt.
2. Das Herzogtum Österreich ist in männlicher und weiblicher Linie erblich.
3. Heinrich Jasomirgott und Theodora dürfen bei Kinderlosigkeit ihre Nachfolger im Herzogtum selbst bestimmen.
4. Das Gerichtsrecht liegt allein beim Herzog.
5. Lediglich Verpflichtung zur Hoffahrt nach Baiern, Heerfolge nur bei Feldzügen gegen benachbarte Länder. Die Urkunde, von Friedrich I. Barbarossa unterzeichnet und auf Herzog Heinrich und seine Frau Theodora ausgestellt, schrieb bestehende Rechte fest und gestand Privilegien in bisher unbekanntem Ausmaß zu. Markstein bei der Bildung von geschlossenen Herrschaftsgebieten (»Territorialisierung«) und der Entstehung des Reichsfürstenstandes. Mitte des 14. Jahrhunderts tauchte eine andere Urkunde auf die für die politische Verfassung Österreichs grundsätzlich sein sollte, das sogenannte »Privilegium maius«. Sie war so abgefasst, als habe Friedrich I. Barbarossa den Babenbergern folgende Zugeständnisse gemacht:
1. Gleicher Höherstellung mit den Landesfürsten.
2. Entbindung von fast allen Pflichten gegenüber dem Reich.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts galt diese Urkunde als echt. Erst die verfeinerten Methoden der Quellenkritik und ihre Anwendung durch Wilhelm Wattenbach erlaubten die Aufdeckung der Fälschung.