Otto von Wittelsbach – Kurze Biografie

Es gibt kein zeitgenössisches Bildnis von Otto von Wittelsbach, aber Chronisten beschreiben ihn sehr lebendig als einen hochgewachsenen, kräftigen Mann mit frischer, rötlicher Gesichtsfarbe und schwarzem Haar. Geboren wurde er um 1120. Seine Familie trug ursprünglich den Namen der Grafen von Scheyern, aber wenige Jahre vor seiner Geburt hatte der Vater bei Aichach, nordöstlich von Augsburg, die Burg Wittelsbach gebaut, nach der sich die Familie fortan nannte. Der Vater war Pfalzgraf, also königlicher Ritter und Verwalter des Königsgutes im Herzogtum Baiern. Seine Söhne scheinen durchweg raue Gesellen gewesen zu sein. Für Otto erwies sich das Draufgängertum nur als Vorteil. Als Kaiser Friedrich Barbarossa 1155 bei der Rückkehr aus Rom an der Veroneser Klause den Weg verlegt bekam, erklomm Otto mit seinen Leuten die steilen Felsen am Ufer der Etsch und warf den Gegner. Im selben Jahr folgte er dem Vater im Amt des baierischen Pfalzgrafen. Von da an begegnen wir ihm immer wieder im Gefolge des Kaisers. Am Reichstag von Besançon zog er aufbrausend gegen den päpstlichen Legaten das Schwert, und nur das geistesgegenwärtige Dazwischentreten Friedrichs I. verhinderte den Totschlag. Der Kaiser vergalt auch die uneingeschränkte Treue Ottos. Als er Heinrich dem Löwen das Herzogtum Baiern aberkannt hatte, übergab er es am 16. September 1180 dem damals etwa sechzigjährigen Otto zum Lehen. Er zog ihn dabei der mächtigeren Familie der Grafen von Andechs-Meranien vor. Otto, der von seinen Untertanen geschätzt und geliebt wurde, hatte nicht mehr viel Zeit, das neue Herzogtum auszubauen. Er starb schon drei Jahre später am 11. Juli 1183 auf der kaiserlichen Burg Pfullendorf bei Konstanz. »Zu seiner Zeit genoss Baiern Frieden und ungestörten Wohlstand«, sagt ein zeitgenössischer Chronist von diesem ersten wittelsbachischen Herzog, dessen Geschlecht siebeneinhalb Jahrhunderte bis 1918 in Bayern regierte.

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Info 22.11.2017 17:40
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