Heinrich der Löwe – Kurze Biografie

Heinrich der LöweArroganz und Gewalttätigkeit, daneben eine gehörige Portion Skrupellosigkeit beim Umgang mit der Macht lassen den Welfen leicht zu einem negativen Gegenbild des idealisierten Barbarossa werden. Dazu kommt der Vorwurf, habgierig und selbstsüchtig den Kaiser in höchster Not im Stich gelassen und die Sache des Reiches verraten zu haben. Bei dieser Bewertung wird vergessen, dass Heinrich sich in der Tendenz nicht anders verhielt als die anderen Reichsfürsten, nur war er erfolgreicher. Außerdem hatte er zwanzig Jahre lang treu zu seinem Vetter gestanden und dessen Politik den nötigen Rückhalt gegeben. Um 1129 geboren, verlebte er eine unruhige Jugend, als Kaiser Konrad III. mit den Welfen Krieg um die Macht führte, wurde zwischen Baiern, Schwaben und Sachsen herumgeworfen und musste früh lernen, sich gegen Gewalt durchzusetzen. Der italienische Chronist Morena schildert sein Aussehen: mittelgroß, sehr kräftig, schöner Wuchs, mit schwarzem Haar und dunklen Augen, vielleicht ein Erbe seiner Vorfahren aus dem italienischen Haus Este – auch hier ein Gegenbild des offensichtlich in der Literatur idealisierten rotblonden, blauäugigen Barbarossa. Dass Heinrich der Löwe im Volk nicht unbeliebt war, deutet ein alter Spruch an: »Hinrich de Leuw und Albrecht de Bar / darto Frederik mit dem roden Har, / dat wassen dre Herren, / de kunnen de Werlt verkehren.« Seine Pfalz Dankwarderode war, wie andere Pfalzen auch, der Literatur nicht abgeneigt. Praktisch wie er war, gab Heinrich ein Wörterbuch in deutscher Sprache in Auftrag und ordnete an, dass es zu besserer Verständlichkeit in Prosa abzufassen sei. So entstand der »Lucidarius« (lat.: Leuchter), das erste Prosawerk dieser Gattung in deutscher Sprache. Überlebensgroß ist Herzog Heinrich mit seiner Gemahlin auf der Grabplatte im Braunschweiger Dom dargestellt – Idealbild und Zeichen der Verehrung für den 1195 Verstorbenen.