Friedrichs I. Katastrophe in Rom

Nach seiner erfolgreichen Intervention in Sachsen musste der Kaiser in Mainz politisch eingreifen, wo die Bürger den Erzbischof ermordet hatten. Friedrich I. sprach der Stadt alle bisher verliehenen Privilegien ab und ließ ihre Mauern niederreißen. Seine Hoffnungen, der neue Bischof Konrad von Wittelsbach werde zu ihm halten, gingen nicht in Erfüllung. Konrad schlug sich auf die Seite Papst Alexanders III., der auch in Deutschland immer mehr Anhang gewann, deshalb die diplomatische Offensive übernahm und 1163 sogar Gesandte auf den Reichstag nach Nürnberg schickte. Der Kaiser lehnte Verhandlungen ab, was zur Folge hatte, dass Kaiser Manuel I. von Byzanz die Zeit gekommen sah, näher an die Kurie zu rücken und zu versuchen, Frankreich in eine Allianz gegen Friedrich I. zu locken. Friedrich I. wollte im Frühjahr 1164 gegen die Normannen zu Felde ziehen, und zwar nur mit Truppen, die er in Italien aushob. Da starb ›sein‹ Papst Victor IV. Die Kirchenspaltung schien beendet zu sein, doch Reichskanzler Rainald von Dassel ließ auf eigene Faust sofort einen Nachfolger wählen, der allerdings nur wenige Anhänger für sich mobilisieren konnte. Friedrich I. billigte das Vorgehen Rainalds, um das Gesicht zu wahren, musste nun aber mit einer Verschärfung der Lage rechnen. Offen verbanden sich Verona, Vicenza und Padua mit Venedig zum Veroneser Städtebund. Andere Städte konnte Friedrich I. nur durch größere Zugeständnisse vom Beitritt abhalten, die Zerschlagung des Bundes mit Waffengewalt war unmöglich. Erfolglos kehrte der Kaiser nach Deutschland zurück, um einen neuen Italienzug zu organisieren. Auf dem Würzburger Reichstag im Mai 1165 mussten alle Anwesenden einen Eid schwören, Papst Alexander III. nicht anzuerkennen. Der Kaiser selbst schwor, die weltlichen Fürsten, voran Heinrich der Löwe, entsprachen dem kaiserlichen Gebot, aber manche der geistlichen Fürsten entzogen sich der Eidesleistung. Rigoros ging Friedrich I. gegen die Parteigänger Alexanders III. unter den deutschen Bischöfen vor, er setzte Erzbischof Konrad von Wittelsbach ab und bestellte seinen treuen Gefolgsmann und Kanzler Christian von Buch zum Erzbischof von Mainz, über den Wortführer der »Alexandriner«, Erzbischof Konrad von Salzburg, verhängte er die Reichsacht. Währenddessen blieb die Gegenseite nicht untätig. Vor allem Kaiser Manuel wurde immer aktiver: Gegen das vage Angebot einer Versöhnung der oströmischen mit der weströmischen Kirche suchte er die Anerkennung als alleiniger Universalherrscher von Alexander III. zu erreichen, wurde jedoch abgewiesen. Im Herbst 1166 setzten die Heere des Kaisers über die Alpen, in die auch kampferprobte Elitetruppen aus Brabant, die »Brabanzonen«, eingereiht waren. Auf dem Hoftag zu Lodi an der Adda musste sich Friedrich I. die Proteste über das Zwangsregime der kaiserlichen Podestàs anhören – kein guter Auftakt der Unternehmung. Im Frühjahr ging es weiter nach Süden. Ancona wurde erobert, die Römer erlitten eine Niederlage durch den gemeinsamen Einsatz von Rainald von Dassel und Christian von Mainz vor Tusculum. Der Kaiser selbst eroberte die Leostadt in Rom und damit den Zutritt zur Peterskirche. Hier wurde der neue Gegenpapst, Paschalis III., auf den Thron erhoben und Friedrichs Gemahlin Beatrix zur Kaiserin gekrönt. Alexander III. war geflohen, der Kampf schien entschieden, da brach plötzlich und völlig überraschend im Heer eine entsetzliche Malariaepidemie aus. Die Folgen waren verheerend: Die Masse der Ritter und viele Heerführer, darunter der Kanzler Rainald von Dassel, erlagen der Seuche. Der Rest des Heeres schlug sich unter der Führung des Kaisers nach Norden durch, die Kolonne ähnelte einem Leichenzug, da die Zahl der Toten stündlich weiter anstieg. Die Gegner Friedrichs I. frohlockten über das vermeintliche Gottesgericht: Der ersehnte Zusammenbruch war da, die Parole hieß: »Wir wollen nicht mehr, dass dieser Mann uns regiere, die Deutschen sollen nicht mehr über uns herrschen!« Als der Kaiser seine Truppen bei Pavia sammelte, hatte er nicht mehr viele treue Gefolgsmänner. Seine Drohungen und Achterklärungen gingen ins Leere, verzweifelt sandte er nach Deutschland einen Aufruf: »Der Himmel erstarrt, der ganze Erdkreis erzittert und alle Elemente geraten in Aufruhr beim Anblick dieser verruchten Treulosigkeit und todeswürdigen Niedertracht. Lieber wollen wir eines ehrenvollen Todes vor dem Feind sterben, als dulden, dass das Reich in unseren Tagen zerstört werde.« Aber gegen den inzwischen gegründeten Städtebund der »Lombardischen Liga« war er machtlos. Dieser schloss den Veroneser Bund ein und umfasste schon beim Vertragsabschluss sechzehn Städte, ihre Zahl erhöhte sich ständig und umfasste schließlich ganz Oberitalien bis ins westliche Piemont hinein. Ziel der Organisation war ganz klar die Beseitigung der deutschen Herrschaft und die Wiederherstellung der alten städtischen Freiheit. Der Kaiser musste sich geschlagen geben und entschloss sich zum Rückzug. Doch die Lombarden hatten schon die Alpenpässe besetzt, nur der Graf von Savoyen erlaubte zunächst den Durchmarsch durch sein Gebiet. Als auch hier eine feindselige Stimmung spürbar wurde, fürchtete Friedrich um sein Leben und schlich sich als Diener verkleidet aus der Stadt Susa. Von dort konnte er mit knapper Not über den Mont Cenis nach Burgund entkommen. Die italienischen Städte triumphierten: Mailand und Tortona wurden wieder aufgebaut, und im Mai 1168 errichtete die Liga ihre Bundesfestung, der sie demonstrativ den Namen Alessandria gab. Italien war für den Kaiser ab 1167 verloren, dafür dehnte Byzanz seinen Einfluss in Oberitalien wieder stärker aus.