Friedrich I. – Ausbau der Königsmacht in Deutschland

Für den Beobachter der Vorgänge ist es erstaunlich, dass das kaiserliche Ansehen nördlich der Alpen durch das italienische Debakel keinen Schaden nahm. Dies kam sicher nicht zuletzt daher, dass Friedrich I. sich voll und ganz auf den mächtigen Welfenherzog verlassen konnte. Ohne Unterbrechung ging der Kaiser an die politische Tagesarbeit. Diesmal plante er langfristig: Sechs Jahre, bis 1174, blieb er in Deutschland, sein Fernziel, die Rückeroberung Italiens, verlor er dabei nicht aus den Augen. Zunächst sorgte er für die Konsolidierung und Erweiterung der königlichen Macht, die auf gesichertem und möglichst umfangreichem königlichen Besitz und den damit verbundenen Einkünften beruhte. Dabei bewies Friedrich I. Weitblick und gesunden schwäbischen Erwerbssinn. Je nach der sich anbietenden Situation kaufte oder tauschte er Grundbesitz, trat Erbschaften an oder erwarb Kirchenlehen, so dass sich immer deutlicher zusammenhängende »Königslandschaften« ausbildeten, wie sie schon Konrad III. angefangen hatte auszubauen. Sie reichten in weitem Bogen vom Elsass bis ins Thüringische, umfassten Gebiete in Schwaben, Franken, der Oberpfalz, das Eger-, Vogt- und Pleißnerland, westlich der Saale die »Goldene Aue« und strahlten bis über den Harz aus. Im Bodenseegebiet beerbte er die Lenzburger und Pfullendorfer Grafen, wodurch er den staufischen Hausbesitz beträchtlich vergrößern und unmittelbare Kontrolle über die Alpenpässe ausüben konnte. Die Verwaltung der königlichen Territorien war straff durchorganisiert, sie lag in den Händen von Reichsministerialen, die in den nach strategischen Gesichtspunkten angelegten Burgen und Pfalzen die Verwaltung des umliegenden Reichs- und Hausbesitzes organisierten. In den Pfalzen war der ständig in seinem Reich herumreisende »Wanderkönig« sozusagen zu Hause, sie ließ er nach eigenen Plänen und eigenem Geschmack ausbauen, wie z. B. Kaiserslautern, Wimpfen, Gelnhausen, Nürnberg, Eger. Am häufigsten hielt sich Friedrich I. in der Pfalz Ulm auf, Aachen überragte für ihn »alle Provinzen und Städte durch den Vorzug der Würde und Ehre« als Grab-Stätte des hochverehrten Kaisers Karl – den er durch seinen Gegenpapst zum Heiligen hatte erheben lassen und ihn als Fingerzeig gegen das ›feindliche‹ Frankreich fest für Deutschland in Anspruch nahm. Seine Lieblingspfalz aber war Hagenau im Elsass, er schenkte dem Ort, der sie umgab, mehr Privilegien als »irgendeinem anderen«. Wie hier entstanden auch um die anderen Pfalzen Märkte und Siedlungen, die sich im Laufe der Zeit ihrer Bedeutung als Bürgergemeinde bewusst wurden und Stadtrechte erwarben, so wurde z. B. die Pfalz Frankfurt am Main die wichtigste Stadt in der Wetterau, Chemnitz, Altenburg und Zwickau bekamen Stadtrecht. Friedrich I. verhielt sich besonders seinen Neugründungen gegenüber sehr großzügig – nicht zuletzt im Hinblick auf die königliche Kasse. Er förderte ihre Entwicklung, indem er die individuellen Rechte der Bewohner, z. B. Ehe-, Erb-, Schuldrecht, verbesserte und die Gemeinden von finanziellen Lasten befreite. Er wusste, welchen wirtschaftlichen Nutzen Städte als Markt und Produktionsort einbrachten, da sich die Geldwirtschaft immer mehr durchsetzte. Straßenbau bedeutete für ihn ein Stück Territorialpolitik, der obendrein den Fernhandel belebte. Mit dem Privileg des Mauerbaus wurde der Rechtsbezirk der Einwohner sichtbar abgegrenzt, die Mauer war aber auch das Zeichen der Wehrhoheit und in einem weiteren Entwicklungsprozess das Zeugnis für den autonomen Bereich der Bürger. Vorläufig aber blieb die staufische Stadt abhängig von ihrem Stadtherrn, dem König, wenn sich auch die Tendenz auf zunehmende Selbstverwaltung abzeichnete. Die Anfänge der Ratsverfassung fallen noch in Friedrichs I. Regierungszeit und fanden mit Sicherheit seine Zustimmung, gegen Zusammenschlüsse der Bürger zu »Eidgenossenschaften« aber sperrte er sich wohl aus dem Misstrauen heraus, dass solche Interessenverbände den Herd von königsfeindlichen Bewegungen bilden könnten. Lieber sorgte er selbst durch eine planmäßige Münz- und Zollpolitik für das Wohl der Kaufleute, statt ihnen eigene Organisationen zuzugestehen. Ein Zeichen dafür, dass Friedrich I. durch den Ausbau seiner Königsmacht hohes Ansehen besaß, war die konfliktlose Regelung der Erbfolge: Die deutschen Fürsten wählten einstimmig seinen dreijährigen zweiten Sohn Heinrich zum König. Der Wahl folgte die Krönung in Aachen. Den königlichen Schiedsspruch achteten auch die immer verbissener streitenden Parteien in Sachsen, so dass wenigstens ein vorläufiger Waffenstillstand schon auf dem Reichstag zu Würzburg 1168 zustande gekommen war. (Heinrich der Löwe war in Sachsen mittlerweile wieder derartig gewaltsam aufgetreten, dass sich die alte Opposition, diesmal verstärkt durch Erzbischof Wichmann von Magdeburg und Gefolgsleute Rainalds von Dassel, wieder erhoben hatte und die Kämpfe in Ostsachsen bis 1168 andauerten.) Die Lehnshoheit des Kaisers und Königs wurde auch weiterhin von Polen und Ungarn anerkannt. Unter diesen Voraussetzungen konnte es Friedrich I. wagen, die Lösung der italienischen Frage anzugehen. Seine Haltung war nun insgesamt konzilianter, was teilweise auch daran lag, dass sein politischer Berater und Kanzler Rainald von Dassel, ein »Falke«, seit einigen Jahren tot war.