Friedrichs I. Tod auf dem 3. Kreuzzug

Als türkische Seldschuken unter Führung Sultan Saladins 1187 Jerusalem erobert hatten, fühlte sich ganz Europa durch diese Katastrophe herausgefordert. Friedrich I. hielt im März 1188 in Mainz einen »Hoftag Jesu Christi« ab, auf dem die Aufgaben des christlichen Ritters im Vordergrund standen, ein Kreuzzug beschlossen und gründlich vorbereitet wurde. Mit altem Schwung führte Barbarossa ca. 12000-15000 Mann nach Kleinasien. Doch als er beim Baden im Fluss Saleph ertrank, scheiterte mit seinem Tod das ganze Unternehmen. Mutlosigkeit ergriff das Heer, ganze Truppenteile ließen sich widerstandslos gefangen nehmen. Der Chronist der Kölner Königschronik gibt der allgemeinen Stimmung Ausdruck: »Bei diesem Bericht versagt unser Griffel und verstummt unsere Rede.« Die Sage bemächtigte sich »des Alten« und versetzte ihn im 16. Jahrhundert in den Kyffhäuser, von wo zunächst die Wiederkehr seines Enkels Friedrich II. erwartet worden war. Seitdem nimmt er den Platz am steinernen Tisch ein, ohne auf nationale Beschwörungen (»Er hat hinabgenommen des Reiches Herrlichkeit, und wird einst wiederkommen, mit ihr, zu seiner Zeit« [Friedrich Rückert 1788-1866]) oder aufklärerischen Spott (»… altes Fabelwesen, geh leg dich schlafen, wir werden uns auch ohne dich erlösen …« [Heinrich Heine 1797-1856]) zu hören. Seither sind die Meinungen über Friedrich Barbarossa geteilt. Man verurteilte besonders in der Zeit des »Dritten Reiches« seine Italienpolitik, die eine zielstrebige »Ostpolitik« verhindert habe, man sah in der früheren marxistischen Orthodoxie in ihm einen Reaktionär, einen »Vertreter feudaler Expansionspolitik«, als »rückständig« und »anachronistisch« beurteilten ihn auch westdeutsche Historiker in den fünfziger Jahren. Sein Bild wurde durch Mystifizierung und Hochstilisierung besonders im 19. Jahrhundert zum »Heldenkaiser« verkitscht und im deutschnationalen Götterhimmel neben Bismarck und dem Heldenkaiser Wilhelm I. (»Barbablanca«) verehrt. Seit geraumer Zeit bemüht sich die Geschichtswissenschaft um eine objektivere Würdigung, indem sie den zeitlichen Rahmen mehr als bisher beachtet. Der deutsche König konnte, da der deutsche Adel unbeirrt seine eigenen Partikularinteressen verfolgte, nicht auf Italien verzichten und damit auf Kaiserkrone und Geldeinnahmen. Friedrichs I. eigentliche Leistung wird heute immer mehr darin gesehen, dass er relativ flexibel war und seine Methoden je nach politischer Erfordernis änderte. Relativ wenig Erfolg hatte er bei der Wiederherstellung der alten Kaiserrechte in Italien. Das Aufblühen der lombardischen Städte und deren rasante politische Verselbstständigung konnte er genausowenig bremsen wie den enormen Machtzuwachs der Reichsfürsten, die in ihren Territorien zunehmend »königsgleich« herrschten. Erfolg hatte Friedrich I. bei seiner Hausmacht- und Ministerialenpolitik: geschlossene Königslandschaften standen hinter dem staufischen Haus, zuverlässige und ehrgeizige Ministeriale besorgten die Reichsverwaltung und stellten die ›Exekutive‹. Ideell ging es ihm um den »favor imperii«, des Reiches Ehre, um einen Wert, der in unserer Zeit fragwürdig geworden ist, weil sie in anderen Kategorien denkt.