Geschichte des Verkehrs

Das Transportwesen ist mit Sicherheit älter als der Hausbau und die Landwirtschaft, denn es besteht kein Zweifel, dass schon die prähistorischen Menschen mit den Händen oder auf Kopf und Rücken Lasten getragen haben. Auch der Gebrauch von Tragestangen, Schlitten und Rollen zum Lastentransport ist vermutlich schon länger als 10 000 Jahre bekannt. Wasser- und Schienentransport
Die ältesten Funde, die man als »Transportmittel« bezeichnen kann, sind ganz primitive Boote, die ersten Einbäume entstanden vor etwa 20 000 Jahren. Etwa zur gleichen Zeit begannen die Menschen der frühen Zivilisationen in verschiedenen Teilen der Erde, Flöße aus einheimischen Materialien zu bauen. Ihre Bauart hat sich seitdem kaum verändert. Nach wie vor werden Flöße aus Holzstämmen, Schilfbündeln, Gras und anderen Materialien zusammengebaut, und oft werden als Auftriebshilfen Tierbälge oder Blasentangbündel benutzt. Im Laufe der Zeit entwickelten die Menschen in verschiedenen Kulturen Boote mit Hohlrümpfen, die aus einem mit Tierbälgen bezogenen oder mit Baumrinde beplankten Gerippe bestanden. Im australischen Raum verwendete man zur Bespannung der Bootsgerippe vorwiegend die Rinde des Eukalyptusbaums. Vor etwa 5000 Jahren wurden die ersten Kanäle gebaut, zunächst zur Verbindung naher Flüsse, dann auch zur Beförderung von Gütern und Menschen über größere Entfernungen. Vor einigen Jahrhunderten wurde ganz England und ein großer Teil des europäischen Festlandes von Kanälen durchzogen, die (wegen der unausgebauten Straßen) als Hauptverkehrswege dienten. Zwischen 1770 und 1840 waren diese Kanäle für den zwar langsamen, aber auch billigen Transport der rasch zunehmenden Gütermengen höchst wichtig. Einer der großen Vorteile der Kanalkähne war, dass man mit ihnen sehr schwere Lasten bei sehr geringer Antriebsleistung befördern konnte. Erst mit der Entwicklung der Eisenbahn im Verlauf des 19. Jahrhunderts stand ein ähnlich leistungsfähiges Landtransportmittel zur Verfügung. Die Vorläufer der späteren Eisenbahnen waren primitive vierrädrige Holzwagen, die man zunächst nur lokal begrenzt zum Gütertransport und hauptsächlich in Bergwerken einsetzte. Die Schienen waren anfangs aus Holz, später aus Gusseisen und wurden schließlich aus Stahl gewalzt. Etwa seit 1800 begann sich das Eisenbahnwesen stärker zu entwickeln, und ungefähr 1830 einigte man sich in Europa auf ein einheitliches Schienensystem mit Stahlschienen und genormten Spurweiten sowie Laufrädern mit Radkränzen an der Innenseite. Infolge ihrer Leistungsfähigkeit, hauptsächlich bedingt durch den geringen Rollwiderstand, war die Eisenbahn der Kanalschifffahrt schon nach kurzer Zeit überlegen. Hinzu kam, dass man das Schienennetz ohne große Schwierigkeiten bis zu jeder Stadt und sogar über hügeliges Gelände führen konnte. Der Straßentransport
Ebenfalls um 1800 begann man in Europa, das Straßennetz zu verbessern und zu erweitern, das bis zu dieser Zeit in schlechterem Zustand war als zur Zeit der Römer. Gegenüber Schienen haben Straßen viele Vorteile: Sie sind billiger zu bauen, man kann jede Fabrik und jedes Haus erreichen, und es können die unterschiedlichsten Fahrzeuge verkehren. Außerdem können Straßen wesentlich steiler angelegt werden als Eisenbahnstrecken. Gegenüber den glatten Schienen der Eisenbahn haben Straßen jedoch den Nachteil des größeren Rollwiderstands. Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren viele Straßen von tiefen Fahrspuren durchzogen und mit Schlaglöchern durchsetzt. Man konnte nur sehr langsam vorwärtskommen, und oftmals kam es zu Wagenschäden und schweren Unfällen. Es kam auch vor, dass auf besonders defekten Straßenabschnitten Kutschen und Lastwagen zerlegt und die Einzelteile zu Fuß weitergetragen werden mussten. Maschinengetriebene Fahrzeuge
Über Jahrtausende nutzte man zum Antrieb von Fahrzeugen natürliche Energien wie Wind und Wasserströmungen oder die Muskelkraft von Zugtieren. Im 19. Jahrhundert begann man dann aber, mechanische Antriebe zu nutzen, zunächst die Dampfmaschine bei Lokomotiven und Schiffen und dann, nach 1885, den Verbrennungsmotor bei Straßenfahrzeugen. Rasch ging die Zahl der Kraftfahrzeuge in die Millionen, aber erstaunlicherweise auch die der modernen Muskelkraftfahrzeuge, der Fahrräder. Wesentlich dazu beigetragen hat die Erfindung und Einführung des Luftreifens. Er steigerte den Fahrkomfort beträchtlich und ließ auch höhere Fahrgeschwindigkeiten zu, was dann dazu führte, dass man immer bessere und glattere Straßen baute. Auch beim Seetransport kam es zu mehreren Entwicklungsschritten. Die alten Seehandelsschiffe waren noch aus Holz und gegen Piratenüberfälle bewaffnet. Nach 1800 baute man große Schiffe in Stahlkonstruktion, und die Handelsschifffahrt beherrschte dann über hundert Jahre lang den Güter- und Passagiertransport zwischen den Kontinenten. Im 20. Jahrhundert führte der zunehmende Massengutverkehr zum Bau immer größerer Tanker und Frachter sowie zur Entwicklung von Containerschiffen, während der Passagiertransport in immer stärkerem Maße vom Flugzeug übernommen wurde. Das Bestreben, die Reisedauer weiter zu senken, förderte auch bei Schiffen, zumindest im Kurzstreckenverkehr, neuartige Konstruktionen wie Tragflügelboote und luftkissengetragene Boote (Hovercraft).

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Info 23.11.2017 19:23
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