Einfache Verkehrswege und Fahrzeuge

Verkehrswege sind wesentliches Grundelement für den Bestand und die Weiterentwicklung einer Zivilisation. Schifffahrtswege, Eisenbahnstrecken, Straßen, Flugverbindungen und Rohrleitungen ergänzen einander in der Beförderung von Personen und Gebrauchsgütern, eines der Transportmittel ist ohne das andere durchaus denkbar. Als aber z. B. vor längerer Zeit in Indien Bewässerungskanäle angelegt wurden, hielt man es zunächst für überflüssig, dazu auch noch Straßen zu errichten. Die Folge war, dass die Kanäle verschlammten und zu ihrer Instandsetzung unter erheblichem Mehraufwand später dennoch Straßen gebaut werden mussten. Für Handel und Transport ist das Verkehrswesen gleichermaßen von größter Bedeutung. Ohne die verschiedensten Transporteinrichtungen wäre es heute kaum möglich, den Lebensstandard in den einzelnen, zum Teil weit abgelegenen Ansiedlungen zu halten oder gar zu erhöhen. Der Ausbau des Transportwesens eines Gebiets ist vom jeweiligen Stand der Technik abhängig, sie ist in den einzelnen Gebieten meist um so weiter entwickelt, je reicher das entsprechende Land ist. Der technische Fortschritt ist stets das Ergebnis der Bemühungen, die Umwelt zu beherrschen und vorhandene eigene Hilfsmittel und einheimische Rohstoffe zu nutzen. In Gegenden, in denen die Erstellung eines modernen Verkehrswesens zu hohe Kosten verursacht, müssen Unterstützungen reicherer Länder in Anspruch genommen oder einfachere und billigere technische Hilfsmittel genutzt werden. Selbst dann, wenn ausländische Unterstützung zur Verfügung steht, erweist es sich häufig als günstiger, diese Hilfe zur Weiterentwicklung eigenständiger und billigerer technischer Möglichkeiten zu nutzen, als teure und komplizierte ausländische Technologie zu importieren. Auf diese Weise wird es meist möglich, ein leistungsfähiges und weitverzweigtes Verkehrssystem zu schaffen, statt nur einige wenige hoch technisierte und entsprechend kostspielige Projekte auszuführen. Bau billiger Straßen
Das Grundprinzip des Straßenbaus ist einfach. So können Straßen auch mit relativ einfachen Mitteln angelegt werden. Dabei muss Erde, manchmal auch Felsgestein, bewegt werden, und gebrochene Steine müssen als Schotter (den Bauplänen entsprechend) verteilt werden. Von großer Bedeutung sind die Vermessungsarbeiten, wichtig u. a. für den Ablauf des Wassers von der Straße. Auch bei Vermessungsarbeiten kann man sich mit einfachsten Mitteln behelfen. Ein längeres Stück durchsichtigen Plastikschlauchs, mit Wasser gefüllt und an den Enden mit Pflöcken befestigt, stellt beispielsweise eine riesige, exakt arbeitende Wasserwaage dar. Wenn dieser Schlauch zwischen den Pflöcken leicht durchhängt, so ist der Wasserstand an beiden Enden stets gleich hoch. Liegt der Schlauch zwischen den Pflöcken auf, so kann man, bei entsprechend dosierter Wassermenge, die Neigung der Fläche direkt am Wasserspiegel ablesen, da dieser stets die Horizontale anzeigt. Brückenbau
Häufig bilden Flussläufe ein Verkehrshindernis. Die Anlage einer Furt gilt als die einfachste Lösung, das Wasser zu überqueren. Allerdings wird die unter Wasser liegende Fahrbahn durch die Strömung schnell unbrauchbar, daher legte man sie mancherorts aus Beton an. Eine dauerhafte und dem Fahrverkehr entsprechende Lösung besteht im Bau einer Brücke. Moderne Straßenbrücken aus Stahlbeton sind zweckmäßig für Schwertransporte und bei hohem Verkehrsaufkommen. Für den spärlichen Verkehr in Entwicklungsländern jedoch stellen Stahlbetonbrücken meist nicht die vernünftigste Lösung dar, zudem müssen Baumaterialien unter erheblichen Kosten über weite Entfernungen herangeschafft werden. Dagegen sind in diesen Gebieten Bauholz und Steine, die sich zum Bau einfacher Brücken vorzüglich eignen, meist in reichlicher Menge vorhanden. Im Gegensatz zu großen Brücken, die stets als Einzelkonstruktion den speziellen Bedürfnissen angepasst sind, können kleinere Holzbrücken durch standardisierte Bauelemente und Konstruktion mit erheblicher Kosteneinsparung errichtet werden. Dies wurde in einer Studie der Forstverwaltung von Kenia (Ostafrika) nachgewiesen. Ein britischer Bauingenieur dieser Behörde hat eine standardisierte Bauholzbrückenfahrbahn von 30 m Länge entworfen, die einzelnen Sektionen werden vorgefertigt, zur Baustelle gebracht und dort zusammenmontiert. Zwei parallel gesetzte Trägerkonstruktionen dieser Art tragen bis zu 20 Tonnen schwere Lastkraftwagen, durch zusätzliche Querträgerelemente können derartige Brücken noch weiter verstärkt werden. Brücken mit größeren Spannweiten werden abschnittsweise zwischen Holzpfeilern errichtet, die im Flussbett verankert sind. Auch hier hat sich die Fertigbauweise bestens bewährt. In erster Linie findet dabei einheimisches Material Verwendung, lediglich für die Verbindungselemente wird Stahl benutzt. Man kann auf diese Weise auf den Import teurer Baumaterialien verzichten. Einfache Verkehrsmittel
Bereits mit einfachsten Fahrzeugen, wie beispielsweise Ochsenkarren, kann der Transport schwerer Lasten in ländlichen Gebieten durchgeführt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die entsprechenden Straßen keine allzu starke Steigungen haben. Dies lässt sich meist durch umsichtige Vorausplanung erreichen. Eine weitere Erleichterung ist die Ausstattung der Karren mit Gummireifen und Kugellagern, wodurch die Reibung in den Radlagern erheblich herabgesetzt wird.