Karren, Kutschen, Equipagen

Bereits in der Frühgeschichte kamen die Menschen zu der Erkenntnis, dass man Lasten auf einfachen Gleitschlitten leichter befördern kann als durch Tragen. Man fand auch bald heraus, dass sich schwere Gegenstände auf rollenden Baumstämmen leichter vorwärtsbewegen ließen. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich dann das Rad und der erste primitive Karren. Erste Radfunde stammen aus Mesopotamien, der Landschaft zwischen Euphrat und Tigris, sie sind etwa 5000 Jahre alt. Der Gütertransport mit Ochsenkarren setzte sich allmählich im ganzen Mittelmeerraum, im übrigen Europa und in China durch. Die Entwicklung des Fuhrwesens nahm schließlich zur Blütezeit der Römer einen entscheidenden Aufschwung, als diese damit begannen, Straßen für schnelle Gespanne zu bauen. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches stagnierte die Entwicklung des Transportwesens bis ins 15. Jahrhundert. Die über die Lande ziehenden Soldaten, Pilger und Kaufleute benutzten Pferde oder Packtiere. Bauernkarren wurden von schweren Pferden, die man als Arbeitstiere züchtete, schwerfällig bewegt, die mittelalterlichen Fahrzeuge hatten keine Federung, und eine Reise durch Europa dauerte einige Monate und war unendlich mühsam. Die Fahrzeugentwicklung
Die ersten Fahrzeuge besaßen zunächst starre Achsen in ungefederten Lagern, bis man schließlich Radaufhängungen aus biegsamen Hölzern und später mit Lederriemen entwickelte. Die Fahrzeuge reicher Leute im 16. Jahrhundert waren an ihren zahlreichen Verzierungen zu erkennen, allerdings forderten sie den Unwillen der meist armen Bevölkerung heraus, die sich so kostbare Kutschen nicht leisten konnten. Die Kirche betrachtete private Reisen als sündhaft, und die Behörden belegten sie mit Steuern. Ähnlich abgelehnt wurden auch die ersten Automobile vierhundert Jahre später. Im Laufe der technischen Entwicklung des 17. Jahrhunderts wurden erstmals Kutschen und Pferdewagen mit Metallfedern gebaut, Große Hinterräder ermöglichten höhere Geschwindigkeiten auf schlecht ausgebauten Fahrwegen und boten bescheidene Reisebequemlichkeit. Die »industrielle Revolution«, die von England ihren Ausgang nahm, wirkte, sich unter anderem darin aus, dass ständig mehr Menschen und Gebrauchsgüter über immer größere Entfernungen befördert werden mussten. So wurden nach und nach eine Reihe verschiedener Fahrzeuge entwickelt: leichte, kleine für kurze Strecken und große Postkutschen für längere Reisen, mit denen man jedoch kaum mehr als 50 km pro Tag zurücklegen konnte. So wird verständlich, dass die Menschen der damaligen Zeit wenig Verlangen nach Vergnügungsreisen verspürten. Von der Postkutsche zur Eisenbahn
In der Folgezeit jedoch wurde der Postkutschenverkehr in Europa stärker ausgebaut und besser organisiert. Die Postfahrzeuge verkehrten allmählich mit einer derartigen Regelmäßigkeit, dass man die Uhr nach ihnen stellen konnte. Gasthäuser dienten als Relaisstationen, in denen teilweise bis zu hundert Kutschen pro Tag abgefertigt werden konnten. Während die Passagiere eine Mahlzeit einnahmen und eine Reisepause einlegen konnten, wurden die Fahrzeuge gründlich überholt und die Pferde ausgewechselt. Im 19. Jahrhundert kam es für kurze Zeh zum Einsatz von Dampfkutschen. Mit der Entwicklung elliptischer Blattfedern aus dünnen, flachen Stahlblättern, wie sie auch heute noch verwendet werden, wurde das Reisen angenehmer, die Kutschen und Equipagen erhielten elegantere Formen und konnten, nachdem der schottische Ingenieur John MacAdam (1756-1836) die nach ihm benannte Straßenbautechnik (»Makadam«) entwickelt hatte, leichter gebaut und schneller gefahren werden. Dies wiederum schuf die Voraussetzung zur Entwicklung einer Vielzahl unterschiedlichster Fahrzeugtypen, vom leichten Zweispänner bis zur schweren Familienkutsche. Reiche Leute hielten sich Personal für Pferde und Kutschen, es gab sportliche Zweisitzer, Fahrzeuge für Kinder mit Gouvernante, sogenannte Phaetons für rasche Fahrten durch Parkanlagen und städtische Straßen sowie respektable Landauer für offizielle Gelegenheiten. Auch in Amerika entstand seinerzeit ein gut durchorganisierter Kutschendienst mit einem umfassenden Verkehrsnetz und zahlreichen Relaisstationen, der von Gesellschaften wie der legendären »Wells, Fargo and Co.« unterhalten wurde. Dieser Kutschendienst bekam während der Eroberung des amerikanischen Westens große Bedeutung. Für Privatfahrten wurden meist leichte zweirädrige Einspänner benutzt, die häufig ein Faltverdeck hatten. Diese zweisitzigen Fahrzeuge waren besonders in Nordamerika anzutreffen. Pferdebahnen – Pferdebusse
In Europa sah man die von J. A. Hansom (1803-82) im Jahre 1834 konstruierten und nach ihm benannten Taxikutschen auf den Straßen beinahe jeder Stadt. Pferdebahnen und Pferdeomnibusse wurden als Massenverkehrsmittel eingesetzt. Der aus Frankreich stammende Kastenwagen wurde 1829 von George Shillibeer (1797-1866) in London als Pferdebus eingeführt, um 1840 wurde er mit zusätzlichen Sitzplätzen auf dem Dach ausgestattet: Dies war der Vorgänger des heute noch typischen Londoner doppelstöckigen Busses. Von Pferden gezogene Busse waren noch lange Zeit in den Straßen der Großstädte zu sehen, die letzten Pferdebusse wurden erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts endgültig aus dem Verkehr gezogen.

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Info 23.11.2017 19:17
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