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Geschichte des Fahrrads

Seit etwa 1860 gibt es Fahrräder mit Pedalantrieb. Sie sind rasch auf der ganzen Erde beliebt geworden und haben sich vor allem in den flachen Regionen Englands, Frankreichs und Hollands durchgesetzt. Im Ersten Weltkrieg wurden erstmals Kampftruppen mit Fahrrädern ausgestattet, sie sind wendig und benötigen keinen Kraftstoff. Noch bis zum Vietnamkrieg (1964) wurden Fahrräder im militärischen Bereich verwendet. Das erste Fahrrad
In Frankreich baute 1791 Comte de Sivraceine hölzerne Fahrmaschine mit zwei hintereinander angeordneten Laufrädern und nannte sie celerifere. Um sie in Gang zu setzen, musste sich der Fahrer mit beiden Füßen vom Boden abstoßen. Ähnliche Maschinen baute auch Nicephore Niepce (1765-1833), einer der Miterfinder der Fotografie, im Jahre 1816 und ein Jahr später der deutsche Forstmeister Karl Freiherr von Drais (1785-1851), dessen Laufmaschine als Draisine bekannt wurde. 1839 entwarf der Schotte Kirkpatrick Mac-Millan ein Gerät mit Pedalantrieb. Ständige Vor- und Rückwärtsbetätigung der Pedale versetzte über ein Schubstangengetriebe das Hinterrad in Drehung. Der direkte Pedalantrieb am Vorderrad wurde als erstes von Pierre und Ernest Michaux um 1860 verwendet. Sie nannten ihre Räder velocipedes, sie hatten großen Erfolg mit ihrer Konstruktion: Bereits vier Jahre später verkauften sie 400 Stück pro Jahr. Mit derartigen Rädern fanden um 1869 in Frankreich die ersten Fahrradrennen auf Landstraßen statt. Das Hochrad besaß ein großes Vorderrad mit fest angebrachten Pedalen und ein kleines Hinterrad. Es wurde 1871 von dem Engländer James Starley (1830-81) erfunden und war bald darauf der beliebteste Fährradtyp. Die Vorderradgröße wurde nach der Beinlänge des Fahrers gewählt und hatte zwischen 1 m und 1,5 m Durchmesser. Der Kettenantrieb
Das erste Fahrrad mit Kettenantrieb wurde 1874 von H. J. Lawson gebaut. Die am Rahmen gelagerten Pedalkurbeln betrieben ein großes Zahnrad, das über eine Endloskette ein am Hinterrad angebrachtes, kleineres Zahnrad in Drehung versetzte. Vorder- und Hinterrad hatten etwa gleiche Größe. Dieses Sicherheitsfahrrad wurde nach 1885 in großer Zahl hergestellt und verdrängte das Hochrad. Das moderne Fahrrad
Die Erfindung des Luftreifens durch den englischen Tierarzt John Boyd Dunlop (1840-1921) im Jahre 1888 wurde zu einem Meilenstein in der Geschichte des Fahrrads. Um jene Zeit wurde auch der trapezförmige Rahmen entwickelt, der in seiner Grundform bis heute erhalten geblieben ist. In den folgenden 70 Jahren fanden keine wesentlichen Änderungen mehr statt, erst nach 1960 wurden Fahrräder mit kleineren Laufrädern und die ersten Klappfahrräder hergestellt. Zu den Sonderkonstruktionen gehört das Tandem für zwei Fahrer und das Tricycle mit drei Rädern, das Carl Friedrich Benz (1844-1929) im Jahre 1885 mit einem kleinen Benzinmotor ausstattete und es so zu einem der ersten »Automobile« machte. Moderne Fahrräder besitzen Schutzbleche, elektrische Scheinwerfer und Rücklichter, die über Dynamos oder Batterien versorgt werden, sowie Felgenbremsen auf beiden Rädern. Man kann hinter dem Sattel oder vor der Lenkstange Gepäckträger montieren oder Satteltaschen zu beiden Seiten des Hinterrades anbringen. Der Rahmen besteht aus nahtlosen, entweder verschweißten oder hartgelöteten Stahlrohren. Bei letzteren sind die einzelnen Rohre über Muffen miteinander verbunden, das Lot dient lediglich dazu, diese in ihrer Position zu sichern. Rennräder haben Rahmen aus Speziallegierungen, sie wiegen häufig nicht mehr als 7 Kilogramm. Die Radfelgen sind über 24 bis 40 Stahlspeichen mit der Nabe verbunden. Das Material der Felge ist eine Aluminiumlegierung oder rostfreier Stahl, häufig verchromt. Die Bremsbeläge der Felgenbremsen sind aus Hartgummi, eine zusätzliche Bremse ist bei einigen Fahrrädern die Rücktrittbremse, die bei Rückwärtsbetätigung der Pedale auf die Hinterradnabe wirkt. Verkehrsvorschriften bestimmen, dass Fahrräder mit reiner Freilaufnabe (bei denen sich die Pedale ohne Bremswirkung frei rückwärts bewegen lassen) mindestens zwei Felgenbremsen besitzen müssen. Die Freilaufnabe wurde im Jahre 1904 von Ernst Sachs entwickelt. Das Hinterrad eines Fahrrads dreht sich schneller als die Pedale. Das Pedalrad, über das die Kette läuft, besitzt durchschnittlich 48 Zähne, das Hinterradritzel dagegen nur 18, daraus ergibt sich ein Übersetzungsverhältnis von 1: 2,66. Schaltgetriebe ermöglichen unterschiedliche Fahrgeschwindigkeiten bei gleicher Pedaldrehung. Man unterscheidet zwei Grundtypen: die Kettenschaltung und die Nabenschaltung. Kettengetriebe haben bis zu sechs Ritzel verschiedener Größe am Hinterrad und drei verschieden große Pedalzahnräder. Daraus ergeben sich 18 verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten. Die Nabenschaltung lässt dagegen nur drei Gänge zu: Neben dem direkten (2.) Gang für normale Fahrverhältnisse gibt es einen Berg- (1.) und einen Schnellgang (3.). Man spricht daher auch von Dreigangnabe. Sie ist eine ausgeklügelte Kombination von Planetengetriebe und Freilaufkupplungen. Natürlich ist eine Kombination von Naben- und Kettenschaltung jederzeit möglich und bietet dem Benutzer eine noch größere Vielfalt von Übersetzungsmöglichkeiten.

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