Geschichte des Motorrads

Im Jahre 1869 konstruierten die beiden Franzosen Pierre und Ernest Michaux in Paris das erste Motorrad mit Dampfantrieb. 16 Jahre später bauten Carl Friedrich Benz (1844 bis 1929) und Gottlieb Daimler (1834-1900) die ersten Autos. Mit der Einführung von Daimlers Benzinmotor bekam auch die Motorradindustrie bald großen Aufschwung. Die ersten Konstruktionen
Die Entwicklungen auf anderen technischen Gebieten machten die ersten Motorräder bald gebrauchsfähiger. Der 1888 von dem englischen Tierarzt John Boyd Dunlop (1840-1921) entwickelte Luftreifen milderte die Stöße bei Fahrten über holpriges Pflaster. Zum Antrieb des Hinterrades benutzte man damals Lederriemen, die leicht absprangen oder rissen. Gestartet wurden die damaligen Motorräder mit Hilfe von Pedalen, ähnlich wie beim heutigen Mofa, oder einfach durch Anschieben und Aufspringen auf die fahrende Maschine. Der Sprühvergaser, im Jahre 1889 von Wilhelm Maybach (1846-1929) verbessert, stellte einen wesentlichen Fortschritt dar. Er ist der Vorläufer der heute üblichen Vergaser. Auch Motordreiräder wurden gebaut, manche waren allerdings kaum mehr als motorisierte Rollstühle. Der De Dion Bouton von 1898 besaß jedoch bereits ein Differential und erreichte mit seinem Heckmotor die damals hohe Geschwindigkeit von 40 km/h. In England schrieb die Straßenverkehrsordnung von 1861 vor, dass allen motorisierten Fahrzeugen ein Mann mit roter Warnflagge vorauszugehen hatte. Erst 1896 trat diese Bestimmung, die die Entwicklung des Kraftfahrzeugwesens in England jahrelang behindert hatte, außer Kraft. Im gleichen Jahr stellte Colonel Capel Holden ein neu patentiertes Motorrad mit Vierzylindermotor vor, das bereits eine moderne Zündanlage mit Zündspule, Batterie und Verteiler besaß, das Hinterrad wurde über Stirnkurbeln angetrieben. Die Verbreitung des Motorrads
In den USA waren um 1905 Harley Davidson und Indian die größten Motorradhersteller. Beide Firmen führten den Gasdrehgriff und einen Hebel zur Zündverstellung an der Lenkstange ein. Die 1-kW Indian von 1905 besaß einen Einzylindermotor mit einem aus einem Stahlblock gedrehten Zylinder. Harley Davidson baute 1909 den ersten Zweizylinder-V-Motor, der, in verbesserter Version, bis heute in den Motorrädern dieser Firma zu finden ist. Um 1914 lag der Geschwindigkeitsrekord für Motorräder bereits bei 150,5 km/h. Damals setzten die Kriegführenden Armeen Motorräder für Melder sowie bewaffnete Seitenwagengespanne ein. Gegen 1920 hatten fast alle Motorräder Kettenantrieb, und die ersten oben gesteuerten Motoren erschienen – etwa in den 1000-ccm-Maschinen von Harley Davidson und Indian. In Deutschland rüstete die Firma BMW die ersten Motorräder mit Boxermotoren aus – dieser Antrieb ist bis heute typisch für BMW-Motorräder. Mit der Zunahme des Straßenverkehrs nutzte auch die Verkehrspolizei vieler Länder die schnellen und wendigen Motorräder. Große Vierzylindermaschinen, besonders von Henderson und Indian, haben sich auf den endlos langen Straßen im Mittelwesten der USA bewährt. Der Zweitaktmotor
Ein Zweitaktmotor ist einfacher gebaut als eine Viertaktmaschine und in seiner Wartung unkomplizierter. In den Jahren um 1930 stellten die Firma Villiers und andere Unternehmen die ersten Einzylinder-Zweitaktmotoren her. Während dieser Zeit entwickelte sich das Motorrad vom Luxusgegenstand zu einem einfachen und nützlichen Transportmittel. Der Soziussitz bot Platz für einen Beifahrer, und mit Seitenwagen konnte so ein Fahrzeug immerhin maximal vier Personen, zwei Erwachsene und zwei Kinder, befördern. 1937 erreichte eine Brough Superior den Geschwindigkeitsrekord von fast 275 km/h. Wieder bereitete sich die Motorradindustrie auf eine Kriegsproduktion vor. 1938 entwickelte BMW das Modell R 75, eine Seitenwagenmaschine für die deutsche Wehrmacht. Deutschland und England konstruierten zusammenklappbare Motorräder für Fallschirmtruppen. Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg tendierte vornehmlich zu kleineren, hochtourigen Motoren. In Europa wurden viele Tausende von Motorrollern hergestellt. Zwischen 1950 und 1965 mussten die Hersteller teurer Luxusmaschinen, wie Vincent und Sunbeam, wegen der drückenden Konkurrenz der in Serie hergestellten Maschinen von Triumph, BSA, Norton und AMC ihre Produktion verringern und schließlich einstellen. Sonderkonstruktionen der verschiedensten Ausführungen entstanden für Straßen- und Hindernisrennen. In den frühen 60er Jahren drang die japanische Firma Honda mit ihren kleinen 50-ccm-Viertaktmotorrädern in die westlichen Märkte ein. Zusammen mit Suzuki und den Zweitaktern von Yamaha beherrschte sie bald den Markt mit Modellen von 50- bis 750-ccm-Vierzylindermaschinen mit Höchstgeschwindigkeiten bis zu 210 km/h. Die meisten heutigen Motorräder sind wirtschaftliche und bequeme Fahrzeuge, elektrische Anlasser und hydraulische Scheibenbremsen gehören zur Standardausrüstung. Nach 1970 hat das Motorrad in Europa einen neuen Aufschwung erlebt, wenngleich nicht als Transportmittel, sondern in erster Linie als Sportfahrzeug. Möglicherweise wird in Zukunft auch der Rotationskolbenmotor häufiger als Motorradantrieb eingesetzt werden – er ist bei gleicher Leistung kleiner und leichter als herkömmliche Motoren.