Moderne Straßenverkehr

Unser modernes Straßensystem hat sich im Lauf der Jahrhunderte aus dem Netz der Wege und Pfade entwickelt, die einst quer durch das Land Ansiedlungen und Städte miteinander verbanden. In früheren Zeiten rollten Bauernwagen durch Felder und Wälder, und man suchte bei bergigem Gelände nach hindernisfreien Verbindungen und vermied Wasserläufe. Fast automatisch fand man die günstigsten Steigungen, wenn man im Bergland die Straßen entlang der Höhenlinien baute. Die Römer dagegen waren bestrebt, ihre Straßen unter Vermeidung von Kurven auf direkten Verbindungslinien zu bauen. Ihre Straßenbauingenieure fanden bereits Mittel, feste Straßen auch auf weichem Untergrund und über Niederungen und Flüsse zu bauen. Entwicklung des Straßenbaus
Eine der ersten modernen Straßen mit gerader Trassenführung wurde 1826 zwischen Shrewsbury und Holyhead von dem schottischen Ingenieur Thomas Telford (1757-1834) gebaut. Sie ist heute, entsprechend ausgebaut, ein Teil der englischen Autobahn A 5. Autobahnen, die speziell für den Schnellverkehr angelegt sind, entstanden in Deutschland in den Jahren nach 1928. Die Straßenbauingenieure orientierten sich dabei an dem damals um Mailand errichteten System von Straßen mit getrennten Fahrspuren, das von Privatunternehmen gebaut worden war. Autobahnen
Mit dem Bau der Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt in den Jahren 1933-35 wurde die technische Konzeption weiter verbessert: Eine zweispurige Fahrbahn von 7,5 m Breite für jede Fahrtrichtung ermöglichte hohe Geschwindigkeiten bei geringstem Unfallrisiko. Damit war das moderne Autobahnsystem geboren. Praktische Erfahrungen und Ergebnisse von Forschungen, die seit damals angestellt wurden, zeigen, dass getrennte Fahrbahnen ohne Gegenverkehr einen dichteren Verkehrsfluss bei höherer Geschwindigkeit und gleichzeitig größerer Sicherheit erlauben als normale Straßen mit Kreuzungen, parkenden Fahrzeugen und anderen Hindernissen. Das Grundprinzip der Autobahnen ist einfach: Kein Gegenverkehr, kein Wenden in den Gegenverkehr, keine Einfahrten in den Gegenverkehr, keine scharfen Kurven und schließlich Fahrspuren von mindestens 3,7 m Breite. Diese Forderungen lassen sich durch den Ausbau vorhandener Straßen meist nicht erfüllen, sodass Autobahnen meist neu trassiert werden müssen. Die modernsten Straßen dieser Art haben drei Fahrspuren auf jeder Fahrbahn mit 11 m Gesamtbreite, einen 5 m breiten Mittelstreifen, eine Fahrbahnneigung zur Entwässerung von 1:40, einen minimalen Kurvenradius von 900 m bei einer Überhöhung von 1:22 sowie freie Sicht auf die gesamte Straßenfläche über 250 m aus 1,1 m Sichthöhe. Stadtautobahnen sind dagegen nicht so sehr auf hohe Fahrgeschwindigkeiten ausgelegt, sondern dienen als Schnellverbindungen zwischen den einzelnen Stadtteilen. Sie werden oft über Brücken und durch Tunnels geführt und besitzen zahlreiche Ein- und Ausfahrten zum Anschluss an den Lokalverkehr. Verkehrskontrolle
Eine der ersten Maßnahmen zur Verkehrsregelung wurde bereits in Rom im 1. Jahrhundert n. Chr. getroffen: Man erließ ein Fahrverbot für Wagen während des Tages. Die ersten Einbahnstraßen und Verkehrsverbote wurden während der Renaissance eingeführt. Leonardo da Vinci schlug bereits eine Verkehrsführung auf zwei Ebenen vor. Als um die Jahrhundertwende der motorisierte Verkehr einsetzte, begann die Verkehrstechnik im heutigen Sinne. Verhaltensregeln wie der Rechtsverkehr auf dem europäischen Festland oder der Linksverkehr in England wurden zu gesetzlichen Vorschriften, Verkehrszeichen und automatische Ampeln wurden eingeführt. Neben der Anpassung des Straßenverkehrs an die bestehenden Verkehrswege hat die Verkehrstechnik ein weiteres Ziel: die Anpassung des Straßennetzes an den Verkehrsbedarf. Dies hat besonderen Einfluss auf die Planung und den Entwurf neuer Straßen. Durch genaue Untersuchungen von Verkehrsstauungen und Unfällen werden hier Möglichkeiten zur Erhöhung der Verkehrskapazität bei geringerem Sicherheitsrisiko erforscht. Stadtverkehr
Besonders dort, wo Fahrzeuge die Durchfahrtsstraßen verlassen und in den Städten Parkmöglichkeiten benötigen, entstehen besondere Probleme. Zu den Versuchen, Verkehrsstauungen zu vermeiden, gehören Parkbeschränkungen und Halteverbotszonen, Wendeverbote, Einbahnstraßen und schließlich das System der »Grünen Welle« bei einer Folge von Verkehrsampeln. In vielen Städten versucht man, den Privatverkehr durch Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel und Erschwerung der Parkmöglichkeiten einzuschränken. In zahlreichen Großstädten gibt es inzwischen auch ein Verkehrsüberwachungssystem über Fernsehkameras, das es ermöglicht, von einer Verkehrszentrale aus über elektrisch gesteuerte Verkehrszeichen den Verkehrsfluss teilweise umzuleiten, um damit bei Stoßzeiten oder bei Stauungen nach Unfällen den betreffenden Straßenabschnitt zu entlasten. Gegenwärtig werden auch Vollautomatische Straßenverkehrssysteme erprobt, die den Verkehrsfluss elektronisch kontrollieren und führen sollen, vergleichbar etwa den Leitstrahlsendern bei Flugzeuglandebahnen. Vielleicht können in absehbarer Zukunft ähnliche Systeme in den Großstädten eingesetzt werden und mithelfen, die größten Verkehrsprobleme zu lösen.

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Info 18.01.2018 05:05
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