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Flughäfen und Luftverkehr

Der erste Flug der Gebrüder Orville und Wilbur Wright (1871-1948 bzw. 1867-1912) am 17. Dezember 1903 in Kitty Hawk, North Carolina (USA), leitete eine Revolution des Verkehrswesens ein. Flugzeuge können Menschen und Waren von jedem Punkt der Erde zu einem anderen transportieren, ohne dass Straßen, Brücken, Tunnels oder Häfen notwendig wären. Moderne Flugzeuge benötigen allerdings groß angelegte Start- und Landebahnen – in den ersten Flugtagen reichte noch eine Wiese oder ein ebenes Gelände aus. Start- und Landebahnen
Mit der Entwicklung des Luftverkehrs nahmen Größe, Gewicht und Geschwindigkeit der Flugzeuge rapide zu, sodass nach 1920 längere Start- und Landebahnen sowie Einrichtungen zur Passagier- und Güterabfertigung und zur Flugüberwachung notwendig wurden. In den 30er Jahren beförderte ein Flugzeug maximal 20 Passagiere, wog nicht mehr als 12 Tonnen und benötigte eine 600 m lange Start- und Landebahn. Die heutigen Jumbojets können dagegen bis zu 500 Fluggäste aufnehmen (bei einem Gewicht von 372 Tonnen) und brauchen Start- und Landebahnanlagen von 3,5 km Länge, wenn die Flugplätze etwa in Meereshöhe liegen – bei höher gelegenen müssen sie entsprechend der geringeren Luftdichte sogar noch länger sein. Die Luftreisegeschwindigkeiten stiegen von damals rund 280 km/h auf beinahe 1000 km/h. Start- und Landebahnen sind heute 50 bis 100 m breit, die sie verbindenden Rollbahnen 25 m. Schwere Flugzeuge besitzen mehrrädrige Fahrwerke, die das Gewicht gleichmäßig auf den Boden verteilen. Pro Fahrwerksrad können die gegenwärtigen Start- und Landebahnen etwa 1000 Tonnen Gewicht verkraften. Verkehrsreiche Flughäfen haben mindestens zwei in unterschiedlichen Himmelsrichtungen verlaufende Start- und Landebahnen, damit die Flugzeuge annähernd entgegen der herrschenden Windrichtung starten und landen können. Am günstigsten sind drei um jeweils 120° versetzte Bahnen. Eine solche Anlage erfordert eine Gesamtfläche von rund 10 km2. Zweckmäßigerweise werden alle Bodeneinrichtungen für die Passagier- und die Frachtabfertigung – aber auch die Parkplätze – im Zentrum der Landebahnen angeordnet, die Zufahrt erfolgt über Tunnels. Ein typisches Beispiel für diese Anordnung ist der Londoner Flughafen Heathrow. Flugplatzanlagen
Flugplätze sollten so nahe wie irgend möglich bei den Städten liegen, wenn der Hauptvorteil des Flugverkehrs, die große Zeitersparnis, auch bei Kurzstreckenflügen noch zum Tragen kommen soll. Vom Flughafen London-Heathrow nach Amsterdam-Schiphol braucht man zwar nur 45 Flugminuten, um aber vom West-londoner Air Terminal nach Heathrow zu kommen, muss man 24 km, von Schiphol nach Amsterdam 12 km fahren. Dazu sind mindestens 60 Minuten Fahrzeit notwendig, und die Passagiere haben durch Zoll- und Sicherheitskontrolle sowie durch Abfertigungszeiten bei der Gepäckaufgabe und Flugscheinkontrolle zusätzliche Zeiteinbußen. Der internationale Flughafen von Buenos Aires ist sogar 50 km vom Stadtzentrum entfernt – günstiger liegen dagegen die Flughäfen von Hongkong mit nur 7 km Entfernung von der Stadtmitte und der Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel, der ebenfalls direkt am Stadtrand liegt. Zu den Flughäfen müssen leistungsfähige Straßen und Bahnen führen, die der Verkehrskapazität des Flughafens gerecht werden. Einige Flughäfen, wie der Kennedy Airport in New York, haben schon länger hier Hubschrauber-Zubringerlinien eingeführt. Zwischen günstiger geografischer Lage der Flughäfen einerseits und der zumutbaren Lärmbelästigung der Stadtbewohner andererseits muss stets ein Kompromiss gefunden werden. Eine bereits praktizierte Lösung ist es, Flugschneisen in weitgehend unbewohnte Gebiete zu legen. Gesetzliche Bestimmungen schreiben in den meisten Ländern Lärmgrenzen zwischen 110 und 120 dB (Dezibel) beim Start von Flugzeugen vor, gemessen am Boden direkt unter der Flugschneise. Passagier- und Frachtabfertigung
Die Passagierabfertigung muss so konzipiert werden, dass Buchung, »Einchecken«, Gepäckabfertigung, aber auch der Einkauf zollfreier Waren in kürzester Zeit abgewickelt werden können. Weiterhin werden Warteräume und Restaurants sowie Räume und Einrichtungen für Passkontrolle, Gepäck- und Personendurchsuchungen benötigt. Für die Beförderung der Luftfracht müssen Zufahrtswege vorhanden sein, ebenso wie zentral gelegene Büros zur Abfertigung der Frachtpapiere und zur Zollkontrolle. Flughafenpolizei-, Feuerwehr- und Ambulanzfahrzeuge brauchen Hallen, die einen unmittelbaren und schnellen Einsatz ermöglichen. Beträchtlichen Aufwand erfordern auch die Einrichtungen zur Flugkontrolle: Der Kontrollturm (»Tower«) muss so angelegt sein, dass die Fluglotsen die Start- und Landebahnen gut übersehen können, die Flugplatzbeleuchtung muss den Flughafen deutlich erkennbar machen, die Landebahnbefeuerung muss den Piloten die Piste zeigen. Funksprechverbindungen und Navigationshilfen wie Funkfeuer und Radarüberwachung sind für den reibungslosen Flugverkehr auch bei schlechten Sichtverhältnissen (Nebel) und bei Nacht erforderlich. Sicherheit ist im Flugverkehr das erste Gebot. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehört nicht zuletzt die sorgfältige Durchsuchung von Personen und Gepäck zur Abwehr von Terroranschlägen und zur Entdeckung und Ausschaltung von Luftpiraten.

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