Häfen und Docks

Ein Seehafen soll in erster Linie Schiffen Schutz vor Sturm und Seegang bieten. Dabei muss er tief genug sein für größere Schiffe und einen geeigneten Ankergrund haben. Größere Hafenanlagen haben Einrichtungen für das Laden und Löschen von Fracht und die Abfertigung des Passagierverkehrs. Natürliche und künstliche Häfen
Die meisten Häfen sind aus natürlich geschützten Seebecken entstanden, die durch Erweiterung und Ausbau mit Piers und Kais zu leistungsfähigen Hafenanlagen wurden. Oft besitzen sie Kräne und Fördereinrichtungen, Lagerhäuser, Zollstellen und spezielle Einrichtungen für den Passagierverkehr wie Einwanderungsbehörden und Dienstleistungsbetriebe. Große Hafenanlagen verfügen über Reparaturwerften mit Trockendocks und verschiedenen Versorgungsanlagen für Wasser, Brennstoff, Öl und Kohle. Einer der ersten Häfen war nach geschichtlichen Überlieferungen der natürliche Hafen von Sidon (heute Saida) im südlichen Libanon am Mittelmeer, der im 2. Jahrtausend unter den Phöniziern eine Blütezeit erlebte. Gegen 1000 v. Chr. wurde er durch den Hafen von Tyros überflügelt, 677 zerstört und wieder aufgebaut. Mit der Zerstörung Karthagos (146 v. Chr.) durch die Römer wurde die phönizische Macht zerschlagen, und Sidon ging im Jahre 63 v. Chr. in römische Hände über. In späterer Zeit wurde die Hafenstadt von den Arabern eingenommen. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts n. Chr. verlor Sidon dann an Bedeutung. Der um 332 v. Chr. gegründete Hafen von Alexandrien ist ein frühes Beispiel einer ausgeklügelten Hafenanlage. Das natürliche Hafenbecken war fast allseitig von Land umgeben, der Osthafen mit seinen Piers lag im Schutze einer Reihe von Riffen. Um 280 v. Chr. ließ Ptolemaios II. von Ägypten den Leuchtturm von Pharos bauen – eines der Sieben Weltwunder der Antike -, damit heimkehrende Schiffe sicher in den Hafen fanden. Im Mittelalter führte der zunehmende Wohlstand in Europa zu einer Ausweitung des gesamten Handelsverkehrs. In den Häfen von Venedig und Genua entstanden Dockanlagen und Werften. Von Genua aus führten die Seewege durch die Straße von Gibraltar, von Venedig aus nach Konstantinopel, von wo aus direkte Handelswege bis in den Fernen Osten bestanden. Der Hafen von Dover, über den die Verbindung zwischen England und dem europäischen Festland hergestellt wurde, war zunächst ein ungeschützter Seehafen. Im 16. Jahrhundert ließ Heinrich VIII. einen Wellenbrecher aus Steinen und Holz bauen, um den ankernden Schiffen besseren Schutz zu bieten. Dennoch wurden bis ins 18. Jahrhundert in Europa fast ausschließlich ungeschützte Seehäfen benutzt. Erst im Laufe der industriellen Revolution entstand der Hafenbau als eigenständiger Zweig der Ingenieurwissenschaften. Seit der Zeit gibt es befestigte Hafenanlagen. Zu den berühmtesten künstlichen Häfen aus jüngerer Zeit gehören die sogenannten Mulberry Harbours, die von den Alliierten im Zweiten Weltkrieg bei der Invasion in der Normandie (1944) benutzt wurden. Sie bestanden aus vorgefertigten Betonteilen, die vor der französischen Küste versenkt wurden. Sie wirkten als Wellenbrecher und schützten eine weite Wasserfläche vor Sturm und Seegang. Auf diese Weise wurde das Landen von Truppen und Fahrzeugen samt Munition und anderen Versorgungsgütern möglich. Hafentypen
Häfen können nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Natürliche Häfen findet man in Buchten und Flussmündungen, Binnenhäfen und offene Häfen an geschützten Küstenstellen. Bei Hafenanlagen unterscheidet man zwischen Handelshäfen, Flottenstützpunkten, Fischereihäfen und in jüngster Zeit auch Sport- oder Freizeithäfen für Jachten und Motorboote. Handelshäfen haben für die heutige Wirtschaft außerordentliche Bedeutung erlangt. Es gibt hochleistungsfähige Containerhäfen, Passagierhäfen für Überseeschiffe, Häfen für den Kurzstreckenverkehr und Häfen, die ausschließlich dem Fährverkehr dienen. Die wichtigsten Welthäfen sind ausgebaute und erweiterte Naturhafenbecken, so z. B. die Häfen von Buenos Aires, Hamburg, Le Havre, Liverpool, Montevideo, New York und San Francisco. Der New Yorker Hafen hat eine nutzbare Küstenlänge von insgesamt 720 km, 240 km sind in Form von Piers ausgebaut. Der innere Hafen ist in fast idealer Weise von Land umgeben, weist eine ausreichende Tiefe für Großschiffe auf und hat einen Gezeitenhub von nur 1,7 m bei schwacher Gezeitenströmung. Der äußere Hafen außerhalb der Verrazano-Untiefen liegt im Schutz weiter Sandbänke. Ein typischer Binnenhafen ist der von Chicago am Michigansee. Er liegt etwa 3000 km vom Golf von St. Lorenz entfernt. Die Seeverbindung von und nach Chicago führt durch den Huronsee in Detroit, den Eriesee und den 9 m tiefen Wellandkanal, der den Erie- und den Ontariosee verbindet und die Niagarafälle umgeht. Von dort führt der St.-Lorenz-Seeweg über Montreal und Quebec bis zum Atlantischen Ozean. Die Mehrzahl aller Welthäfen ist durch Flüsse mit dem offenen Meer verbunden. Der sich in den Mündungen der Flüsse ablagernde Schlamm muss ständig ausgebaggert werden. Die meisten großen Seeschiffe haben einen Tiefgang bis zu 15 m, die modernen Supertanker sogar bis zu 25 m, sodass große Saugbagger die Fahrrinnen unablässig ausbaggern müssen.