Ordnung und Klassifizierung des Wissens

Im Mittelalter beschränkte sich das Wissen der Menschen hauptsächlich auf die Disziplinen Philosophie, Geschichte, Medizin, Astronomie und Geografie. Die Grenzen der technischen und wissenschaftlichen Forschung waren noch sehr eng gesteckt. Lässt man unbewiesene Theorien und reine Vermutungen außer Acht, so wäre es um etwa 1200 wohl möglich gewesen, das gesamte bekannte Wissen in einigen Hundert Bänden unterzubringen. Die ersten Archivierungssysteme
Der Umfang des aufgezeichneten Wissens wuchs zunächst nur langsam. Dann aber, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, setzten sich auf vielen Gebieten wissenschaftliche Untersuchungsmethoden durch. Schon bald konnte niemand mehr hoffen, das gesamte Wissen seiner Zeit jemals zu lesen, zu verstehen und zu behalten. Man begann, sich auf beschränkte Fachgebiete zu spezialisieren. Völlig neue Forschungsgebiete entstanden und zogen eigene Fachsprachen und -literatur nach sich. Dieser wissenschaftlichen Informationsflut waren die meist bescheidenen Bibliotheken und Büchereien noch nicht gewachsen. Das geschilderte Problem führte zu einer neuen Fertigkeit, die man Informationswissenschaft nannte – die Wissenschaft, Informationen in einer Weise zu speichern, zu gliedern, zu verbreiten und zugänglich zu machen, sodass jeder, der das System kennt, zu beliebigen Sachgebieten alle Informationen ausfindig machen und abrufen kann. Heutzutage gibt es viele Aspekte dieser Informationserschließung und ihrer Anwendung wie Marktforschung, Versandhauskarteien oder Bevölkerungsstatistiken. Ihre Grundlagen lassen sich am besten veranschaulichen, wenn man von den Problemen ausgeht, die mit einer großen Bibliothek verknüpft sind. Das erste brauchbare Gliederungssystem für Informationen stammt von Melvil Dewey (1851-1931). Er nahm eine dezimale Kennziffereinteilung vor und veröffentlichte sie 1876. Das Deweysche Gliederungssystem
Dewey teilte die Wissensgebiete in zehn Hauptgruppen ein: 1 Philosophie, 2. Religion, 3. Sozialwissenschaften (einschließlich der Wirtschaftswissenschaft), 4 Sprachen, 5 Naturwissenschaften, 6 Technik, 7 Schöne Künste, 8 Literatur, 9 Geschichte (einschließlich Reisen und Biografien) und 0 Allgemeines (eine Zusammenfassung aller Themen, die nicht in die neun anderen Kategorien passen). Jede Hauptgruppe war in zehn Untergruppen eingeteilt (zweite Stelle der Einteilungszahl), und jede davon noch einmal in zehn Klassen (dritte Stelle). Dewey sah sogar eine noch stärkere Unterteilung vor, indem er nach den drei Ziffern ein Dezimalkomma setzte. Der Vorteil dieses Systems liegt in der einfachen Nummerierbarkeit der Bücher und darin, dass in den Regalen benachbarten Nummern auch sachverwandte Themen entsprechen. Das Deweysche System wurde fast überall eingeführt, hatte aber einen Nachteil: Viele Bücher lassen sich auf mehr als eine Art klassifizieren, und das System hat dafür keine Sperre vorgesehen. Um ein Buch oder ein anderes Dokument mit einer bestimmten Nummer versehen zu können, die das Thema genauer umreißt, führte man die Internationale Dezimalklassifikation ein (DK), englisch: Universal Decimal Classification (UDC). Es ging vom Deweysystem aus und wurde 1905 vom Internationalen Bibliografischen Institut in Brüssel veröffentlicht. Das Institut (später als Internationale Föderation für Dokumentation) hat seither den Bereich der UDC ständig weiterentwickelt. Als die Library of Congress der Vereinigten Staaten im Jahre 1897 neue Räume bezog, war sie schon 97 Jahre alt und beherbergte etwa 1,5 Millionen Bücher und Dokumente. Die Direktion entschied sich zuerst für das Deweysystem, entwickelte aber schließlich doch ein eigenes. Dieses sogenannte LC-System teilt die Themen zunächst in 21 Hauptgruppen ein, die durch die Buchstaben des Alphabets (ohne I, O, W, X und Y) gekennzeichnet sind. Jede Hauptgruppe wird dann wiederum in Untergruppen eingeteilt, die abermals durch Buchstaben markiert werden. Auf diese Weise beginnt die Klassifizierung stets mit zwei Buchstaben und garantiert so eine ziemlich gute Charakterisierung des Inhalts. Den zwei Buchstaben folgt eine Zeichenkombination (aus meist 3 oder 4 Zeichen), die so gewählt ist, dass sie eine möglichst weitgehende Inhaltsangabe des Buches gibt. Numerische Untergruppen werden, wo nötig, durch Themen weiter unterteilt. Andere Klassifizierungssysteme
Auch andere Klassifizierungssysteme haben bestimmte Vorteile und werden daher in modernen Zugriffssystemen verwendet. Die Klassifikation nach Teilaspekten benutzt z. B. die Tatsache, dass die meisten Themen aus gewissen Teilaspekten bestehen. Sie versucht daher, die Hauptelemente auf jeder Klassifizierungsebene aufzulisten. Dieses System hat sich nicht nur als sehr anpassungsfähig erwiesen, sondern es gestattet auch eine genaue Inhaltsangabe von Büchern oder Dokumenten, wenn es gut durchdacht ist. Auch lässt es sich sehr leicht auf Lochkartensysteme übertragen. Gibt man alle Teilaspekte an, die eine gesuchte Information haben soll, so kann ein Lochkartensortierer sehr schnell alle Karten aussortieren, die entsprechende Merkmale tragen. Mehr verwendet man Computer für diese Aufgaben. Sobald die Informationen computergerecht verschlüsselt sind, ist ein Elektronenrechner jeder mechanischen Anordnung und dem Menschen an Geschwindigkeit voraus. Darüber hinaus kann er die Daten laufend ergänzen oder korrigieren. Um dagegen ein Buch »aufzufrischen«, muss man es völlig neu drucken.

Forum (Kommentare)

Info 18.12.2017 00:11
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.