Geschichte des Brückenbaus

Bereits in frühester Vorzeit suchte der Mensch nach Methoden, um natürliche Hindernisse wie Gewässer und Schluchten zu überwinden. Die einfachste Möglichkeit war, kleinere Wasserläufe mit Hilfe von Baumstämmen zu überqueren. Schon an den Pfahlbauten der Stein und Bronzezeit lassen sich Brücken nachweisen. Später wurden primitive Boote nebeneinander verankert eine Methode, die heute noch bei Behelfsbrücken verwendet wird. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (um 484 bis um 425 v. Chr.) berichtet zum ersten Mal von einer festen Brücke im eigentlichen Sinn. Sie stammte aus dem 8. Jahrhundert v.Chr. und überspannte den Euphrat bei Babylon. Die ersten großen Brückenbauten waren Schwimmbrücken (Schiffbrücken). So ließ z. B. der persische König Dareios I. (Regierungszeit 522-486 v. Chr.) während seines Eroberungsfeldzuges gegen die Skythen (512/513) eine solche Brücke über den Bosporus bauen. Sein Nachfolger König Xerxes I. (Regierungszeit 485-465 v. Chr.) benutzte für einen Brückenschlag 674 Boote für zwei Übergänge von je 1,4 km Länge. Das Überwinden von Gebirgsschluchten verlangt nach grundsätzlich anderen Methoden. Hier haben sich schon zu früher Zeit einfache Hängebrücken bewährt. Der buddhistische Mönch Fä-Hsien berichtete bereits im Jahre 412 n. Chr., dass er in Indien eine tiefe Schlucht auf einer etwa 90 m langen Seilbrücke überquert habe. Solche Brücken kann man u. a. noch heute in Indien, China und Südamerika antreffen. Römischer Brückenbau
Die Römer entwickelten eine systematische Brückenbautechnik. Eine der ältesten römischen Brücken war die 150 m lange »Pons Sublicius« von 621 v. Chr., die den Tiber überspannte. Es war eine Holzkonstruktion, deren Überbau auf tief in das Flussbett getriebenen Pfeilern ruhte. Sie ist aus der Geschichtsschreibung bekannt, ebenso wie eine 420 m lange Holzbrücke, die im Jahre 50 v. Chr. über den Rhein gebaut wurde. Sehr eindrucksvoll sind die römischen Steinbrücken, die bis heute erhalten sind. Der tragende Unterbau bestand aus schräg behauenen Steinblöcken, die so gesetzt wurden, dass sie einen halbkreisförmigen Bogen bildeten. Ein typisches Beispiel ist die »Pons Fabricius« in Rom, die 62 v. Chr. fertiggestellt wurde (heute »Ponte Quattro Capi« genannt). Ihre zwei tragenden Bögen überspannen 24 m, bemerkenswert ist ferner ein Hochwasserdurchlass im Zentralbogen. Brückenbauingenieure
Die römische Brückenbautechnik war wohldurchdacht. Die halbkreisförmigen Tragbögen leiteten die auftretende Belastung mehr oder minder senkrecht in die Tragpfeiler über. Da dies die größte Belastungsrichtung von Pfeilern ist, ist es wenig verwunderlich, dass die römischen Bauwerke Jahrhunderte überstanden und es eben solange dauerte, bis die Brückenbautechnik neue Impulse bekam. Im 12. Jahrhundert wurde in Frankreich der Priesterorden »Freres du Pont« gegründet, der sich vor allem dem Brückenbau widmete. Die 1177 über die Rhone errichtete »Pont, D’Avignon« ist ein treffendes Beispiel für das Wirken dieses Ordens. Die Brücke besitzt 21 Bögen, deren größter 35 m Spannweite hat. In England baute der Priester Peter of Colechurch im 12. Jahrhundert die erste steinerne Brücke über die Themse, die »Old London Bridge«. Noch bis weit ins 17. Jahrhundert beschäftigten sich Priester und Architekten, die eine Neigung zum Bauingenieurwesen hatten, mit dem Brückenbau. In Florenz beauftragte die Handelskammer den Maler Taddeo Gaddi (um 1300-66), den durch eine Flut zerstörten »Ponte Vecchio« wiederaufzubauen. Die von ihm restaurierte Brücke weist erstmals einen Unterbau auf, dessen Bögen nicht mehr einen vollen Halbkreis beschreiben. Eine gleichartige Konstruktion verwendete der Priester und Architekt Giocondo (um 1433-1515) beim Bau der ersten Steinbrücke in Paris im Jahre, 1507.
Brücken wurden nicht immer nur von begabten Amateuren gebaut. 1716 wurde im französischen Heer eine Brückenbauabteilung gegründet, das »Corps des Ponts et Chaussees«. Ihr Chefingenieur, Jean Perronet (1708-94), ersetzte erstmals den Kreissegmentbogen durch einen elliptisch geformten Bogen. Eisen und Stahlbrücken
1779 wurde die erste eiserne Brücke von Abraham Darby III, einem Enkel des englischen Eisengießers Abraham Darby (1678-1717), gebaut. Die Brücke überquerte den Severn bei Coalbrookdale in England. Die notwendigen Träger und Eisenplatten wurden in den Coalbrookdale-Werken des Eisengießers Darby hergestellt. Bald darauf benutzte man auch Schmiedeeisen zum Brückenbau. Der schottische Ingenieur Thomas Telford (1757-1834) fertigte die schmiedeeisernen Bauglieder für die Brücke über den Menai Strait zwischen Wales und der Insel Anglesey, die etwa 1826 fertiggestellt wurde. Die Spannweite dieser Brücke betrug 178 m. Ungeachtet des verwendeten Materials blieb jedoch die von den Römern eingeführte Bogenbauweise für den Unterbau eine der wirkungsvollsten Bautechniken, vor allem bei Bauten, die einer großen Belastung unterliegen wie etwa Eisenbahnbrücken von extrem großen Spannweiten. Eine der ersten Brücken dieser Art ist der Stahlbogenbrücke über den Mississippi bei St. Louis, von dem amerikanischen Ingenieur James Buchanan Eads (1820-87) entworfen. 1867 begann er mit den Bauarbeiten und 1874 konnte die Brücke dem Verkehr übergeben werden.