Steppen der Nordhalbkugel

Steppen sind Grasländer ohne Baumwuchs. Besonders große Flächen nehmen sie in Nordamerika (Prärien), Europa (Puszta) und Zentralasien (Steppen Südrusslands) ein. Grassteppen bilden sich dort aus, wo der Regen für die Entstehung von Baumwuchs nicht mehr ausreicht, aber noch so viel Regen fällt, dass die obersten Bodenschichten regelmäßig im Jahreslauf durchfeuchtet werden. Beweidung und Abbrennen fördern den Graswuchs. Gräser und grasfressende Tiere
Im Lauf der Evolution entwickelten sich die Gräser erst spät. Dennoch zählen sie heute zu den erfolgreichsten, fast überall verbreiteten Pflanzen. Alle Gräser sind Windblütler, der sie bestäubende Wind kann ungehindert über die Steppen fegen. Im Gegensatz zu insektenblütigen Pflanzen brauchen sie keine auffallenden bunten Blüten, um die Insekten anzulocken. Viele zwischen den Gräsern versteckte Knollen- und Zwiebelgewächse bringen die Steppe zu reicher Blüte und sorgen für emsiges Insektenleben. Die Ausbreitung der Gräser fördern vor allem die weidenden Tiere. Sie verbeißen die Stängel und regen damit immer wieder das Wachstum an. Denn im Gegensatz zu den zweikeimblättrigen Blütenpflanzen befindet sich das Wachstumszentrum bei den einkeimblättrigen Gräsern an der Basis und nicht an der Spitze der Triebe. Es sorgt für Nachschub, wenn die Spitzen abgebissen werden, so dass die in natürlicher Dichte verteilten Weidegänger ihre Nahrungsbasis nicht gefährden, auch durch Verbiss der anderen Pflanzen wird der Wuchs der Gräser gefördert. In den Grassteppen der nördlichen gemäßigten Breiten leben eine Reihe auffallender Großtiere, die jedoch in historischer Zeit vom Menschen sehr stark, oft bis auf kleine Restvorkommen, dezimiert wurden. Dafür schuf er künstliche Steppen, Wiesen, für seine pflanzenfressenden Haustiere. In den Prärien Nordamerikas, wo heute Millionen Rinder weiden, gab es vor Ankunft der Europäer wohl an die 60 Millionen Bisons und unzählige Gabelantilopen. Auch in Asien existierten früher gewaltige Herden von Wildpferden, Wildeseln, Saiga-Antilopen und Wildkamelen. Zum Teil konnten sich diese Herden bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts halten – dann aber kam der große Zusammenbruch. 1899 lebten nur noch 550 Bisons in Nordamerika. Sorgfältige Schutzmaßnahmen wurden nötig, um das völlige Aussterben zu verhindern. Im letzten Moment glückte es, Bisons, Gabelantilopen und (in Innerasien) Saigas zu erhalten. Das Hauptproblem ist heute, dass die Tiere nicht mehr, wie früher, ihre die Grasnarbe schonenden Wanderzüge ausführen können, sondern in Schutzgebieten mehr oder weniger fest umschriebene Zonen ständig beweiden müssen. Das bringt die Gefahr der Überweidung und damit der Bodenzerstörung mit sich. Das Kleintierleben in der Steppe
Kleine Säugetiere waren und sind zum Teil heute noch sehr häufig in Steppen. Die Gräser dienen auch ihnen als Nahrung. Aber sie besetzen feste Territorien, die groß genug gewählt sind, dass sie vom Zuwachs der Pflanzen leben können. Steppen, die sich im natürlichen Gleichgewicht befinden, werden von Millionen von Präriehunden und Zieseln bevölkert. Zahllose Feinde, aber auch Krankheiten dezimieren sie immer wieder und verhindern, dass sie zu zahlreich werden. Ihr Lebensraum bleibt dadurch unverändert erhalten. Gleichzeitig üben sie wichtige Funktionen aus, ohne die die Steppen weniger produktiv wären. Durch die Anlage ihrer Baue fördern sie immer wieder frische Erde nach oben und belüften den Boden. Durch ihre Fresstätigkeit bauen sie das Pflanzenmaterial ab, so dass es wieder in den Kreislauf der Nahrungsstoffe eingeschleust werden kann. Gleichzeitig stellen sie ein reiches Nahrungsangebot für Adler, Falken, Habichte und Iltisse dar. Die Steppe ist auch reich an Kriechtieren, die in den kleinen Wirbeltieren und den zahllosen pflanzenfressenden Insekten ihre Beute finden. Schlangen jagen nach Mäusen und Eidechsen nach Heuschrecken. Die Vielzahl der Steppenvögel ernährt sich von Körnern, Grassamen und Insekten. Riesige Heerscharen von Kleintieren bevölkern die Bodenkrume selbst und bearbeiten das faulende und sich zersetzende Gras. Ohne die Tätigkeit dieser Organismen gäbe es keine Bodenbildung und keine Fruchtbarkeit. Sie sind daher eine Voraussetzung für die Nutzung der Steppen durch den Menschen. Die Bedrohung der Steppen
Die Gräser machte sich der Mensch schon früh zunutze: Als er Grassorten entdeckte, die reichlich Eiweiß und stärkehaltige Körner hervorbringen, nutzte er die Bodenfruchtbarkeit für diese Gräser, bearbeitete die Erde und verhinderte durch Sortieren des Saatgutes und Unkrautvernichtung das Wachsen anderer Gräser und Kräuter. Statt der Lebensgemeinschaften in den natürlichen Steppen entstanden über riesige Flächen ausgedehnte Kultursteppen, sogar die Wälder der gemäßigten Breiten wurden weitgehend in Ackerland verwandelt. Es blieb nicht aus, dass diese Eingriffe das empfindliche Gleichgewicht zwischen Produktion von Nährstoffen, Verbrauch und Rückführung von Mineralsalzen in den Boden störten. Solange mit der Dreifelderwirtschaft (abwechselnd Getreide, Hackfrucht, Brachland) dem Boden immer wieder die Möglichkeit zur Erholung gegeben wurde, zeigten sich noch keine tief greifenden negativen Auswirkungen. Erst als durch maschinelle Bearbeitung und künstliche Düngung ein fortgesetzter Anbau möglich wurde, gab es große Verluste durch Erosion und Bodenverschlechterung.

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Info 14.12.2017 16:04
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