Afrikanische Savannen

Über den afrikanischen Kontinent, von der Sahara bis zum Kap Horn, ziehen sich ausgedehnte Savannen. Nur im Westen werden sie von den Regenwäldern des Kongobeckens und der äquatorialen Westküste, im Süden von der Namibwüste unterbrochen. Die Savannen bestehen nicht aus einheitlichen Graslandflächen: Je nach Menge und Verteilung der Niederschläge wechseln trockene Steppen, Halbwüsten und Dornbuschgebiete mit Baumsavannen, Flüsse gliedern die Hochflächen. In Südafrika prägen ausgedehnte Farmgebiete die Landschaft. Verschiedene Savannentypen
Jeder Savannentyp hat seine eigene Fauna und Flora, die Landschaftsformen sind durch allmähliche Übergänge miteinander verbunden. Die offenen Baumsavannen werden charakterisiert durch die für Buschfeuer unempfindlichen Brachystegia und Isoberlinia Bäume in trockeneren Gebieten sind diese Bäume durch Akazien und Affenbrotbäume ersetzt, in offenen Grassteppen dominieren Gräser und Kräuter. Die Savanne stellt ökologisch ein sehr komplexes System dar, in dem die pflanzenfressenden Großtiere eine wichtige Rolle spielen. Ihre Hauptnahrung, Gräser und Kräuter, widerstehen den periodischen Trockenzeiten und überdauern die Steppenbrände. Von der intensiven Beweidung erholen sich die Gräser schnell, lange Dornen schützen das Blattwerk der Bäume vor übermäßigem Fraß. Eine erstaunliche Vielfalt an Tieren belebt die Savannen. Sie nutzen die Pflanzen in unterschiedlicher Art und Weise. Die äußersten Zweigspitzen der hohen Bäume werden von den langhalsigen Giraffen abgeweidet, Elefanten gehen bevorzugt an die unteren Äste und an die Rinde. In die kleineren Bäume und das Buschwerk teilen sich Nashorn, Elenantilope, Kudu und Giraffengazelle. An den niedrigsten Zweigen, oft nur knapp über dem Boden, Steinböckchen und Dikdiks (Zwergantilopen). Mit den Gräsern beginnt die Domäne der Weidegänger. Die Zebras beißen die harten Spitzen ab, während die Gnus die weicheren Teile auswählen. Topi und verschiedene Gazellenarten nutzen die bodennahen Teile der Grashalme, Warzenschweine wühlen sogar bis zum Wurzelbereich hinab, um an die nährstoffreichen Knollen zu kommen. Den weidenden Tierherden folgen die »Jäger«, allen voran die Löwen. Aus guter Deckung heraus versuchen vornehmlich die Löwinnen, für das Rudel Beute zu machen. Von Bäumen aus oder an den Wasserstellen jagt der Leopard. Auch er ist ein Lauerjäger, während der Gepard in blitzschnellem Spurt seine Beute schlägt. Bei der Hetzjagd sind die im Rudel jagenden Tiere im Vorteil. Die besten Jäger stellen daher die Wildhunde, allen voran die Hyänenhunde mit ihrer präzisen Zusammenarbeit beim Hetzen. Trotz ihrer mächtigen Gebisse halten sich die Hyänen mehr an wehrlose Jungtiere oder Aas. Auch den Löwen versuchen sie manchmal die Beute streitig zu machen. Doch meist ist es umgekehrt: Die Löwen betätigen sich als Aasjäger. Kleinsäuger in der Savanne
Neben den großen und auffallenden Tieren bevölkern viele kleine Tiere die Savannen. Auch sie nehmen bestimmte ökologische Nischen ein. Kleinsäuger bilden eine wichtige Nahrung für zahlreiche andere Tierarten. Die kleineren Katzen, Füchse, Schlangen und viele Greifvögel ernähren sich vorwiegend von Mäusen, Erdhörnchen und Hasen. Besonders die Schleichkatzen und die Wiesel leben von ihnen. Sie versuchen, unachtsame Surikaten oder Erdmännchen an ihren Bauten zu erbeuten. Ein besonders interessantes Tier ist der Honigdachs. Er wohnt in unterirdischen Bauten, in denen er die Tageshitze verschläft. Abends und nachts wird er aktiv und sucht nach seiner Beute, die von verschiedenen Insekten bis zu Beeren und Früchten reicht. Seine besondere Vorliebe gilt dem Honig. Auf der Suche nach wilden Bienen oder Wespen bedient er sich eines »Führers«: Ein kleiner brauner Vogel, der Honiganzeiger, alarmiert ihn mit ganz bestimmten Rufen und führt ihn zu einem Bienennest, das der Dachs zerpflückt, um an den Honig heranzukommen. Die Bienenlarven und Wabenstücke überlässt er dem Vogel. Vögel der Savannen
Auch die Vogelwelt der Savannen ist außerordentlich reichhaltig. Den Zebraherden folgen die größten lebenden Vögel, die afrikanischen Strauße. Auch große Trappen und Kuhreiher schließen sich ihnen an und fangen die von den Großtieren aufgestöberten Insekten. Mit langen Beinen stelzt der Sekretär durch das hohe Gras, stets auf der Suche nach Schlangen. Er zählt zu jenen Greifvögeln, die in der Savanne besonders zahlreich vertreten sind. Adler kreisen im Aufwind und spähen nach Kleintieren oder Aas, die es in großer Menge gibt, wenn in der Trockenzeit die Wasserstellen versiegen. Vielgestaltig zeigt sich auch die Welt der Kleinvögel. Mit verblüffendem Geschick flechten die Webervögel Grashalme in ihre Nester, die sie an Zweigspitzen von Akazien und Dornsträuchern hängen. Daneben entdeckt der Beobachter auch vertraute europäische Vögel, die hier in Afrika den Winter verbringen. Millionen von Zugvögeln bewohnen alljährlich im Winter die Savannen. Charakteristisch für die Savanne ist der dauernde Wechsel zwischen Überfluss und Mangel. Wenn die Regenfälle reichlich sind, herrscht keine Not, bleiben sie zu lange aus, müssen die Herden wandern und neue Weidegründe und Wasserstellen suchen. Verhindert der Mensch diese Wanderzüge oder besetzt er mit seinem Vieh die Wasserstellen zu stark, dann stört er das empfindliche Gleichgewicht