Südamerikanische Pampas

Zwischen Anden und Südatlantik erstreckt sich eine weite, überwiegend mit Gras bewachsene Ebene, die vom Brasilianischen Bergland und den Wäldern am Amazonas im Norden bis nach Patagonien reicht. Längere Trockenperioden sind häufig in diesem Gebiet. Die heftigen Niederschläge dringen nur in die obersten Bodenschichten ein, flach wurzelnde Gräser können diese Feuchtigkeit nutzen, nicht aber tief wurzelnde Bäume, die daher in den eigentlichen Pampas fehlen oder auf Flussufer beschränkt bleiben. Die ausgedehntesten Grasländer der gemäßigten Zone sind die argentinischen Pampas. Grasländer und Klimabedingungen
Ein hartes, an Extremen reiches Klima bestimmt in den Pampas, welche Pflanzen- und Tierarten dort leben können. Heiße, staubige Sommer wechseln mit kalten, windreichen Wintern. Perioden großer Trockenheit werden von Überschwemmungen abgelöst, wenn Schmelz- und Regenwasser aus dem Gebirge in die Ebenen hinabströmt. Die Flüsse transportieren dann Massen feinsten Schlammes in die Pampas. Wo die Grundwasserstände günstig sind oder wo Flüsse die Pampas durchziehen, bietet der Schwemmboden gute Bedingungen für Ackerbau und Weidewirtschaft. Große Flächen wurden daher in Kulturland umgewandelt. Wo aber die Bedingungen nur lockeren Graswuchs zulassen oder wo das Grasland in eine Dornbuschsteppe übergeht, blieb die Natur weitgehend unverändert erhalten. Die Tiere der Pampas
Die südamerikanischen Grasländer sind ein sehr alter Lebensraum. Einst bewohnte ihn eine Vielzahl von Großtierarten, von denen die meisten schon vor einer Million Jahren ausgestorben sind. Zu dieser Zeit verband sich der Kontinent über den Isthmus von Panama mit Nordamerika. Man weiß nicht, ob die »modernen” Säugetiere aus Nordamerika zur weitgehenden Vernichtung der südamerikanischen Großtierfauna beigetragen haben oder die Veränderungen des Klimas. Jedenfalls ist Südamerika heute der an Großtieren ärmste Kontinent. Von den wenigen größeren Tieren der Pampas sind neben den heute leider weitgehend verschwundenen Guanakos der zierliche Pampashirsch (Blastoceros campestris) und der Nandu (Rhea americana) die auffälligsten Formen. Die langen Beine und der schlanke Hals ermöglichen dem Nandu wie seinem Verwandten in Afrika, dem Strauß, eine hervorragende Übersicht in der Grassteppe. Er ist flugunfähig, rennt jedoch bis 50 km/h. Artenarmut zeigt sich nur bei den Großtieren, die Kleintierwelt ist dafür um so reichhaltiger. Über 1000 größere Insekten kann man pro Quadratmeter finden. Zahlreiche Spinnen und kleine Echsen kommen hinzu. Sie ergeben zusammen ein reiches Nahrungsangebot für Vögel. Den Greifvögeln ist zudem mit kleinen Säugetieren wie den Viscachas (Lagostomus maximus) und den Kammratten (Ctenomys talarum) der Tisch reich gedeckt. Meerschweinchen (Cavia aperea) sind besonders beliebt. Diese Tiere leben in unterirdischen Bauten in großen Kolonien, die sie erst in der Dämmerung verlassen. Dann sind sie zwar vor den Bussarden, nicht aber vor den Füchsen (Dusycyon gymnocerus) oder den großen Beutelratten (Didelphis azarae) sicher. Auch Uhus stellen ihnen nach. Die in unmittelbarer Nachbarschaft in Erdhöhlen brütenden Kanincheneulen fressen Käfer und andere Insekten. Die Pampas beherbergen auch altertümliche Tierarten wie die gepanzerten Gürteltiere und die auf Termiten und Ameisen spezialisierten Ameisenbären. Mit ihrer fadendünnen, langen und klebrigen Zunge holen sie die Termiten aus ihrem Bau. Beide Tiergruppen kommen auf keinem anderen Kontinent vor. Auf Insekten spezialisiert sind außerdem viele Vögel. Der Ani-Kuckuck (Grotophaga ani) und der Viehtyrann (Machetornis rixosus) begleiten die Rinder und fangen die aufgestöberten Insekten. Diese Arten wandern wenig umher, im Gegensatz zum Goldregenpfeifer (Pluvialis dominica): Dieser brütet in der Tundra von Alaska und überwintert nach einem 16 000 km weiten Flug in den Pampas. Von Alaska kommen auch andere Watvögel, z. B. der Einsame Wasserläufer (Tringa solitaria), den man an feuchten Stellen in den Pampas finden kann. Die nordamerikanischen Wintergäste geben sich dort ein Stelldichein, denn das zeitweise hohe Nahrungsangebot in den Pampas ist viel anziehender als das geringe im Regenwald Amazoniens. Aber nicht nur vom Norden, sondern auch vom Süden kommen die Wintergäste. Wenn in Feuerland und Patagonien der Winter einzieht, wandern viele Vögel nach Norden in die Pampas. Der Gran Chaco
Eine besondere Tierwelt beherbergt das waldreiche Übergangsgebiet zwischen Pampas und Regenwald, das die Indios »großes Jagdgebiet« nannten, weil es dort viel Wild gibt. Der Chaco erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 800 000 km2 zwischen dem Fuß der Anden und dem Rio Paraguay. Er stellt eine der letzten weitgehend unberührten Wildnisse der Welt dar. Durch seine endlose Ebene schlängeln sich zahlreiche Wasserläufe, die irgendwo im Chaco wieder versiegen, bevor sie den Paraguay-Fluss erreicht haben. Ausgedehnte Sümpfe und dornige Buschwälder kennzeichnen diesen Lebensraum, in dem noch der große Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus), ein harmloser Kleintierjäger, der Puma (Felis concolor) und der Jaguar (Panthera onca) leben. Der Chaco-Wald ist die Heimat des Riesengürteltieres (Priodontes giganteus), er ist auch ein wichtiges Rückzugsgebiet für den großen Ameisenbären und ein Paradies für Sumpf- und Wasservögel.

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Info 22.11.2017 17:39
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