Die Wälder Australasiens

Nur ein geringer Anteil des australischen Kontinents ist von Wäldern bedeckt. Ein Gebirgszug trennt die bewaldeten Gebiete an der Ostküste in einen Teil mit gemäßigtem Klima (im Südosten) und einen tropischen (im Norden). Auch Neuguinea und die umgebenden Inseln sind größtenteils von tropischem Regenwald überzogen, der in höheren Lagen in einen Bergwald der gemäßigten bis kühlen Zonen übergeht. Die Inseln Neuseeland und Tasmanien waren mit Wäldern der gemäßigten Zonen bewachsen, doch sind diese stark gerodet worden. Die Wirkung der Isolierung
Viele ursprüngliche und »primitive« Lebewesen findet man in Australien, weil der Kontinent seit vielen Jahrmillionen von den anderen Erdteilen getrennt ist. Die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt ging dort oft eigene Wege. Weniger fortschrittliche Formen überdauerten bis in unsere Zeit, weil sie nicht, wie auf den anderen Kontinenten, der Konkurrenz modernerer Arten weichen mussten. So leben in Neuseeland, hoch oben in den Bergen, Frösche (Leiopelma) von einmaliger Eigenart, die merkwürdigen Ameisenigel (Echidna) sind in Ostaustralien und Neuguinea heimisch, das seltsamste Tier Australiens, das Schnabeltier (Ornithorhynchus anatinus), bewohnt die Gewässer gemäßigter Zonen dieses Erdteils. Bäume der gemäßigten und tropischen Zonen
Auch unter den Bäumen gibt es viele Arten, die nur in Australien heimisch sind. Dazu gehören vor allem die Eukalyptusarten, die heute aber weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet sind. Südbuchen (Nothofagus) gibt es außer in Australien auch im südlichen Südamerika. Sie deuten darauf hin, dass die so weit voneinander entfernten Kontinente Australien und Südamerika einst zusammenhingen (Gondwanaland). Riesige Baumfarne (Dicksonia) charakterisieren die feuchten Regenwälder im Osten Australiens. In diesen Wäldern herrscht eine Flora vor, die ganz klar auf das benachbarte Südostasien hinweist. Aus dieser Region, der Orientalis, stammen die Mangrovenbäume (Sonneratia) mit ihren Stelzwurzeln, die Kokospalmen (Cocos), die Bananen (Musa) und die Brotfruchtbäume (Artocarpus). »Lebende Fossilien« sind die Araukarien, die auch in Südamerika vorkommen. Die Tierwelt der Wälder
Einzigartig zeigt sich die Fauna dieser Region: Abgesehen von Fledermäusen und einigen Nagetieren, die nach Australien vordringen konnten, findet man statt der Säugetiere hier Beutel- und Kloakentiere. Vor allem die Beuteltiere nehmen fast alle die »Planstellen« im Naturhaushalt ein, die auf den übrigen Kontinenten von Säugetieren besetzt sind. Statt der Maulwürfe triff man hier z. B. Beutelmulle, statt der Wölfe Beutelwölfe und statt der Flughörnchen Beutelflughörnchen. Die Insel Tasmanien scheint ein besonderes Rückzugsgebiet der Beuteltiere gewesen zu sein, dort ist die Heimat des Beutelteufels (Sarcophilus harrisii) und des Beutelwolfes (Thylacinus cynocephalus), dessen letzter Vertreter 1930 erlegt wurde. Damit ist die Welt um eines der interessantesten Beuteltiere ärmer, lange bevor gründliche Studien über seine Lebensweise durchgeführt werden konnten. Der Prototyp des »Teddybärs«, dem dieses Spieltier nachgebildet ist, der Koala, konnte gerade noch vor dem Aussterben errettet werden. Dieser auf die Blätter bestimmter Eukalyptusarten spezialisierte Kletterbeutler wurde seines Felles wegen stark bejagt. Er ähnelt einem Kleinbären, doch ist er nicht mit diesen Raubtieren näher verwandt. Kängurus bilden eine Tiergruppe, für die man unter den echten Säugetieren keine vergleichbaren Formen findet. Sie nehmen nicht nur die ökologische Nische der Grasfresser in den Steppen Australiens ein, sondern gewissermaßen auch den Platz der Affen in den Wäldern, denn es gibt Baumkängurus (Dendrolagus), die ganz gut klettern. Eine Art, Leadbeaters »Opossum« (Gymnobelideus leadbeateri), galt schon als ausgestorben, da entdeckte man es aber in unzugänglichen Waldgebieten wieder. Alles in allem schneidet die australasiatische Tierwelt zahlenmäßig nicht besonders gut ab, doch sind ihre Arten fast durchweg Besonderheiten. Flugtiere des Waldes
Zwei Arten flugfähiger Säugetiere gelangten bis nach Neuseeland: Es sind die recht altertümlichen Fledermäuse Chalinolobus tuberculatus und Mystacina tuberculata. Ihr Flugvermögen verhalf ihnen zur Besiedlung dieser abgelegenen Inseln, auf denen es kaum größere Tiere gibt. Die ungewöhnlichsten Vertreter der Vögel sind der Kakapo (Strigops habroptilus), ein großer Erdpapagei und die flugunfähigen Kiwis (Apteryx), entfernte Verwandte der Strauße, die nur auf Neuseeland vorkommen. Der Kakapo oder Eulenpapagei kann wegen seines weichen Gefieders nur kurze Gleitflüge unternehmen. Die größten Vögel, die Moas, sind längst ausgestorben. Viel artenreicher ist die Vogelwelt in den Wäldern Australiens und Neuguineas. Dort leben die herrlichen Paradies- und Laubenvögel, die Leierschwänze und die Kronentauben (Goura), die fast truthahngroß werden. Staffelschwänze und Kakadus sind ebenfalls typische und einzigartige Vertreter der Vogelwelt dieser Region. Man könnte Australien den Kontinent der Papageien nennen, denn nirgends gibt es sie in so großer Artenfülle und Menge wie dort. Manche Vogelarten kommen nur in ganz eng umschriebenen Arealen vor. Die Paradiesvögel beschränken sich in Neuguinea oft auf einzelne Gebirgstäler. Andere, wie der Gelbbauch-Dickkopf, sind weit verbreitet.

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Info 18.01.2018 05:07
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