Tropischer Regenwald Äquatorialafrikas

Vom Reichtum der Arten in tropischen Regenwäldern macht sich der Besucher oft eine falsche Vorstellung, denn er sieht dort kaum mehr als Schwärme von Schmetterlingen und gelegentlich einen Vogel. Viele Tiere sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber im Laub. Einige graben Gänge durch die Moderschicht, andere wagen sich selten oder nie aus ihren Schlupfwinkeln in den Bäumen herab. Oft verraten nur die Laute des Waldes die Tiere: Ein fernes Rascheln der Affen im Laub oder die hallenden Rufe der Nashornvögel bei ihrer Mahlzeit in den Baumkronen. Doch keine andere Vegetationsform ist so vielfältig und bietet Lebensraum für eine reichere Fauna. Pflanzen des Regenwaldes
Regenwälder, wie die Urwälder Afrikas, findet man in tropischen Gebieten, wo das ganze Jahr über täglich Regenschauer niedergehen. Die Durchschnittstemperatur beträgt 27 °C und ändert sich nur geringfügig mit der Tageszeit. Die Luft ist feucht und schwül. Die Pflanzen des Regenwaldes streben alle nach oben, der Sonne zu. Je nach Höhe bilden sie deutlich voneinander abgegrenzte Stockwerke. Vereinzelte hohe Bäume, die »Urwaldriesen«, ragen über die dicht gedrängten Wipfel der niedrigeren Bäume hinaus, durch den Pfeiler des Stammes und die Verstrebungen der Wurzeln gestützt. Im mittleren Stockwerk wetteifern kleinere Bäume mit langovalen Kronen um die schmalen Sonnenstreifen, die das Blattwerk durchdringen. Darunter leben Palmen und Sträucher in einem dämmrigen Kleinklima und verschmelzen zu einem verhältnismäßig lockeren unteren Stockwerk. Kletterpflanzen und Lianen überwuchern die Baumstämme. Wo das Licht den Boden erreicht, sind Kräuter, Sträucher und Kriechpflanzen zu einem dichten Unterwuchs verwoben. Den Regenwald kennzeichnet eine ständig wachsende, immergrüne, vielfältige Flora. Epiphytische (auf anderen Pflanzen wachsende) Farne, Flechten und Orchideen siedeln sich sowohl auf besonnten Ästen der Baumkronen als auch im beschatteten tiefer liegenden Geäst an. Einige ernähren sich vom Moder, der sich rund um ihre Wurzeln ansammelt, andere nehmen die Feuchtigkeit durch Luftwurzeln auf. Die Würgefeige bringt ihre Wirtsbäume zum Absterben: Sie keimt auf Ästen, ihre Wurzeln wachsen zur Erde, sie umschlingen den Stamm der Wirtspflanze und ersticken sie bei zunehmender Dicke. In den afrikanischen Regenwäldern wachsen über 7000 Arten immergrüner oder laubabwerfender Blütenpflanzen. Es gibt keine Jahreszeiten, so dass die Tiere das ganze Jahr Blätter und Früchte im Überfluss finden. Das Leben in den Bäumen
Die Stockwerke des Regenwaldes ermöglichen tierisches Leben in verschiedenen Räumen. Pflanzenfresser wie die Stummelaffen bleiben fast ausschließlich im Wipfelbereich, während Raubtiere wie die Genetten auf der Jagd nach Vögeln, kleinen Säugern u. ä. vom Boden bis zu den Baumkronen gelangen. Der gesamte Wald ist ein ausgewogenes Ökosystem, in dem die Tiere nicht nur in verschiedenen Stockwerken, sondern auch zu verschiedenen Zeiten fressen. Affen und Vögel sind gewöhnlich tagaktiv, die meisten waldbewohnenden Säugetiere kommen erst nachts aus ihren Schlupfwinkeln. Dann verlassen die winzigen Buschbabys, wie der Zwerggalago (Galagoides demidovii), ihre Nester und machen sich auf die Suche nach Fluginsekten und Früchten. Durch das dichte Gewirr der Baumwipfel eilt der nachtaktive, allesfressende Baumschliefer (Dendrohyrax dorsalis) und stößt dabei laute Rufe aus. Das Dornschwanzflughörnchen (Anomalurus erythronotus) gleitet auf Fledermausflügeln ähnlichen Hautlappen durch die Zweige. Der afrikanische Linsang (Poiana richardsoni) verlässt sein Nest zwischen dicken, ineinander verschlungenen Lianen und jagt Insekten und kleine Wirbeltiere. Nachtaktive Säuger, z. B. der Buschbock (Tragelaphus scriptus), sucht am Boden nach Nahrung, die afrikanische Zibetkatze (Civettictis zivetta) spürt in der Waldstreu Ratten und Mäusen nach. Die Affen beginnen mit ihren Mahlzeiten in der Morgendämmerung. An ihrem langen weiß-schwarz gezeichneten Fell deutlich erkennbar sitzen Stummelaffen (Colobus polykomos) in Gruppen bis zu zwanzig Tieren beisammen, fressen Blätter und durchsuchen sich gegenseitig das Fell nach Ungeziefer. Alle baumbewohnenden Affen haben ein geringes Gewicht, so können sie die Blätter und Früchte an den Enden dünner Zweige erreichen. Das Geräusch knackender Äste kann von Weißnasenmeerkatzen (Cercopithecus ascanius) oder von Diana-Meerkatzen (C. diana) stammen oder von lärmenden Nashornvögeln und Turakos, die auf der Suche nach Früchten von Ast zu Ast hüpfen. Im mittleren Stockwerk pflücken Horden von Mantelmangaben (Cercocebus albigena) die Früchte. Die Lebensräume der einzelnen Affenarten können sich überschneiden, jede Art bevorzugt jedoch eine besondere Blatt oder Fruchtsorte. Hier leben Baumschlangen, Chamäleons, Frösche und wirbellose Tiere in Mulmanhäufungen um die Epiphyten. Bodenbewohnende Tiere
Nicht alle waldbewohnenden Primaten leben auf Bäumen. Gorillas (Gorilla gorilla) fressen am liebsten Blätter der bodennahen Laubschicht, obwohl sie auch Bäume erklettern. Zusammen mit den Waldelefanten, Büffeln und Okapis (Okapia johnstoni) gehören sie zu den wenigen großen, bodenbewohnenden Säugetieren des Regenwaldes. Zahlreicher sind Hörnchen, Mäuse, Ratten und Elefantenspitzmäuse. Eine Vielzahl von Wirbellosen trägt zur Zersetzung des abgefallenen Laubes bei und schließt so den Nährstoffkreislauf.

Forum (Kommentare)

gil meier 05.10.2017 um 14:59:36 Uhr.
ich brauche wirbellose