Das Leben in der Wüste

Ein Gebiet wird zur Wüste, wenn es weniger als 255 mm Niederschlag pro Jahr erhält. Für die Vegetation ist dann – besonders in warmen Klimagebieten mit starker Verdunstung – zu wenig Wasser vorhanden, sie kann sich nicht mehr als geschlossene Pflanzendecke ausbilden, mehr oder minder große Partien des Bodens bleiben frei. Man unterscheidet zwischen Kälte- und Wärmewüsten. Keine Wüste der Erde gleicht der anderen vollständig. Jedes Wüstengebiet weist Besonderheiten auf, an welche sich die dort lebenden Tiere und Pflanzen angepasst haben. Die Verbreitung der Wüsten
Die Wüsten umschließen gürtelförmig fast die ganze Erde. In tropisch-subtropischen Breiten finden sich die Wärmewüsten (Trockenwüsten): Mojavewüste, Wüstengebiete von Colorado, Arizona, Sonora, Baja California und Chihuahua in Nordamerika (USA und Mexiko), Atacamawüste an der Küste von Peru und Chile, wüstenhafte Gebiete in Argentinien und Nordostbrasilien in Südamerika, in Afrika liegt die größte Wüste der Welt, die Sahara, in Südafrika gibt es die Namib und die Kalahari, Wärmewüsten sind schließlich die Arabische Wüste und das wüstenhafte Innere von Australien. Die asiatischen Wüsten dagegen zählen zu den Kältewüsten (Gobi, südrussische Wüsten), abgesehen von der Thar in Indien. In den Kältewüsten Innerasiens kann die Temperatur unter -40 °C sinken, während sie in den Hitzezentren der Mojavewüste und der Sahara bis auf 56,7 °C ansteigt. Die Unterschiede zwischen Tag und Nacht sind besonders ausgeprägt, Temperaturunterschiede von 40 °C innerhalb 24 Stunden nicht selten. Wassermangel und starke Temperaturgegensätze bilden die wesentlichsten Gegebenheiten, mit denen das Leben in der Wüste fertig werden muss. Pflanzen und Tiere in der Wüste
Wüstenpflanzen sind Xerophyten, d. h. Pflanzen, die sich besonders gut an die Trockenheit angepasst haben. Soweit wie möglich wird die Wasserabgabe bei ihnen vermindert. Dies geschieht vor allem durch Verringerung der verdunstenden Blattflächen. Häufig tragen Wüstenpflanzen Dornen oder Stacheln, die nicht nur vor Tierfraß schützen, sondern auch bis zu einem gewissen Grad die sengende Sonne abhalten. Die meisten einjährigen Pflanzen überdauern Zeiten extremer Trockenheit zu Anfang ihres Lebens als Samen. Sie liegen in Zonen des Bodens, die nicht so warm werden wie die Oberfläche, keimen rasch aus, sobald einer der seltenen, aber ergiebigen Regenfälle niedergeht, und wachsen in wenigen Tagen heran. Aber ebenso schnell verblühen die Pflanzen, bilden Früchte und Samen und streuen diese aus, bevor die Sonne sie verdorren lässt. Jahre können vergehen, bis die Samen beim nächsten Regen keimen. Die mehrjährigen Stauden und Sträucher benötigen eine Mindestwasserversorgung. Sie schicken ihre Wurzeln sehr tief in die Grundwasserzonen hinab und pumpen das Nass mit großer Saugkraft herauf. Andere Pflanzen speichern Wasser in besonderen Geweben, so beispielsweise Kakteen. Wegen ihrer unförmig dicken Speicherorgane nennt man sie Sukkulenten. Die Pflanzen bieten vielen Tieren Schutz und auch etwas Schatten. Die meisten Tiere weichen der größten Tageshitze aber dadurch aus, dass sie sich in den kühleren Boden zurückziehen. Manche Arten legen unter der Erdoberfläche ausgedehnte Gangsysteme an. Die Ernteameisen haben unterirdische, wohltemperierte Baue, wo sie auch ihre Nahrung speichern. Wie viele Pflanzen, schützt eine Wachsschicht auch die tagaktiven Insekten vor Wasserverlust. Das Wachs ist für die Atmungsgase, für Sauerstoff und Kohlendioxid, durchlässig, hält aber das Wasser zurück. In Bodennähe oder unmittelbar an der Bodenoberfläche ist die Hitze am größten. Die Tiere versuchen sich daher vom Boden möglichst weit entfernt zu halten, besonders mit Hilfe langer Beine. Die Schlangen müssen dagegen ihre Aktivität auf die kühlere Nacht beschränken, wenn die Temperaturen für sie günstig sind. Anders in den Kältewüsten: Dort konzentriert sich das Leben auf den Tag, wenn es wärmer ist, vor allem im Winter mit seinen langen kalten Nächten. Die wechselwarmen Reptilien können besser als andere Wirbeltiere ihre Lebensweise den Notwendigkeiten des Wüstenlebens anpassen. Sie brauchen von allen Wirbeltieren am wenigsten Wasser, lieben die Wärme und können im lockeren Sand hervorragend graben. Ihre Körpertemperatur entspricht der Außentemperatur und braucht nicht konstant gehalten zu werden. Nur bei extremer Hitze müssen sie Schutz im Boden, unter Felsblöcken oder im Gebüsch suchen. Je nach Beutewahl sind sie überwiegend tagaktiv, z. B. die insektenfressenden Eidechsen, oder nachtaktiv wie viele Schlangen, die den ebenfalls zu dieser Zeit hervorkommenden Kleinsäugern – Mäusen und Ratten – nachstellen. Grubenottern finden ihre Beute sogar mit Hilfe der Wärmestrahlung, die von warmblütigen Kleinsäugern ausgeht. Schlangen kommen in Halbwüsten und Wüsten in verhältnismäßig großer Zahl vor. Bei einer Art, dem Seitenwinder, hat sich eine speziell für den lockeren Sand sehr gut geeignete Fortbewegungsweise entwickelt: Er bewegt sich über hochgestellte Körperschlingen seitwärts und nicht nach vorn wie andere Schlangen. Reptilien und ihre Beutetiere sind ziemlich stark ortsgebunden. Sie können keine weiten Wanderungen zu Oasen oder Wasserstellen durchführen, sondern müssen mit dem auskommen, was ihnen ihr jeweiliger Lebensraum in der Wüste bietet.

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Info 26.09.2017 - 21:57
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